Gehälter 2019: Diese Berufe waren die Gewinner und Verlierer

Geht es nach dem angebotenen Bruttogehalt in Stellenanzeigen, haben Ärzte die Nase vorne. Mitarbeiter im Einzelhandel befinden sich am unteren Ende der Skala. Der Bundesländervergleich zeigt, dass Unternehmen in Wien rund 1000 Euro mehr bieten als in Tirol.

(Symbolfoto)
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Innsbruck – Das Jahr 2019 ist fast geschlagen – Zeit, auch in Sachen Gehalt einen kurzen Rückblick zu wagen. Geht es nach den in Stellenanzeigen angebotenen Beträgen, haben vor allem Ärzte und Arbeitnehmer in Wien am besten verdient. Am unteren Ende der Skala befinden sich Mitarbeiter im Einzelhandel – und das, obwohl in der Branche großer Fachkräftemangel herrscht.

Die Marktforschungsagentur Index hat im Auftrag desRecruiting-Unternehmens StepStone die Gehaltsangaben in Stellenanzeigen von 22 Printmedien und 21 Jobbörsen im Zeitraum von Jänner bis Oktober 2019 ausgewertet.

Im Branchenvergleich zeigt sich, dass Ärzten mit einem durchschnittlichen Brutto-Monatsgehalt von rund 5300 Euro das meiste Geld angeboten wird, gefolgt von Ingenieuren und Arbeitnehmern in IT und Telekommunikation (rund 3600 Euro). Auch Naturwissenschafter, Vertriebsmitarbeiter und Personaler kommen monatlich auf mehr als 3000 Euro (siehe Grafik).

Entscheidend für die Höhe der Vergütung ist neben der Tätigkeit vor allem die erforderliche Berufserfahrung, sagt Conrad Pramböck, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Upstyle Consulting. „Aufgrund der langen Ausbildung zum Arzt ist es gut nachvollziehbar, dass diese Berufsgruppe auch mit hohen Gehältern am Markt rechnen kann“, so Pramböck.

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Verkäufer dringend gesucht, aber schlecht bezahlt

Am unteren Ende der Gehaltsskala stehen Verkaufsmitarbeiter im Einzelhandel: Ihnen stellt man monatlich nur rund 2100 Euro in Aussicht. Und das, obwohl die Branche aktuell händeringend nach Fachkräften sucht: Von Juli bis September 2019 waren im Einzelhandel insgesamt 9631 Jobs ausgeschrieben, rund 3000 mehr als im Vergleichszeitraum 2018.

Die Gehaltsbandbreite für Verkäufer ist allerdings immens groß, relativiert Pramböck. „Je nach Branche und Berufserfahrung werden für Verkäufer Jahresgehälter zwischen 30.000 bis weit über 100.000 Euro bezahlt.“ Anders als im Handel könnten erfahrene Verkäufer in technischen Branchen oder der IT mehr als 70.000 Euro verdienen, „mit Boni sogar über 100.000 Euro.“

Arzt- und Pflegehelfern bietet man mit rund 2200 Euro um etwa 3000 Euro weniger als Ärzten, ebenso wie Mitarbeitern in technischen Berufen (rund 2600 Euro). Dabei korreliert die Bezahlung keineswegs mit der aktuellen Nachfrage, zeigen die Daten: In Wien, Oberösterreich und der Steiermark wurden im dritten Quartal 2019 gut 15.000 Fachkräfte im technischen Bereich gesucht.

„Vor allem die Ballungsräume in Wien und Graz sowie dem Städtedreieck Linz, Wels, Steyr sind händeringend auf der Suche nach Technikern. Gleichgültig ob Mitarbeiter mit Lehrausbildung, HTL-Absolventen oder Akademiker: Der Markt ist in diesen Regionen weitgehend ausgetrocknet“, konstatiert Pramböck.

Wien zahlt am besten, Tirol am schlechtesten

Der Bundesländervergleich zeigt, dass in der Bundeshauptstadt weiterhin die höchsten Gehälter angeboten werden: So beträgt das Durchschnittsgehalt in Wiener Stellenanzeigen rund 3000 Euro und ist damit um fast 1000 Euro höher als jenes in Tirol (siehe Grafik).

Angesichts des aktuell gestiegenen Personalbedarfs dürften sich Arbeitgeber damit ins eigene Fleisch schneiden: Im Herbst 2019 waren in Tirol 2000 Jobs mehr ausgeschrieben als noch im Sommerquartal. „In Tirol werden viele Mitarbeiter in Tourismusbetrieben gesucht, die traditionell schlechte Gehälter bieten“, so Pramböck.

Da die Gehaltsangaben in Stellenangeboten oft nur den Mindestlohn darstellen und viele Arbeitgeber ihre „Bereitschaft zur Überzahlung“ bekunden, lohnt ein Blick auf das tatsächliche Einkommen der einzelnen Berufsgruppen. Hier zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede: So legt der StepStone Gehaltsreport 2019 offen, dass nicht Ärzte, sondern Mitarbeiter im Finanzbereich am besten verdienen, gefolgt von Managern und Arbeitnehmern in der IT.

Tatsächlichen Gehälter weichen von Angeboten ab

Ingenieure, denen in Stellenanzeigen immerhin noch das zweithöchste Gehalt angeboten wird, befinden sich laut eigenen Angaben nur auf Platz fünf im Gehaltsranking, während Naturwissenschafter nicht einmal in den Top Ten zu finden sind. Gehaltsexperte Pramböck rät daher, Gehaltsangaben in Stellenanzeigen mit einem großen Maß an Vorsicht zu betrachten: „Die tatsächlich bezahlten Gehälter weichen zum Teil deutlich von den angeführten Beträgen ab.“ Von Durchschnittswerten sollte sich niemand aus der Ruhe bringen lassen: „Überprüfen Sie lieber Ihr Gehalt im Einzelfall.“ (TT.com)


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