Protest gegen Gletscherehe: Rebellion der Schnee-Engel

Mit Schnee-Engeln demonstrierten Mitglieder des Innsbrucker Ablegers von „Extinction Rebellion“ (XR) gegen den Zusammenschluss der Gletscherskigebiete im Ötz- und Pitztal. Sie fordern einen Bürgerrat zum Gletscherzusammenschluss.

Aktivisten der Umweltschutzgruppe „Extinction Rebellion“ demonstrierten in Sölden am Nachmittag mit Schnee-Engeln, am Abend mit Fackeln.
© Reichle

Innsbruck, Sölden — Skifahrer reckten verdutzt die Köpfe, manche hämmerten an die Scheiben der Seilbahnkabinen. Die Gruppe Naturschützer, die sich am Samstag unter der Giggijochbahn in den Schnee gelegt hatte, war kein alltäglicher Anblick. Mit Schnee-Engeln demonstrierten Mitglieder des Innsbrucker Ablegers von „Extinction Rebellion" (XR) gegen den Zusammenschluss der Gletscherskigebiet­e im Ötz- und Pitztal.

Es war eine ungewöhnliche Protestaktion, zu der rund 40 Aktivisten nach Sölden gefahren waren. Eine von ihnen war Thaddäa, Studentin aus Baden-Württem­berg: „Ich fahre selbst Ski, finde aber, dass der Lebensraum für die Menschen, die Tiere und die Natur erhalten bleiben soll", betonte sie. Für Birgit aus Innsbruck gibt es bereits „genug Skigebiete", Julian aus Frankfurt möchte, dass Skifahren „klima­neutraler wird". „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass das Projekt erhebliche Auswirkungen auf die Natur hat", erklärt auch Oliver Roß vom Organisationsteam. In fünfeinhalb Wochen startet die Verhandlung der Umweltverträglichkeitsprüfung.

Man sehe das Projekt kritisch, wolle es aber nicht prinzipiell verhindern. Vielmehr fordere man einen Bürgerrat, der aus zufällig ausgewählten Tirolern besteht und über das Projekt entscheiden soll, so Roß. Seitens der Bergbahnen Sölden wurde die Demo beobachtet. Sie sei ruhig abgelaufen. Eine weitere Protestaktion, die der Innsbrucker Rainer Pfluger organisiert hat, soll Sonntagvormittag stattfinden, sofern es die Lawinensituation erlaubt. Drei Seilschaften mit je sechs Personen und je einem Bergführer werden mit Tourenski zu jenem Bereich aufsteigen, in dem die Verbindung entstehen soll.

© Extiction Rebellion

„Ich möchte auf den erheblichen Einfluss auf Landschaft, Mensch und Umwelt durch das Projektvorhaben aufmerksam machen", so Pfluger. Lösungswege sehe er eher in Richtung sanfter Tourismus. Begleitet von mehreren Kamerateams wollen die Skitourengeher ein riesiges Transparent enthüllen. „Wir werden auf jenem Geländeteil stehen, der abgetragen werden soll. Immerhin ist dieser so hoch wie der Dom von Innsbruck", erläutert der begeisterte Bergfex. An dem Transparent, das 31 Meter lang ist, haben Proponenten der XR-Aktion und er stundenlang gearbeitet. „Stoppt den Ausverkauf der Alpen — Natur­räume erhalten!!!" soll weithin zu lesen sein. (mr, pla)

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