Speed-Elch Kilde in neuer Rolle: „Zeit, auch vorneweg zu marschieren“

Im Windschatten von Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud reifte Aleksander Aamodt Kilde über die Jahre zur dritten norwegischen Speed-Kraft. Im Vorjahr zeigte er in Gröden Muskeln – als Abfahrtssieger.

Zwei, die sich bestens verstehen und gegenseitig antreiben – Aleksander Aamodt Kilde (links) und Kjetil Jansrud.
© gepa

Aus Gröden: Max Ischia

Gröden – Aleksander Aamodt Kilde ist ein Bild von einem Mann: Schultern wie ein Kleiderschrank, Oberschenkel wie eine norwegische Eiche und ein Lächeln, das ansteckt. Da trifft es sich gar nicht schlecht, dass der smarte Wikinger ganzjährig zu bestaunen ist. Als zweifachen Sieger der „Südtirol Ski Trophy“ – eine Kombination aus den Bewerben in Gröden und Alta Badia – gibt es den Blondschopf in Form einer Holzbüste, die auf der Saslonc­h-Hütte im Grödnertal ausgestellt ist.

Kilde ist durchaus „ein wenig stolz darauf“, schließlich steht bzw. stand der Allrounder mit dem Geschwindigkeits-Gen die meiste Zeit im überlangen Schatten seiner Landsleute, des im Frühjahr zurückgetretenen Aksel Lund Svindal und des noch aktiven Kjetil Jansrud.

„Mitter zu verlieren, war für mich sehr, sehr hart“

Sieben Jahre, erzählt Kilde, in denen er sich das Beste von den Besten abschauen durfte. Jetzt, versichert der 27-Jährige, sei die Zeit gekommen, „auch vorneweg zu gehen“.Führungsverantwortung zu übernehmen, Betonung auf Verantwortung. „Wir müssen unsere Kultur des Miteinanders fortsetzen. Das Wir vor das Ich stellen. Das ist das, was das Team Norway immer so stark gemacht hat.“ Erst recht jetzt, wo mit Svindal der Leit-Elch nicht mehr da ist und auch Kildes Vertrauens­coach Christian Mitter im Österreichischen Skiverband angeheuert hat. „Christian zu verlieren, war für mich sehr, sehr hart. Das Trainingsspezifische ist das eine, aber mit ihm ist auch ein Mensch gegangen, mit dem ich über so viele Dinge sprechen konnte.“ Mitters Nachfolger Stev­e Skavic (52) war übrigens die vergangenen zwölf Jahre nicht im Weltcup engagiert, sondern verdiente seine Brötchen in der Privatwirtschaft. „Aber Steve hat so viel Erfahrung, und ein Neuer bringt auch wieder neue Idee­n ein.“

Kilde, dem in der Vorbereitung immer wieder der Rücken zu schaffen gemacht hat, reiste mit breiter Brust an den Ort seines letztjährigen Abfahrtssieges.

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Die stark ansteigende Formkurve ist jedenfalls vielversprechend. Platz zwölf in der Abfahrt von Lake Louise folgte ein sechster Rang in Beaver Creek. Noch besser lief es im Super-G, wo die Ränge sechs und zwei zu Buch­e stehen.

Seine Schultern sind jedenfalls breit genug, um das vorweihnachtliche Monsterprogramm dieser Tage zu stemmen. Spielt das Wetter mit, absolviert Kilde binnen vier Tagen ebenso viele Rennen – nach dem Speed-Doppel in Gröden (Freitag Super-G, Samstag Abfahrt) folgt der sonntägige Riesentorlauf in Alta Badia, wo am 23. Dezember auch noch der Parallel-­Riesentorlauf bei Flutlicht stattfindet. „So macht man die Läufer kaputt“, hatte der langjährige Athletensprecher Hannes Reichelt immer wieder betont. Aber ein echter Wikinger scheint eben keinen Schmerz zu kennen. Und entscheidet Kilde zum dritten Mal in Folge die Kombination aller vier Rennen, wird er weiter zu bestaunen sein. In Fleisch und Blut – und erst recht als original­getreue Holzbüste.


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