Kulturdebatte im Landtag: Wortgefechte der Vielfalt

Kultur in Tirol soll breit gefächert sein: In diesem Punkt ist sich der Landtag weitgehend einig. Einwürfe der FPÖ und das Thema Erl sorgen bei der Budgetdebatte für Emotionen.

Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) stand im Mittelpunkt der gestrigen Kulturdebatte im Landtag.
© Foto TT / Rudy De Moor

Von Markus Schramek

Innsbruck –Insgesamt gibt das Land Tirol in den kommenden beiden Jahren jeweils rund vier Milliarden Eur­o aus. Für die Kultur fällt von diesem Kuchen vergleichsweise ein Häppchen ab: 76 Millionen Euro an Ausgaben pro Rechnungsjahr. Werden Durchläufer und Pflichtausgaben in Abzug gebracht, schrumpft der kulturpolitische Spielraum auf ein überschaubares Ausmaß: Rund 16 Millionen Euro umfasst dann jenes Budget, das dem Land für die Kulturförderung in den Jahren 2020 und 2021 jeweils zur Verfügung steht.

Große Förderempfänge­r wie das Landestheater (Landes­zuschuss 2020: 14,5 Mio.), die Festspiele Erl (1,75 Mio.) oder die Landesmuseen (12 Mio.) werden aus diesem Fördertopf nicht bedient. Das Geld würde dazu auch gar nicht ausreichen. An den genannten Großbetrieben ist das Land beteiligt und muss daher außerhalb der klassischen Kulturförderung budgetär Vorsorge tragen.

16 Millionen Euro sind also abrufbar, um die Kulturinitiativen im Land zu unterstützen – und manch einer davon das Überleben zu sichern. Womit wir bei der „kulturellen Vielfalt“ wären. Deren Wichtigkeit wurde bei der Debatte über das Kulturbudget gestern im Landtag immer wieder betont – von fast allen Parteien.

Die Freiheitlichen sahen sich mit ihrer Haltung allein auf weiter Flur. FPÖ-Abgeordneter Patrick Haslwanter fischte das Treibhaus und Die Bäckerei, zwei bekannte Kulturveranstalter in Innsbruck, aus dem großen Topf der Förder­empfänger heraus. Womit hohe Zuschüsse an diese Betriebe überhaupt gerechtfertigt seien, warf Haslwanter fragend in die Runde.

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Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) bedachte den FPÖler mit einigen – möglicherweise lehrreichen – Rede­minuten. „Treibhaus und Bäckerei sind Orte der zeitgenössischen Kultur“, begann die Landesrätin. Geboten werde in diesen Lokalitäten Vielfältiges wie Konzerte oder Lesungen. „Aber sicher keine Rattengedichte oder deutschen Lieder“, ätzte Palfrader in Anspielung auf ausländerfeindliche Skandale der FPÖ in anderen Bundesländern. „Ich nehme Sie gerne einmal mit, Sie bekommen sogar ein­e Freikarte“, stichelte Palfrader in Richtung Haslwanter.

Zweites Hauptthema der Kulturdebatte waren die Tiroler Festspiele Erl nach dem Ende der Ära Gustav Kuhns (siehe dazu auch den Artikel rechts). Dabei kam es zum gewohnten Schlagabtausch zweier Politiker: Abgeordneter Markus Sint (Liste Fritz) versus Landesrätin Palfrader.

„Was in Erl passiert ist, ist furchtbar, ich bedauere das zutiefst“, erklärte die Kultur­referentin. Sie habe jene Künstlerinnen, die Kuhn sexuelle Übergriffe zur Last legen, zu einem Gespräch eingeladen. Die Frauen hätten das aber abgelehnt.

Die erhöhte Förderung für Erl (von 1,15 auf 1,75 Millionen pro Jahr) begründete Palfrader mit dem Neuanfang bei den Festspielen. Der neue Intendant Bernd Loebe erhalte einen Bezug, „wie er üblich ist“ (Kuhn bezog kein Gehalt, verfügte aber über eine Spesenpauschale von 28.000 Eur­o im Jahr, Anm.). Und das Programm müsse neu produziert und inszeniert werden. Auch das verursache Kosten.

Sint besänftigte das nicht. „Mehr an Wahrheitsverdrehung geht gar nicht“, warf er Palfrader vor. Sie sei für die Vorgänge im Festspielhaus schon lange politisch zuständig. Sint verlangte von Palfrade­r eine öffentliche Entschuldigung und entschuldigte sich dann seinerseits „bei den Opfern von Erl“.


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