45 Jahre „No Bros“: Hardrock aus dem Bauch heraus

„No Bros“ gibt es seit 45 Jahren und irgendwie derzeit gleich zweimal.

© Thomas Boehm / TT

Von Markus Schramek

Innsbruck –Man schrieb das Jahr 1974, als der Innsbrucker Klaus Schubert, damals jugendliche 17, eine Eingebung hatte: Die E-Gitarre sollte ab sofort sein Instrument werden. Richtig laut und verstärkt wie bei Led Zeppelin oder Deep Purple.

HTL-Mitschüler und Bassist Michael Außerhofer war ebenfalls vom Rock-Virus infiziert. Die beiden gründeten eine Band, die, nach Umbenennungen, ab 1980 als No Bros für Aufsehen sorgte.

Hardrock aus Tirol – zur damaligen Zeit im Land am Inn schwer vorstellbar. Doch No Bros schafften den Durchbruch, auch über die Grenzen Österreichs hinaus. Songs wie „Heavy Metal Party“ oder „Ready for the Action“ waren bei Headbangern beliebt. Zum größten Erfolg der Band wurde aber ausgerechnet die Edelschnulze „Be My Friend“ aus dem Jahr 1982.

Schnitt in die Gegenwart. Klaus Schubert, inzwischen 62 und Vater zweier erwachsener Söhne, sitzt entspannt beim zweiten Espresso des Vormittags. Er kommt rasch ins Erzählen: G’schichten und G’schichtln von anno dazumal, die wilden 80er-Jahre (keine Drogen, allerdings sehr viel Alkohol), die langen Haare, die Groupies – manches Rock-Klischee wird bedient.

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Hauptthema ist aber unverändert die E-Gitarre, egal ob Exemplare der Marke „Fender“ oder „Gibson“. Denn Schubert bespielt Fabrikate beider legendärer Hersteller. Und: „Ich klinge noch so wie früher, habe meinen eigenen Sound und will den auch gar nicht verändern.“ Wer in die aktuelle No-Bros-CD „Export of Hell“ hineinhört, wird das zweifellos bestätigen.

Gitarrenunterricht hat Schubert nie genommen: „Ich habe mir alles selbst beigebracht und kann bis heute keine Noten lesen, das hat mich nie interessiert. Ich spiele aus dem Bauch heraus, die Musik musst du spüren.“

No Bros hat heuer, zum 45er-Jubiläum, Konzerte in Telfs und im Zillertal gegeben, die Fangemeinde ist der Band treu geblieben. Leben kann und muss Schubert heute von der Musik nicht mehr. Freunde und Gönner ko-finanzieren sein Schaffen: „Ich brauche keinen Luxus und habe nicht einmal ein Auto.“

Von der letzten CD wurden immerhin 1500 Stück verkauft, was im Zeitalter der Streamingdienste gar nicht so wenig ist. „Zu unseren besten Zeiten haben wir allein in Österreich 30.000 Alben verkauft“, stellt der Musiker die Relation zu früher her.

Schubert liebt „Projekte“, wie er das nennt. So trat er während der vorübergehenden Auflösung von No Bros zehn Jahre lang mit der Band Schubert auf. 2013 trommelte er unter der Arbeitsbezeichnung „Schubert in Rock“ etliche Haudegen zusammen, die bei kultigen Formations wie Deep Purple, Whitesnake oder Black Sabbath aufspielten. Eine CD und ein Konzert im Congress Innsbruck waren das beachtliche Ergebnis dieses All-Star-Stelldicheins.

Als Projekt für die nähere Zukunft ist „ein musikalisches Crossover“ geplant, an der Seite von Jazz-Saxofon-Altmeister Florian Bramböck und von Sängerin Denise Beiler. Details sollen bald folgen.

Mit dem früheren Bandkollegen Freddy Gigele liegt Gitarrist Schubert im Clinch. Sänger Gigele verwendet für seine Auftritte ebenfalls den Namen No Bros. Der Streit um den Bandnamen ist gerichtsanhängig. Schubert will sich dazu nicht näher äußern. Dass es in ihm brodelt, merkt man aber auch so.


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