„Kulturstrategie 2030“: Das Goldene Dachl muss warten

Mit der „Kulturstrategie 2030“ will Innsbruck Ideen finden, die den Stellenwert der Kultur in der Stadt stärken. Die dafür benötigten Mittel werden unter anderem von Innsbrucks Wahrzeichen abgezogen.

Die „Kulturstrategie 2030“ ist ein Herzensprojekt für Uschi Schwarzl (l.). Rita Hebenstreit (r.) ist der neue Mastermin­d hinter dem gestern vorgestellten Entwicklungsplan.
© Thomas Boehm / TT

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck –Man ist sich einig: Das kulturelle Profil der Stadt Innsbruck muss geschärft werden. Kulturszene und Kulturstadträtin Uschi Schwarzl (Grüne) fordern es gleichermaßen seit Jahren. Doch wie geht man der ambitionierten Forderung nach? Laut Schwarzl mit einem Zeichen der Annäherung: Die „Kulturstrategie 2030“ wurde gestern erstmals präsentiert. Bereits vergangene Woche hatte der Stadtsenat Schwarzls Antrag mehrheitlich zugestimmt. 150.000 Euro macht Innsbruck locker, 40.000 pro Jahr von 2020 bis 2022 sollen in die erste Phas­e des neuen Kulturentwicklungsplans fließen. 30.000 Euro an Drittmitteln sind für erste Maßnahmen eingeplant.

Wie sich die Stadt das Vorhaben genau vorstellt, hat sie – wenn auch noch sehr abstrakt – zusammengefasst: Prioritäten, Leitlinien und konkrete Maßnahmen zur Umsetzung soll die „Kulturstrategie 2030“ beinhalten und einen Orientierungsrahmen für Beteiligt­e in Politik, Verwaltung und Kultur­szenen bieten.

Zur Professionalisierung des Vorhabens wurde im städtischen Kulturamt eine eigene Stelle geschaffen: Rita Hebenstreit – bereits organisatorisch für das Jubiläumsjahr der Universität Innsbruck beauftragt – ist der Mastermind hinter der „Kulturstrategie 2030“. Für die Kulturmanagerin sind die 150.000 Euro an öffentlichen Geldern „kein schlechter Anfang für eine Stadt wie Innsbruck, die sich erstmals einen Fokus auf kulturelle Entwicklung auf die Fahnen schreibt“.

Seinen Anfang nehmen werde das Projekt, so Hebenstreit, in Kürze mit dem Hinzuziehen eines externen „Dienstleisters“. Sprich eine innovative Agentur soll eine Strategie zur Umsetzung von Bürgerforen, Expertenrunden und interdisziplinären Arbeitskreisen vorlegen. Ausgeschrieben wird noch im Jänner 2020.

Von einer breit angelegten Findungsphase – alle Interessierten sind aufgerufen teilzunehmen – will Hebenstreit den Dialog bald themenspezifisch enger führen. Um dann auch „konkrete Maßnahmen umzusetzen“, hakt Schwarzl ein. Dafür möchte die Kulturstadträtin Drittmittel sammeln. Potenzieller Co-Financier: der Tourismusverband. Nach fünf Jahren wird evaluiert und weitere Schritte bis 2030 beschlossen – so der Plan.

Damit der Prozess der „Kulturstrategie 2030“ für jeden nachvollziehbar bleibt, soll eine Homepage (Start: Mitte 2020) den Prozess begleiten: „Wir wollen unsere eigenen Anforderungen ständig neu überprüfen“, ergänzt Schwarzl.

Orientieren will sich Innsbruck mit seinem Kulturentwicklungsplan übrigens an Vorzeigebeispielen wie Linz. In der Kulturhauptstadt 2009 ging aus einem ähnlichen Prozess etwa ein Kulturbeitrat hervor, der einen ständigen Diskurs über die kulturelle Entwicklung der Stadt führt, erzählt Hebenstreit. Linz trug außerdem mit dem Ausbau der „Tabakfabrik“ der Nachfrage nach Raumressourcen für Kreativschaffende und Stadtentwicklung Rechnung.

Auch Hebenstreit wird in ihrer Funktion ebenso eng mit der Stadtentwicklung zusammenarbeiten. Schwarzl will damit die kulturelle Entwicklung auch außerhalb von Institutionen und in neuen Stadtteilen verortet wissen.

Ob die Diskussion um Schärfung des kulturellen Profils auch Früchte trägt, darum müssten sich auch die Kreativen kümmern, fordert Schwarzl. Es sei dafür gesorgt, dass während der kommenden Jahre die Kultur nicht „stehen bleiben muss“. Die Mittel für die „Kulturstrategie 2030“ wurden mithilfe interner Umschichtungen freigemacht – so müsse etwa das Goldene Dachl auf die zweite Sanierungsphase (Barrierefreiheit) warten. Das Budget, das an Kulturschaffende geht, blieb indes unberührt, betont Schwarzl.


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