Stolpersteine für Lift in den Rofan werden immer größer

Auch der Beitritt anderer Gemeinden zur Genossenschaft „Naturjuwel Rofan“ könnte von der Aufsichtsbehörde untersagt werden.

Eine neuer Sessellift soll die alte, stillgelegte Sonnwendjochbahn in Kramsach ersetzen.
© Zwicknagl

Von Wolfgang Otter

Kramsach –Die Wogen in Kramsach gehen hoch. Seit bekannt ist, dass der Gemeinde Kramsach von der Aufsichtsbehörde der Beitritt zur Genossenschaft „Naturjuwel Rofan eGen“ untersagt wurde, bangen viele um die Zukunft des gesamten Liftprojektes. Bekanntlich soll anstelle des alten Sonnwendjochliftes eine neue Aufstiegshilfe um 5,8 Mio. Euro gebaut werden. Die Behörde hatte darauf verwiesen, dass „die Höhe der Investitionskosten und deren Finanzierung nicht umfassend geklärt“ sind. Und: „Es wird befürchtet, dass über den vom Gemeinderat genehmigten Investitionszuschuss hinaus noch weitere Zahlungen auf die Gemeinde Kramsach zukommen werden.“ Daher hat die Aufsichtsbehörde der Kommune zusätzlich auch eine Haftungsübernahme oder Kreditaufnahme untersagt.

Sepp Kreidl, Initiator und ehemaliger Obmann des Vereins Naturjuwel Sonnwendjoch, aus dem die Genossenschaft entsprang, findet zur aktuellen Entwicklung äußerst scharfe Worte. In einem Schreiben spricht er von einer Falschinformation der Gemeinde an die Aufsichtsbehörde. „Sowohl vom Verein als auch der Genossenschaft wurde niemals eine Haftung gefordert“, sagt nun Kreidl. Richtig sei, dass „die Gemeindeführung für den Bau des Sonnwendjochliftes eine Zusage von 2 Mio. Euro unter bestimmten Auflagen abgegeben hat. Im Wissen, dass diese große Summe auf Grund der Budgetlage in der Gemeinde bei Baubeginn der Aufstiegshilfe nicht sofort zur Verfügung gestellt werden kann, suchte die Genossenschaft um einen Kredit mit 15-jähriger Laufzeit an. Nach Rücksprache mit zwei Banken wäre deren Zustimmung zum Kredit kein Problem gewesen. Dazu hätten wir geplant, dass die Genossenschaft das Darlehen aufnimmt und die Gemeinde die Rückzahlung, mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde, übernimmt.“ Für die nun eingetretene negative Entwicklung hat er die Schuldigen ausgemacht: „Der aus ÖVP-Mandataren bestehende Gemeindevorstand ist der Verhinderer.“

Eine Aussage, die der Kramsacher Bürgermeister Bernhard Zisterer nicht stehen lassen will: „Ich habe das Gefühl, man sucht jetzt jemanden, dem man den Schwarzen Peter zuschieben kann.“ Bürgermeister Zisterer erinnert an den Beschluss über zwei Millionen Euro Zuschuss, aufgeteilt auf jährliche Beiträge. Eines kann er sich nur schwer vorstellen: Für den Vizepräsidenten der Genossenschaft, Markus Vögele, wäre ein höherer Jahresbeitrag als die versprochenen 100.000 Euro eventuell ein Weg gewesen. „Wir haben uns heuer bereits hart getan, ein Budget für 2020 zusammenzubringen“, erinnert der Dorfchef an weitere Aufgaben der Kommune.

Durch das Ausscheren Kramsachs aus der Genossenschaft kommen auf die Liftprojektanten weitere Probleme zu. Manche der zur Mitfinanzierung aufgeforderten Umlandgemeinden haben nämlich ihre Beiträge von der Standortkommune abhängig gemacht. Andere haben zwar einen Beschluss für den Beitritt (Radfeld und Breitenbach), aber noch keine Genehmigung der Aufsichtsbehörde. BH Christoph Platzgummer lässt keinen Zweifel daran, dass nach derzeitiger Sicht der Dinge das Nein auch auf andere Gemeinden umlegbar ist. Damit beginnt das Liftprojekt immer mehr zu bröckeln.

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Bitteres Fazit Kreidls: „Zum Schluss sei erwähnt, dass auch die junge Genossenschaft aus Unerfahrenheit Fehler machte. Jede andere Gemeinde würde aber bei einem solch wichtigen Projekt beratend und unterstützend eingreifen. Leider war dies in unserer Gemeinde nicht einmal der Fall.“


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