Talfahrt der WSG Tirol: Nach dem Titel kam die Rote Laterne

Nach einer 1:3-Heimniederlage vor Geisterkulisse im Tivoli überwintert die WSG Swarovski Tirol am Tabellenende der Bundesliga. Die Rote Laterne signalisiert beim Aufsteiger den akuten Handlungsbedarf.

Der Treffer von Benjamin Pranter zum 1:3 in der Nachspielzeit war nur noch Ergebnis-Kosmetik.
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Von Alex Gruber

Innsbruck — Es war auch am gestrigen Tag nicht so, dass es Thommy Silberberger an Idee­n mangelte. Der WSG-Coach stellte nach einem 0:1-Rückstand zur Pause sowohl personell als auch taktisch um. Das Resultat blieb bei der sechsten Liga-Niederlage in Serie (Torverhältnis 4:24) und der siebenten Heimpleite in Folg­e aber trotz 70 Prozent Ball­besitz und 12:1 Ecken erneut aus. Aber der Reihe nach:

Die WSG begann in der Startviertelstunde ambitioniert, ein unnötiges Elferfoul von Michael Svoboda an Martin Pusic bescherte den Burgenländern aber das 0:1 (18.). „Wir treten momentan in jedes Fett­näpfchen", sagte Silberberger dazu nach dem Match. Und auch wenn es Diskussionen über diese Entscheidung gab, ergänzte Sportmanager Stefan Köck: „Da ist dem Schiedsrichter kein Vorwurf zu machen. In dieser Szene darf man nicht so attackieren."

Der zweite Treffer der Mattersburger durch Christoph Halper wurde nach 30 Minuten zurückgepfiffen, im Gegenzug ließ Lukas Grgic die Chance zum Ausgleich aus. Ebenso wie Benni Pranter, der nach einer Adjei-Flanke völlig alleine vor dem Tor den Ball nicht traf (37.). Und bei einem satten Schuss von Flo Riede­r blieb SVM-Goalie Markus Kuster Sieger (42.).

Mit einem Doppeltausch versuchte Silberberger zu reagieren, die Anfangsminuten in Hälfte zwei erweckten den Anschein, als könnte im Keller­derby gegen die biederen Burgenländer noch etwas gehen, ehe der große Auftritt des Andreas Kuen erfolgte: Der 24-jährige Ötztaler im Dress der Mattersburger versenkte vom Sechszehnereck einen Kunstschuss zum 0:2 (54.) in den Maschen. „Es hat eh jeder gesehen, dass ich das nicht so wollte", diktierte der Ex-Wackerianer nach seinem vierten Saisontreffer später an alter Wirkungsstätte.

Die Tiroler rannten in der Folge ohne Durchschlagskraft an und so setzte Marko Kvasina nach Kuen-Traumpass (neunter Scorerpunkt im Herbst) noch das 0:3 (89.) drauf. Der Ehrentreffer von Benni Pranter war in der Nachspielzeit nur noch für die Statistik. Die WSG hatte am Ende mit Mattersburg die meisten Niederlagen (12) und die meisten Gegentreffer (47) stehen.

„Augenscheinlich, dass wir uns verstärken müssen"

„Alles, was bei den sechs Siegen zum Titel in Liga zwei für uns gelaufen ist, lief zuletzt gegen uns. Wir schaffen es nicht, in Führung zu gehen, und machen schwere Fehler. Es ist augenscheinlich, dass wir uns verstärken müssen", analysierte Pranter nach einem langen Jahr mit „positiven wie negativen Emotionen": „So ist Fußball."

„Es ist bitter und ernüchternd. Wir müssen im Frühjahr in den vier Spielen vor dem Abstiegs-Play-off noch anschreiben", blickte Silberberger, der heute in den Urlaub fliegt, voraus. Der Spielermarkt wurde bereits sondiert: „Wir brauchen zwei bis drei Mentalitätsspieler, die mit dem Druck im Existenzkampf umgehen können", weiß Köck: „Wir wollten auf keinen Fall mit der Roten Laterne überwintern."

Ab 7. Jänner startet wieder das Training mit der Mission Klassenerhalt. 2019 gab's zuerst im Sommer den Titel, im Winter dann die Rote Laterne.


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