Weniger arbeiten, mehr Tore schießen: Billa-Rezept ging auf

Nicole Billa ist Österreichs Fußballerin des Jahres 2019. Die Stürmerin des deutschen Bundesligisten 1899 Hoffenheim triumphierte bei der von der APA - Austria Presse Agentur unter Verantwortlichen der zehn Frauen-Bundesligisten durchgeführten Wahl mit 21 Punkten vor Laura Feiersinger (17) und Manuela Zinsberger (12). Die Tirolerin trat die Nachfolge von Premierensiegerin Sarah Zadrazil an.

„Es ist eine sehr schöne Auszeichnung. Ich freue mich riesig, weil es eine große Ehre ist, auch eine große Wertschätzung und irgendwie noch einmal etwas Besonderes“, sagte eine stolze Billa. Aufgrund ihrer starken Performance im Nationalteam und auch beim Club kam die Wahl für Außenstehende wenig überraschend. Für die Angreiferin, die nicht so gerne im Rampenlicht steht, schon. „Fußball ist einfach meine Leidenschaft. Die Auszeichnung ist etwas, mit dem ich absolut nicht gerechnet habe“, betonte die Tirolerin. Zuvor war sie nur 2014 bei der Bruno-Gala als Akteurin von St. Pölten zur besten Spielerin der Saison gewählt worden.

2019 hat sie einen großen Entwicklungsschritt gemacht. Im Frühjahr fixierte sie mit drei Toren ihre Karrierebestleistung in Deutschland von neun Treffern. Danach platzte der Knoten richtig. Mit 14 Toren nach 13 Spielen hat sie ihre Rekordmarke schon jetzt übertroffen. Als Nummer zwei der Schützenliste steht sie in der Auslage. „Im Moment passt das sehr gut, was sie macht. Wenn eine Spielerin so trifft wie sie, wird sie interessant. Wir bieten ihr schon viel, aber finanziell gibt es Clubs, die besser sind“, ist sich Hoffenheim-Coach Jürgen Ehrmann bewusst. Billas Vertrag läuft bis Sommer 2021. Konkrete Zukunftspläne hat die seit 2015 bei der TSG spielende Stürmerin keine. „Ich bin nicht so ein Mensch, der sich irgendwie beschränken will“, ist Billa für alles offen.

Aus sportlicher Sicht gibt es keinen Grund, an einen Wechsel zu denken. Hoffenheim ist drei Punkte dahinter erster Wolfsburg-Verfolger. „Es nur an der Nici Billa festzumachen, wäre zu einfach. Stürmer leben von den Mitspielern rundherum“, betonte die ÖFB-Angreiferin. Sie zählt zu den Führungsspielerinnen. „Sie ist am Platz enorm wichtig, hat aber auch außerhalb des Platzes den Blick für das große Ganze und ist sicher noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt“, erläuterte Ehrmann.

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Auch im Nationalteam hat sie längst eine tragende Rolle. Da gelangen ihr dieses Jahr sieben ihrer 25 Tore, womit sie die Nummer drei im ewigen ÖFB-Ranking ist. „Das hört sich mit 23 Jahren auf jeden Fall gut an“, sagte Billa. Fünfmal traf sie in der laufenden EM-Quali, wo 2020 die Duelle mit Frankreich warten. „Das wird eine Herausforderung, die wir gerne annehmen“, so Billa. Ihr Teamchef sieht sie als wichtiges Puzzlestück. „Sie ist eine absolut würdige Siegerin, wenn man sieht, dass sie in einem Bereich angelangt ist in Deutschland, wo die absoluten Topplayer angesiedelt sind“, erläuterte Dominik Thalhammer.

Bodenständig wie eh und je ist die Ex-Juniorinnen-Welt- und Europameisterin im Kickboxen geblieben. Sie teilt sich eine WG mit Landsfrau Katharina Naschenweng und der Schweizerin Luana Bühler, die das Trio finanzieren muss. Um sich Geld dazuzuverdienen, geht Billa nach wie vor neben ihrem Profi-Engagement, wo sechs bis acht Trainingseinheiten pro Woche anstehen, arbeiten.

Ihre Ausbildung zur Erzieherin - vergleichbar mit Kindergartenpädagogin in Österreich - hat sie im Sommer abgeschlossen. Mit ein Grund, warum es im Herbst steil bergauf ging. „Ich gehe statt 38,5 nur noch 16 Stunden arbeiten. Das macht schon sehr viel aus, weil der Stress-Level nicht mehr so hoch ist, die Regenerationszeit viel länger und mehr Zeit für Einzeltraining bleibt“, klärte Billa auf.

Nach dem letzten Spiel am Sonntag ging es für die Absolventin des Nationalen Zentrums für Frauenfußball in St. Pölten zum Heimaturlaub nach Tirol, wo sie in Angerberg auch mit der Familie Weihnachten feiert. „Skifahren, ein bisschen am Berg, das ist genau meins“, gab Billa Einblick. Bis 6. Jänner hat sie frei. Dann geht es in ihrer Wahlheimat wieder weiter, wo sie bei jedem Heimspiel auch familiäre Unterstützung von ihrer Mama erhält.

Die Abstimmung 2019 ging vom Ergebnis her ähnlich knapp wie im Vorjahr aus. Damals hatte Zadrazil mit 19 Zählern vor Feiersinger (14) und Billa (13) gewonnen. Zadrazil landete diesmal mit zwei Zählern auf Rang zehn. Nur knapp am Podest schrammte ÖFB-Rekordtorschützin Nina Burger (11) vorbei, die nach der Frühjahrssaison ihre internationale Karriere beendet hatte und nun wieder für Neulengbach die Schuhe schnürt.

Billa bekam von fünf Verantwortlichen Stimmen, Liese Brancao (St. Pölten), Johannes Spilka (Landhaus) und Susanna Koch-Lefevre (Südburgenland) wählten sie auf Platz eins. „Sie hat mit vielen Toren und stabilen Leistungen aufgezeigt“, begründete Brancao. Laut Spilka sei sie ein unverzichtbarer Teil in der ÖFB-Team-Offensive. Koch-Lefevre verwies auf Billas Position in der Torschützenliste: „Das sagt viel über ihre Stärke aus.“


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