Grippewelle an Tiroler Schulen: Klinik gerät an ihre Grenzen

Früher als üblich hat die Grippewelle Tirol erfasst. Außergewöhnlich an der Epidemie ist, dass vor allem Kinder von der Influenza betroffen sind. Das macht sich auch in der Kinderklinik bemerkbar. Die Landessanitätsdirektion empfiehlt besondere Hygiene und rät zur Impfung.

Der derzeit im Großraum Innsbruck aktive Virenstamm setzt vor allem Kindern zu.
© iStock

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Es ist bereits die zweite Schule binnen weniger Tage, die aufgrund einer außergewöhnlich hohen Zahl von Grippeerkrankungen vorübergehend ihre Pforten schließen muss. In Absprache mit der Bildungsdirektion Tirol hat die Schulleitung der Volksschule Angergasse in Innsbruck gestern per Verordnung bis Ende der Woche – und damit bis zum Beginn der Weihnachtsferien – den Betrieb eingestellt.

Grund sind rund 150 an Influenza erkrankte Schülerinnen und Schüler – von insgesamt 250 Kindern an der Schule. Empfohlen hat die Schulschließung die Landessanitätsdirektion, die bereits vergangene Woche der Volksschule im Stadtteil Igls eine Zwangspause bis morgen Mittwoch verordnet hat. Dort waren am Donnerstag 67 der 119 Schüler krankgemeldet. Derzeit zeichnen sich keine weiteren Schulschließungen ab, man könne diese aber auch nicht ausschließen, heißt es seitens der Landessanitätsdirektion.

„Impfen macht auch jetzt noch für jeden Sinn“

„Wer an Influenza erkrankt, soll unbedingt zuhause bleiben“, empfiehlt Innsbrucks Amtsarzt Hans-Peter Rammer und betont: „Impfen macht auch jetzt noch für jeden Sinn, sowohl zum eigenen Schutz als auch zum bestmöglichen Schutz des Umfelds.“ Kinder seien seltener gegen Influenza geimpft. So können sich Viren schneller verbreiten und vor allem in Bereichen mit vielen Menschen wie Schulen oder Kindergärten, aber auch innerhalb der Familie bei nicht geimpften Menschen ansteckend sein.

Die „echte Grippe“ (Influenza) ist im Vergleich zum grippalen Infekt (Erkältung mit oder ohne Fieber) eine schwere Erkrankung mit hohem Fieber, die mehrere Tage oder Wochen andauern kann. Das Risiko für Komplikationen wie eine Lungenentzündung ist beträchtlich. Die „echte Grippe“ wird durch Influenzaviren verursacht, gegen die eine Grippeimpfung schützen kann.

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„Von der aktuellen Grippewelle sind überwiegend Kinder und Jugendliche betroffen.“
Thomas Müller (Direktor Kinderklinik)

Da jedes Jahr unterschiedliche Influenzaviren im Umlauf sind und die Impfung eine zeitlich begrenzte Wirksamkeit hat, wird der Impfstoff alljährlich neu an die zirkulierenden Influenza-Virusstämme angepasst. Eine jährliche Impfung ist daher für Kinder und ältere Menschen sinnvoll, heißt es in einer Aussendung der Stadt Innsbruck. Eine klare Impfempfehlung kommt auch von der Landessanitätsdirektion, siehe Interview rechts.

Doppelt so viele Patienten am Samstag, Schnelltests fertig

Die Grippeepidemie macht sich jedoch nicht nur in Innsbrucks Schulen, sondern auch an der Innsbrucker Klinik bemerkbar. Angesichts der Anzahl der Krankheitsfälle und der Altersgruppe der Patienten spricht Thomas Müller, Leiter der Innsbrucker Kinderklinik, von einer außergewöhnlichen Häufung im Vergleich zu vergangenen Jahren. „Im konkreten Fall scheint es, als würde es sich auf Innsbruck und Innsbruck-Land und junge Menschen konzentrieren. Wir haben zwar auch Fälle von Erwachsenen in der Notaufnahme an der Klinik, aktuell sind aber überwiegend Kinder und Jugendliche betroffen“, erklärt Müller und verweist auf die Zahlen vom vergangenen Wochenende. „An einem durchschnittlichen Tag haben wir in 24 Stunden 70 Patienten auf der Kinder-Notfall-Ambulanz. Alleine am Samstag waren es mit 140 doppelt so viele. Die Zahlen von Sonntag liegen uns noch nicht vor.“

