Zuschüsse für Gemeinden: Gießkanne sprudelt an Bedarf vorbei

Reutte als Hotspot von Kindergartenkindern mit nichtdeutscher Muttersprache muss auf 90.000 Euro Sprach- förderung verzichten, dafür bekommen andere Gemeinden Zuschüsse, obwohl sie gar keinen Bedarf haben.

Der Reuttener Gemeinderat tagte in der letzten Sitzung vor Weihnachten in einem Sitzungssaal der E-Werke im Großfeld.
© Mittermayr Helmut

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Die Zahlen in der Marktgemeinde Reutte sprechen Bände. 50 Prozent der kleinen Racker und Prinzessinnen, die aktuell einen der Kindergärten des Bezirkshauptortes besuchen, haben eine nichtdeutsche Muttersprache. Die Gemeind­e stellt sich dieser Herausforderung unter anderem, indem von der ersten Sekunde an Sprachförderung betrieben wird. In der vergangenen Gemeinderatssitzung informierte Bürgermeister Alois Oberer die Mandatare, dass die Förderung dafür massiv zurückgegangen sei und die Gemeinde heuer 90.000 Eur­o weniger bekomme. Das Programm werde trotzdem in vollem Umfang weitergefahren. Auch die Angestellten müssten sich nicht sorgen.

Oberer: „Wir führen seit 2010 zusätzliche Sprachförderung in unseren Kindergärten durch. Aktuell stehen dafür drei Sprachförderpädagoginnen und zwei Sprachförder­assistentinnen zur Verfügung. Umgerechnet auf Vollzeit bedeutet dies 3,8 Vollzeitkräfte. 2018 haben wir bei Kosten von 155.000 Euro eine Förderung von 144.000 vom Land bzw. Bund bekommen. Damit hat sich die Eigenleistung der Gemeinde auf 11.000 Euro reduziert.“ 2019 sollte sich dies komplett ändern. Die Kosten betragen heuer 168.000 Euro, die Förderung durch die von der schwarz-blauen Regierung geänderten Richtlinien nur noch 54.000 Euro. Das heißt für Reutte, die Förderung ist um 90.000 Euro niedriger und die Gemeinde muss insgesamt 114.000 Euro für die Sprachförderung aufbringen.

Für Oberer noch lange kein Grund, das Projekt zurückzufahren. „Weil die Sprachförderung bei 50 Prozent mit nichtdeutscher Muttersprache für uns extrem wichtig ist, werden wir diesbezüglich trotz geringerer Förderung keine Reduzierung durchführen.“ Was den Marktchef aber irritiert, ist der neue Verteilungsschlüssel: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Förderung jetzt nicht mehr bedarfsorientiert durchgeführt wird, sondern flächendeckend. Das heißt, es werden auch Gemeinden mit einer Grundförderung bedacht, obwohl sie keine Sprachförderung durchführen bzw. brauchen. Das Land sagt, das sei eine Vorgabe des Bundes. Was sie aber nicht sagen, ist, dass diesbezüglich eine Vereinbarung zwischen Bund und Land abgeschlossen wurde.“

Aus Schreiben des Landes an die Gemeinde geht auch hervor, dass Reutte nun nicht nur wesentlich weniger Förderungen bekommt, sondern den Bedarf auch noch von einer Sprachberaterin genehmigen lassen muss. Die eingesetzten Personalressourcen wur- den schon in Frage gestellt.

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Auch eine Urgenz bei Landesrätin Beate Palfader über zusätzliche Fördermöglichkeiten „brachte nur ein juristisch kompliziertes, aber sehr realitätsfremdes Schreiben ihrer Abteilung“. All jene Gemeinden, die in ihren Kindergärten einen hohen Anteil an Kindern mit nichtdeutscher Muttersprache haben, sind laut Oberer betroffen. Nichtbetroffene hätten sich schon gemeldet und gemeint, dass die Marktgemeinde dieses Geld wohl mehr bräuchte als jene in den Talschaften.


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