E-Auto-Akkus wird immer öfter zweites Leben eingehaucht

Statt gebrauchte Batterien aus Elektroautos zu entsorgen, werden diese immer öfter als Stromspeicher weiterverwendet.

(Symbolfoto)
© Thomas Boehm / TT

Wien –Von den rund fünf Millionen Pkw sind bislang nur rund 0,6 Prozent rein elektrisch unterwegs. Für die Energiewende, weg von fossilen Energiequellen, soll sich ihre Zahl aber rasch vervielfachen. Für die Autobauer ergibt sich dadurch die Chance, nicht nur im Verkehrssektor mitzumischen, immer mehr Autohersteller machen ausrangierte E-Auto-Akkus als Stromspeicher für erneuerbare Energien nutzbar und hauchen mit Second-Life-Strategien alten Akkus neues Leben ein.

Ein Geschäft mit hohen Gewinnmargen, wie Analysten von Berylls Strategy Advisors in einer Studie erklären. Demnach soll bis 2032 eine Batteriekapazität von mindestens 1522 Gigawattstunden (GWh) an Gebraucht-Akkus anfallen.

Der französische Autobauer Renault baut beispielsweise in Frankreich ein Batteriespeichersystem mit ehemaligen E-Auto-Batterien. Der 2000 Akkus fassende Pufferspeicher soll über eine Kapazität von 60 Megawattstunden verfügen und als größtes Energiespeichersystem Europas Spannungsunterschiede im Stromnetz ausgleichen. „Das ist nur eines von vielen Projekten von Renault zur Weiterverwendung von E-Auto-Batterien“, sagt Patrizia Ilda Valentini von Renault Österreich. Aber auch Autobauer wie BMW, die VW-Gruppe, Nissan und Daimler haben ähnliche kleinere Anlagen bereits ans Stromnetz angeschlossen. Die Akkus bleiben rund zehn Jahre lang im Auto, danach verfügen sie meist noch über rund 70 Prozent ihrer Leistung und können noch viele Jahre als Speicher dienen.

Die Autobauer sind verpflichtet, die Akkus zurückzunehmen. Die Überstellung nach Frankreich übernimmt in Österreich etwa für Renault die steirische Firma Saubermacher als Kooperationspartner. Lukrativ ist für die Autobauer jedoch auch das Recycling der Akkus. Renault erzielt damit bereits einen Ertrag von rund 550 Mio. Euro. Die Hersteller setzen deshalb großteils auf eine Doppelstrategie, auch weil das zweite Leben der Akkus einmal ein Ende hat. Der US-E-Auto-Pionier Tesla setzt hingegen ausschließlich auf Recycling, um Lithium, Kobalt, Kupfer, Aluminium und Stahl wiederzuverwenden, da die Rückgewinnung aus alten Akkus günstiger als Kauf und Transport neuer Rohstoffe sei.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Eine Studie des Beraters Roland Berger fordert, Standards für den Bau der Akkus zu implementieren, um die Wiederverwendung der Materialien zu vereinfachen. Der Markt für die wiederverwendeten Rohstoffe sei bis 2040 rund 40 Mrd. Euro schwer. (ecke)


Kommentieren


Schlagworte