Alte Musik neu eingespielt: Stark, aber auch lieblich und singend

Johann Sebastian Bachs Musik auf dem Instrument, das er liebte, und Weihnachtsklänge durch Jahrhunderte und Stile aus Tirol.

Alte-Musik-Spezialist und Gründer der Innsbrucker Abendmusik Peter Waldner hat Werke von Bach neu eingespielt.

Innsbruck –Auf seiner neuen Solo-CD setzt Peter Waldner seine Bach-Einspielungen fort mit den Toccaten in c-Moll BWV 911, in d-Moll BWV 913 und in G-Dur BWV 916 sowie der Französischen Suite 2 in c-Moll BWV 813 und der Sonata in d-Moll BWV 964. Waldner verwendet die Rekonstruktion eines Bach-Clavichords von Jacob Adlung (1726), nachgebaut 2018 von Joris Potvlieghe.

Dass dem von Johann Sebastian Bach geliebten Clavichord dessen Toccaten, Suiten und Sonaten besonders gut stehen, ist bekannt, bestätigt von Waldners Auswahl. Die formalen Aspekte sind klar herausgearbeitet, und klanglich wird demonstriert, wie leidenschaftlich Potvlieghe den auf einem Manual reichen Möglichkeiten auf der Spur war. Im Eröffnungsstück verschließt sich Waldner nicht der unbändigen Dynamik und Kraft der c-Moll-Toccata, auch wenn seine Virtuosität da nicht ohne das Pochen auskommt. Gerade in den Toccaten praktiziert er einen nachdrücklichen Zugang. Das d-Moll-Stück hat freilich auch seine weichen, singenden, geheimnisvollen Szenen, die in die Sonate führen. Die Tänze der Französischen Suite legt Waldner konzertant an.

Ebenso prachtvoll wie hochfein musiziert von den Ensembles Odhecaton, La Venexiana und Prishna sowie von Reinhild Waldek (Barockharfe) und Peter Waldner (Cembalo und Orgelpositiv) ist die neue Veröffentlichung der Reihe musikmuseum des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, „Stile nuovo“. Sie umfasst Weihnachts- und Vespermusik von Christoph Sätzl und Johann Stadlmayr, die beide in Innsbruck wirkten, und italienischen Zeitgenossen ihrer Zeit. Es ist Musik, wie sie im frühen 17. Jahrhundert erklang, als sich der „Neue Stil“ mit seinen affektbetonten Melodielinien über einem Generalbass auch im Rahmen der Liturgie durchsetzte. Die CDs des Ferdinandeums sind bis 6. Jänner um den halben Preis, 9 Euro, zu haben.

Simon Reitmaier ist von Telfs in die Welt gezogen, um ein vielgefragter Klarinettist zu werden. Nun besinnt er sich seiner Tiroler Wurzeln: „Klarinettenweisen, Jodler, Landler … mit dieser Musik bin ich aufgewachsen, in ihr bin ich verwurzelt. Sie prägt und berührt mich zutiefst, sie ist meine musikalische Sprache. Nun durfte ich mit Freunden eine CD mit adventlicher Volksmusik gestalten.“ Reitmaiers feinsinnige Partner sind Klarinettist Walter Seebacher, Geigerin Waltraud Reitmeir, Harfenist Peter Reitmeir und Bassist Stefan Pedarnig. Die Hälfte des Erlöses aus dieser CD, für die u. a. Franz Posch, Peter Kostner und Peter Reitmeir eigens Stücke schrieben, kommt dem Wiener Kinderhospiz MOMO zugute. (u.st.)

J. S. Bach: Toccaten & Suiten. Peter Waldner (organroxx).

Stile nuovo. Werke von Sätzl, Stadlmayr u. a. (musikmuseum 41). Volksmusik mit Simon Reitmaier und Freunden. Erhältlich unter simonreitmaier@yahoo.de


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