Notarzt-Versorgung im Iseltal nur lückenhaft, Flugrettung ergänzt wieder

Dem Roten Kreuz ist es nicht gelungen, ab 15. Oktober ein lückenloses bodengebundenes Notarztsystem im Iseltal zu gewährleisten.

Seit dem Ende der notärztlichen Versorgung im Iseltal durch den Verein Notarztverband Osttirol ringt man um Ersatz. Der private Notarzthubschrauber Martin 4 fliegt ab Sonntag wieder.
© Brunner

Von Christoph Blassnig

Matrei i. O., Kals, Virgen, Prägraten a. Gr. –Am 15. Oktober hat das Rote Kreuz Osttirol die notärztliche Koordination im Bereich Iseltal mit Kals, Huben, Matrei, Virgen und Prägraten übernommen. Das Büro des zuständigen Gesundheitslandesrates Bernhard Tilg kündigte die Installation eines durchgehenden bodengebundenen Dienstes für die Notfallrettung im Abschnitt Iseltal an. Ganz gelingen will dies noch nicht.

Als Dienststelle für diese Notfallrettung (bestehend aus einem Notarzt, einem Notarzteinsatzfahrzeug NEF und einem Notfallsanitäter als Fahrer) dient die Rotkreuzortsstelle Matrei. Unter Einbindung der im Bezirk niedergelassenen Notärzte und jener Ärzte, die aufgrund ihrer Tätigkeit für die Flugrettung zeitweise bereits in der Region sind, sollte ein ausreichender Pool an Medizinern für eine lückenlose Rund-um-die-Uhr-Versorgung zur Verfügung stehen. Doch in den letzten beiden Monaten, in denen die Rettungsdienst Tirol GmbH vom Land mit der Organisation betraut war, ist es den Verantwortlichen nur lückenhaft geglückt, die 12-Stunden-Dienste nicht nur mit einem Notfallsanitäter, sondern tatsächlich auch mit einem Mediziner zu besetzen. Im November, als Matrei wegen des Schnees abgeschnitten war, war teilweise kein Notarzt vor Ort.

Der Stundensatz für die Rettungsdienst-Notärzte liegt mit 50 Euro deutlich über jenen 36 Euro, die der Verein Notarztverband Osttirol ausbezahlen kann. Obmann Gernot Walder beziffert die Kosten für die notärztliche Versorgung, wie sie der Verein auch im Iseltal mehrere Jahre lang geleistet hat, mit 350.000 Euro – pro Jahr. Das Land Tirol sagte der Rettungsdienst Tirol GmbH für rund drei Quartale, bis zur Neuvergabe des Rettungswesens Mitte nächsten Jahres, für das Iseltal einen Betrag von 515.000 Euro zu. Hochgerechnet auf ein Jahr wären es also rund 686.000 Euro, die das neue System kosten darf.

Inzwischen haben Cornelia Trojer aus Matrei und Anton Huber aus Virgen, einst für den Notarztverband im Iseltal tätig, angekündigt, ab dem Jahreswechsel keine freiwilligen Bereitschaftsdienste mehr anzubieten. Beide Mediziner sind durch ihre Kassenverträge zur Leistung von Bereitschaftsdiensten nur an den Wochenenden verpflichtet. Es wird im Isel-, Virgen- und Kalsertal ab 1. Jänner vermutlich schwierig, von Montag bis Freitag außerhalb der Ordinationszeiten einen niedergelassenen Arzt zu konsultieren.

Ab kommendem Sonntag ist der Hubschrauber Martin 4 wieder in Matrei stationiert. Zwischen den Notärzten und den Flugrettungsärzten gibt es keine Dienstabstimmung.

Das Land sagte eine lückenlose bodengebundene Versorgung zu und stellte die Finanzierung auf.
© Christoph Blassnig

Kommentieren


Schlagworte