Die gute Geschichte: Ein Krankenhaus voll junger Hoffnung

Bruder und Schwester in Not unterstützt in Tansania mit Stipendien Studierende in gesundheitlichen Berufen.

Im St. Mary’s Hospital Isingiro erhalten junge Menschen Praxis in gesundheitlichen Berufen.
© Sebastian Müller

Isingiro –Mit Begeisterung und Kompetenz führt David Revocatus, der junge Mann im weißen Kittel, seine Besucher und Besucherinnen durch die neuen Räume des St. Mary’s Hospital Isingiro im äußersten Nordwesten Tansanias. Der lang ersehnte Neubau des Ambulanzgebäudes sowie die Renovierung konnten dank der Unterstützung von vielen Tirolerinnen und Tirolern im November 2019 fertiggestellt werden. „Das neue Ambulanzgebäude ist ein großer Segen für uns und die Bevölkerung. So können wir die Patienten nun viel zielgerichteter untersuchen und behandeln. Das Gebäude ist sogar mit einer Rampe für einen barrierefreien Zugang ausgestattet. Das alte Ambulanzgebäude dort drüben wurde renoviert und es beherbergt jetzt den neuen Röntgen- und Ultraschallraum – der einzige in der Umgebung. Eine unglaubliche Erleichterung für die Behandlung der Menschen in der Region.“

1961 im Grenzgebiet zu Uganda und Ruanda von den Schönstätter Marienschwestern gegründet, waren diese Erneuerungen des St. Mary’s Hospital Isingiro dringend notwendig. Für über 180.000 Menschen ist es heute das einzige Krankenhaus weit und breit. Das nächste Spital liegt 80 Kilometer bzw. zwei Stunden Fahrzeit entfernt, eine unüberwindbare Distanz für Menschen, die vornehmlich zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Die abgeschiedene Lage des Krankenhauses erschwert die Anstellung von qualifiziertem Personal, ohnehin eine knappe Ressource in den ländlichen Regionen des Landes. Ein Stipendium von Bruder und Schwester in Not, einer Stiftung der Diözese Innsbruck, ermöglichte deshalb dem 24-jährigen David und weiteren 17 Studentinnen und Studenten eine mehrjährige Ausbildung an unterschiedlichen Lehrinstituten. Gewählt werden kann zwischen mehreren gesundheitlichen Berufen wie Radiologie, Pflege, Pharmazie und Labortechnik – etwas Außergewöhnliches in einer Gegend, in der die Bevölkerung mehrheitlich von kleinbäuerlicher Landwirtschaft und Bananen- und Kaffeeanbau lebt. Die 18 jungen Menschen stammen aus der Gegend des Krankenhauses und sind somit auch langfristig daran interessiert, in ihrer Heimatgemeinde einer guten Arbeit nachzugehen.

David erhielt sein Diplom in Radiologie im 480 Kilometer entfernten Lehrkrankenhaus in Mwanza. Seinen Abschluss machte er im August 2019 und arbeitet seitdem im St. Mary’s Hospital Isingiro. „Ich bin froh, dass ich die Chance bekommen habe, einem so interessanten Studium nachzugehen. Meine Familie hätte sich das nie leisten können. Sie sind erleichtert, dass ich nicht in die Stadt ziehe, sondern in Isingiro bleiben kann, so können wir uns an den Wochenenden sehen. Und ich bin froh, hier den Menschen helfen zu können und ihnen Hoffnung auf eine gute Behandlung zu geben.“ Er lacht glücklich und zeigt seinen Besuchern und Besucherinnen das Herzstück der neuen Räumlichkeiten: den Röntgenraum. Dort steht seit Kurzem das neue Röntgengerät, das mit der Unterstützung des Amtes der Tiroler Landesregierung, Abteilung Südtirol, Europaregion und Außenbeziehungen, angeschafft wurde. Ergänzt wurde die Infrastruktur auch durch ein Solarpanel, das in Zukunft die Nutzung der Sonnenenergie ermöglichen und den vielfachen Stromausfällen effizient vorbeugen wird.

Mit präziser Genauigkeit demonstriert David sein Wissen an dem neuen Gerät, erklärt die Handhabung, die Schaltungen und den Umgang mit den Röntgenbildern. „Hier können sich die Patienten umziehen und hier nehmen wir das Röntgenbild auf.“ Der junge Radiologe stellt sich vor das Steuerungsboard und deutet durch ein kleines Fenster in den Röntgenraum. Für die Menschen der Region sind die Erneuerungen des St. Mary’s Hospital Isingiro überlebenswichtig. Häufige Fahrrad- und Motorradunfälle auf den unwegsamen Erdstraßen führen zu Brüchen, die jetzt rechtzeitig erkannt und heilkräftig behandelt werden können. Ein Erfolgsprojekt, das nur dank der erfreulichen Spendenbereitschaft der Tirolerinnen und Tiroler sowie durch die organisationsübergreifende Zusammenarbeit von Bruder und Schwester in Not und dem Land Tirol gelang. Die Bevölkerung vor Ort dankt es gleichwohl mit den Worten von David Revocatus: „Gott segne Sie und das Spital, das Hoffnung bringt.“ (TT)


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