„Blaue Flecken programmiert“: Shitstorm für Horoskop in Frauenmagazin

Den Leserinnen der Zeitschrift wird prophezeit, der Partner werde sie im September „nicht mit Samthandschuhen anfassen“. Die Empörung im Netz ist groß, der Verlag entschuldigt sich.

(Symbolfoto)
© dpa/Jan-Philipp Strobel

Innsbruck — Mit einem Horoskop, das häusliche Gewalt verharmlost, hat sich das deutsche Frauenmagazin „Tina" in den vergangenen Tagen einen handfesten Shitstorm eingehandelt. Im September war in der Zeitschrift folgende Prophezeiung zu lesen: „Ihr Partner wird Sie diesen Monat nicht mit Samthandschuhen anfassen, blaue Flecken und Prellungen sind programmiert. Aber vielleicht musste das auch mal sein, denn nach dem großen Knall scheint sich alles wieder einzurenken." Eine Leserin ist von dem Horoskop so schockiert, dass sie ein Foto davon auf Twitter teilt — mit der Beschreibung "völlig normales Horoskop von einer offensichtlich völlig normalen Frauenzeitschrift".

Prompt reagieren unzählige Nutzer auf das Posting. „Die 50er haben angerufen — sie hätten gerne ihr konservatives Weltbild zurück" und „Wieviel Misogynie kann eigentlich noch in einem Artikel stecken?" heißt es in den Kommentaren. Rund 900 Menschen teilen den Beitrag, schnell wird auch die Forderung nach einer Stellungnahme der Verantwortlichen laut.

Verlag rechtfertigt sich: „Fundamentaler Formulierungsfehler"

Dieser Forderung kommt die „Bauer Media Group" nach, sie teilt — ebenfalls via Twitter — folgendes Statement: „Wir möchten uns mit Nachdruck für diese Textpassage entschuldigen, die im vollkommenen Gegensatz zu unserem Frauenbild steht. Wir haben bei der Texterstellung einen fundamentalen Formulierungsfehler gemacht, den wir zudem beim Gegencheck übersehen haben! Das wird sich auf keinen Fall wiederholen: Wir werden unsere Prozesse strikt überprüfen, um solche Fehler in der Zukunft auszuschließen. Wir bitten vielmals um Entschuldigung, denn TINA steht für starke und selbstbestimmte Frauen."

Auch nach Veröffentlichung der Entschuldigung gehen die Wogen im Netz noch hoch. Viele sehen in dem Horoskop viel mehr als einen Formulierungsfehler. Eine Nutzerin schreibt etwa: „Das ist kein Formulierungsfehler sondern schlicht menschenverachtend. Ich hoffe sie ziehen daraus personelle Konsequenzen." (TT.com)


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