200 Jahre Thonet: Modernes Möbeldesign im MAK

Seit 200 Jahren sind die Bugholzfabrikate des Unternehmens Thonet nicht mehr aus der Möbellandschaft wegzudenken. Das Jubiläum diente dem Museum für angewandte Kunst (MAK) nun zum Anlass, den für die Moderne stilistisch bedeutsamen Einrichtungsstücken eine Ausstellung zu widmen. Bis 13. April 2020 werden knapp 240 zeitlich vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart reichende Exponate gezeigt.

Den Rahmen der Schau bildet die Erfolgsgeschichte des deutschen Tischlermeisters Michael Thonet, der Mitte des 19. Jahrhunderts von Boppard am Rhein nach Wien aufbrach. In Österreich perfektionierte und patentierte er die von ihm entwickelte Bugholztechnik, was ihm zu einem der größten Möbelimperien des 19. Jahrhunderts verhelfen sollte. „Wir zeigen in dieser Ausstellung aber nicht nur Exponate von den Gebrüdern Thonet, sondern die Geschichte des modernen Möbeldesigns. Das 200-Jahr-Jubiläum des Unternehmens stellt natürlich einen willkommenen Anlass dar, schließlich gibt es kaum ein Thema, das Designschaffende so fasziniert hat, wie das Biegen von Holz“, erklärte Christoph Thun-Hohenstein, Generaldirektor des MAK, bei einer Presseführung am Dienstag.

Die Thonet-Möbel sind in der chronologisch angelegten Ausstellung in die technologische, typologische, ästhetische und historische Entwicklung des Möbeldesigns eingebettet. Dabei werden in dem weitläufigen Ausstellungsraum stets zwei bis vier Objekte zueinander in Beziehung gesetzt, wodurch ein Einblick in materialtechnologische Entwicklungen, Parallelen und äußere Ähnlichkeiten gegeben werden soll. Kurze Hintergrund-Informationen leisten bei der Interpretation Unterstützung. „Meistens ist es aber gar nicht nötig, den beigefügten Text zu lesen, um den Zusammenhang zu erkennen“, meinte der Kurator der Ausstellung, Sebastian Hackenschmidt.

Die knapp 240 Exponate sind passend zu den ausgestellten Bugholzmöbeln in geschwungener Form in der Ausstellungshalle arrangiert. Wie auf einem Laufband begibt man sich von einem Objekt zum nächsten. „Wir wollten eine gewisse Fließbandästhetik schaffen. Schließlich ist die Fabrik, das, was das Thonet-Imperium ermöglicht und begründet hat“, erklärte Hackenschmidt.

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Zu sehen sind vorwiegend Sitzmöbel - und das nicht ohne Grund: Diese trugen maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg der Gebrüder Thonet bei. So gilt etwa das ab 1859 produzierte Modell Nr. 14 als der Inbegriff des Kaffeehaussessels und wurde mehrere Millionen Male weltweit verkauft. Ermöglicht wurde der wirtschaftliche Erfolg durch einen billigen Preis und die einfache Art, die Thonet-Möbel zu verschicken und anschließend mit wenigen Handgriffen zusammenzubauen. Abseits der Sessel finden sich jedoch auch Tische, Liegen, Schlafsofas, Bänke oder auch Hocker in der Ausstellung. „Wie jedes gute Einrichtungshaus haben die Gebrüder Thonet natürlich auch anderes angeboten. Aber Sessel waren definitiv ihr Kerngeschäft“, sagte Hackenschmidt.

„Diese Ausstellung wird in dieser Form weltweit nie wieder zu sehen sein. Hier wurden Objekte aus verschiedenen Sammlungen zusammengetragen. Dass wir all diese Stücke erhalten haben, ist dem Renommee des MAK geschuldet“, betonte der Gastkurator der Ausstellung und „Thonetologe“, Wolfgang Thillmann. Ein Großteil der Exponate stammt aus der Sammlung des MAK. Rund ein Viertel wurde jedoch von den Unternehmen Thonet Frankenberg, TON und den Gebrüdern Thonet Vienna zur Verfügung gestellt. Zusätzlich stützt sich die Ausstellung auf museale und private Leihgaben.


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