Stürmische Zeiten im Osttiroler Tourismus

Im Tourismusverband bricht der Konflikt offen aus. Aufsichtsratsvize Köll attackiert TVB-Obmann Theurl und Aufsichtsratschef Mattersberger.

Aufsichtsratsvize Andreas Köll geht für Seilbahnunternehmer Heinz Schultz in die Vollen und attackiert Obmann Franz Theurl frontal.
© Brunner

Von Peter Nindler

Lienz, Innsbruck –Orkanartig­e Böen – so könnte man die Situation im Tourismusverband Osttirol (TVB) beschreiben. Der Seilbahnunternehmer Heinz Schultz, der selbst im Aufsichtsrat des Tourismusverbandes sitzt, ist mit seinem Wunschpaket abgeblitzt: 4,4 Millionen Euro an Darlehen hätte der Verband aufnehmen und „in Form einer atypisch stillen Beteiligung“ bei den Bergbahnen Kals (1,350 Mio. Euro), den Matreier Goldried Bergbahnen (1,080 Mio. Euro) und ins Skizentrum St. Jakob in Defereggen (1,950 Mio. Euro) einbringen sollen.

Das EU-Beihilfenrecht steht dieser Subvention jedoch entgegen, im mehrheitlich beschlossenen Tourismusbudget 2020 gibt es deshalb keine Darlehen für die geplanten Investitionen von 29 Millionen Euro. Schultz und sein wichtigster Verbündeter, der Matreier Bürgermeister und Aufsichtsratsvize Andreas Köll (ÖVP), verließen deshalb vorzeitig und erbost die Sitzung. Ihre Unterstützer aus dem Defereggen­tal drohen sogar mit dem Boykott von Abgaben an den TVB. Statt an ihn will man sie auf ein Treuhandkonto überweisen.

Schultz, der bereits gedroht hatte, seine ohnehin seit Jahren angekündigten Plän­e in St. Jakob auf Eis zu legen, sollte kein Geld vom Tourismusverband fließen, gibt sich derzeit bedeckt. Dafür zieht Andrea­s Köll für ihn vom Leder: Es stimm­e nicht, dass eine atypische stille Beteiligung „zu marktwirtschaftlich einem Fremdvergleich standhaltenden Bedingungen“ nicht möglich wäre, sagt er. Und kündigt an, dass bis zur Vollversammlung im Jänner noch eine Aufsichtsratssitzung stattfinden solle, in welcher mit einem möglichen Nachtragshaushaltsplan „dies­e und andere Anträge“ behandelt werden könnten. Eine Ablehnung der Beteiligungen habe es aus seiner Sicht nicht gegeben.

Offen kritisiert Köll TVB-Obmann Franz Theurl und Aufsichtsratschef Hansjörg Mattersberger. „Das mit Abstand größte Seilbahn- und Beherbergungsunternehmen Osttirols, wenn nicht Tirols, kann man einfach nicht so behandeln.“ Auch die für ganz Ost­tirol so wichtige Skiverbindung zwischen Sexten und Sillian werde durch diese „einseitige und unverantwortliche Vorgangsweise“ von Theurl und Mattersberger, „die beide bislang noch nie auch nur einen Tag in der Tourismusbranche gearbeitet haben“, unnötigerweise gefährdet.

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Theurl weist die Vorwürfe Kölls als haltlos zurück. „Der TVB wird keine EU-widrigen Beihilfen beschließen. Außerdem arbeite ich seit Jahrzehnten für den Osttiroler Tourismus“, betont der TVB-Obmann.


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