Die Fälle mit Grippesymptomen waren derart zahlreich, dass sogar die Schnelltests zur Grippebestimmung ausgegangen sind. „Wir hatten außerdem teilweise sehr lange Wartezeiten – und das, obwohl wir mit einer Schwester und einer Ärztin noch zusätzliches Personal für das Wochenende hereingeholt haben“, berichtet Müller und bittet angesichts der außergewöhnlichen Situation bei den Betroffenen um Verständnis. „Wir tun unser Bestes und es wird auch jeder behandelt. Aber es kann dieser Tage eben etwas dauern.“

Ursachensuche

Eine endgültige Erklärung für die Häufung der Grippefälle bei Kindern hat der Leiter der Innsbrucker Kinderklinik noch nicht. Dazu müsse man erst die genaue Bestimmung des Virus abwarten. „Wir vermuten aber, dass es sich um das H3N2-Virus handelt. Ein Grippevirus modifiziert sich immer ein bisschen und offensichtlich sind Kinder hier bisher noch nicht mit einem ähnlichen Virus in Kontakt gekommen“, so Müller. Daher habe die jetzt betroffene junge Generation auch weniger Immunität gegen das aktuell grassierende Virus entwickelt. Das würde auch erklären, warum Erwachsene, die vor Jahren bereits mit einer früheren Form des Virus in Kontakt gekommen sind, nicht so häufig erkranken.

Müller geht davon aus, dass sich die Lage mit Beginn der Weihnachtsferien beruhigen wird. Um die Kinderambulanz zu entlasten, appelliert er an Betroffene, an den Wochenenden auch das Angebot des Ärztlichen Notdiensts in der Innsbrucker Fallmerayerstraße 5 in Anspruch zu nehmen. Dieser ist von Freitag, 20 Uhr, bis Montag, 7 Uhr, besetzt und telefonisch unter 0512/360006 zu erreichen.

3 Fragen an Anita Luckner-Hornischer (Impfexpertin Landessanitätsdirektion)

1. Wie Besorgnis erregend ist die im Großraum Innsbruck grassierende Grippe? Normalerweise erreicht uns in Österreich die Grippewelle im Jänner, manchmal bereits im Dezember. Heuer ist es eben etwas früher. Es ist normal, dass sich die Grippe in engen Räumen mit vielen Menschen – wie Schulklassen – schneller ausbreitet. Es gibt also keinen Grund zur Panik. Wer erkrankt, sollte sich auskurieren und seinem Körper Ruhe gönnen. Nach zehn bis 14 Tagen sollte die Grippe abgeklungen sein.

2. Wie kann man sich gegen eine Ansteckung am besten schützen?

Mit einer entsprechenden Handhygiene kann man am besten vorbeugen: Mehrmals täglich für mindestens 20 Sekunden Hände waschen. Niesen und husten sollte man – wenn kein Taschentuch zur Hand ist – in den Ellenbogenbereich. Wer Grippesymptome an sich oder bei seinem Kind feststellt, sollte im Zweifel auf jeden Fall zu Hause bleiben und das Kind nicht in die Schule schicken.

3. Die Grippe ist bereits da. Warum ist es trotzdem sinnvoll, sich jetzt noch impfen zu lassen?

Der Impfschutz ist zwar erst zehn Tage nach der Impfung voll wirksam, die Grippesaison hat aber gerade erst begonnen. Wir wissen außerdem auch nicht, wie sich die Grippewelle in den kommenden Wochen verhalten wird. Wer geschützt sein will, sollte sich daher also auf jeden Fall jetzt noch impfen lassen.


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