Van der Bellen gedachte „Marsch der Freiheit“ in Hainburg

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Dienstag in Hainburg des „Marsch der Freiheit“ vor 30 Jahre gedacht. Dabei rief er zur Verteidigung der Werte von Freiheit, Rechtsstaat, Menschenrechte und liberale Demokratie auf. „Dafür haben die Bürgerinnen und Bürger der Slowakei damals gekämpft“, sagte er am Abend bei einem Festakt in der niederösterreichischen Stadt.

Der Marsch Zehntausender Slowaken am 10. Dezember 1989 von Bratislava über die österreichische Grenze nach Hainburg habe die beiden Städte sowie die Slowakei und Österreich nach der jahrzehntelangen Trennung durch den Eisernen Vorhang wieder näher gebracht. „Die Samtene Revolution und der Freiheitswille der Slowakinnen und Slowaken hat den Vorhang zu Fall gebracht“, so Van der Bellen, der in Hainburg eine Gedenktafel enthüllte und mit Zeitzeugen aus der Slowakei und Hainburg zusammentraf.

„Das Motto der damaligen Wanderung war zurück Europa, ein Europa der Freiheit, der Rechtsstaatlichkeit, des Friedens, Menschenrechte und der Demokratie, diese Erinnerung wollen wir wach halten und unseren gemeinsamen europäischen Werte nicht nur fortentwickeln, sondern stärken“, sagte der Bundespräsident.

„Die Sonne der Freiheit begann damals ihren Aufstieg ins Firmament, dank des unbändigen Freiheitswillens der Menschen“, sagte der Bundespräsident. „Was für die damals Marschierenden, die [SIBNGLEOPEN]Rückkehr nach Europa ́ bedeutete, bedeutete für Österreich, dass es aus seiner Randexistenz befreit wurde.“ Mit dem EU-Beitritt Österreichs fünf Jahre später und dem der Slowakei 2004 sei die Teilung Europas überwunden worden. Aus Respekt gegenüber den damaligen Teilnehmern gelte es die europäischen Werte gemeinsam zu verteidigen.

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Zuvor besuchte Van der Bellen am Dienstagnachmittag gemeinsam mit der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) den österreichisch-slowakischen Grenzübergang Berg. Ursprünglich sollte auch die slowakische Präsidentin Zuzana Caputova bei der Gedenkveranstaltung in Berg und Hainburg dabei sein. Ihr Besuch wurde jedoch wegen Krankheit kurzfristig abgesagt worden.

Wenige Tage nach der Ankündigung des Abbaus des Eisernen Vorhangs hatten sich am 10. Dezember vor 30 Jahren zehntausende Slowaken auf, um zu Fuß nach Österreich zu kommen. Mit dem „Marsch der Freiheit“ von Bratislava bis ins 15 Kilometer entfernte Hainburg feierten die Menschen am 10. Dezember 1989 ihre Rückkehr nach Europa.

Die Einwohner der niederösterreichischen Stadt Hainburg waren damals völlig überrascht, als am Nachmittag die ankommenden fröhlichen Menschenmassen mit tschechoslowakischen Fahnen immer mehr anwuchsen. Die Behörden hatten offiziell mit 10.000 Bürger aus der Tschechoslowakei gerechnet. Schließlich kamen aber 120.0000 Menschen.

„Meine Frau hat geheult wie ein Schlosshund, so glücklich war sie“, erzählte ein 88-jähriger Hainburger gegenüber der APA. Sie sei in Prag geboren und daher überglücklich gewesen, dass die Grenze, die man der niederösterreichischen Stadt gesehen habe, geöffnet wurde.

Eine Woche nach der Marsch nach Hainburg durchschnitten der damalige Außenminister Alois Mock (ÖVP) und sein tschechoslowakischer Amtskollege Jiri Dienstbier dann beim Grenzübergang Kleinhaugsdorf-Hate offiziell den Stacheldraht des Eisernen Vorhangs mit einer Zange. Das Bild ging als Sinnbild für das Ende des Kalten Krieges um die Welt.


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