Der Reiz am Grausamen

Horror durch und durch: Eine Ausstellung in der Innsbrucker Galerie A4 zeigt gemalte Filmplakate aus Ghana.

Eröffnet wurde die Schau bei den Innsbrucker Premierentagen; noch bis Ende des Jahres können die Plakate begutachtet werden.
© Jarosch

Innsbruck –Das Blut fließt in Strömen, Getier kriecht aus den Augen Geköpfter, Schwerter durchbohren Restkörper. Je wilder, desto besser. Was in Hollywood funktioniert, funktioniert in Nollywood ebenso – wenn auch auf eigene Weise. So hat sich seit den Achtzigern parallel zum prosperierenden afrikanischen Kino (Nigeria ist mit 1500 Produktionen pro Jahr die zweitgrößte Filmnation nach Indien und vor den USA) der Beruf des Postermalers entwickelt. Werbematerial gab es für die schwarzkopierten Filme, die in den privaten Filmclubs gezeigt werden, keines. Der Schildermaler wurde also Filmplakate­maler.

Ausgewählte Beispiele davon werden aktuell erstmals in Österreich im Rahmen von „Nollywood Horror“ in der Innsbrucker Galerie A4 gezeigt. Die umfangreiche Sammlung stammt von Tausendsassa und Subkulturarchiv-Initiator Albi Dornauer, der auf seinen Reisen durch Ghana auf die auffällige Plakatkunst stieß.

Aufgetrennte Weizensäcke, die wie Leinwände grundiert und mit Acryl bemalt wurden, dienten als idealer Untergrund für die explizit brutale Filmreklame. Kunstvoll illustriert werden große Hollywood-Produktionen ebenso wie Splatter­movies aus Nigeria. Traditionelle Ikonografie zerkaut hier westliche Pop­kultur und spuckt den Motivbrei ohn­e allzu korrekte Namens- oder Rechtschreibung in hohem Bogen wieder aus.

Inzwischen ist die auf Mehlsäcken gebannte Grausamkeit aber quasi zum Artefakt geworden. Das hierzulande viel zitierte Kinosterben ist in Zeiten von billiger asiatischer Unterhaltungselektronik und Streamin­g auch in Nollywood angekommen. Und der Beruf des Filmplakatmalers damit akut gefährde­t. (bunt)


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