Mehrkosten für Seefeld-WM werden erst mit neuer Regierung verhandelt

Die Aufteilung der Zusatzkosten für die WM in Seefeld ist noch zu klären. BM Frießer wurde als Geschäftsführer der Sportanlagen GmbH entlastet.

Bei den Kosten für die Sportinfrastruktur segelte die WM in Seefeld deutlich übers Ziel hinaus.
© APA/EXPA/JFK

Seefeld – Über 200.000 Besucher, vorbildliche Organisation: Die Nordische WM in Seefeld war ein voller Erfolg. Die zusätzlichen Aufwendungen für die sportliche Infrastruktur beschäftigen die Politik aber noch immer. Zuletzt hat ein interner Prüfbericht des Landes, wie berichtet, Mehrkosten von 2,7 Mio. Euro (30,7 statt 28 Mio. Euro) bestätigt – aber zugleich anerkannt, dass 2,2 Mio. davon direkt der WM zurechenbar seien.

Geschäftsführer der „WM Sportanlagen Seefeld Tirol GmbH“ ist BM Werner Frießer. Er wurde als solcher nun in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend einstimmig entlastet. Das hatte der Überprüfungsausschuss nach genauer Durchsicht aller Bilanzen des Geschäftsjahres empfohlen.

Wie geht es nun aber in der Kernfrage, wer die Mehrkosten trägt, weiter? „Unser Ziel ist weiterhin, dass der ursprünglich vereinbarte Aufteilungsschlüssel von 40:40:20 zwischen Bund, Land und Gemeinde Seefeld auch auf die Mehrkosten angewendet wird“, sagt Frießer zur TT.

Der Bund hat jedoch, wie berichtet, zuletzt klargestellt, dass er zunächst nur den aufrechten Fördervertrag (max. 8,8 Mio. Euro) abwickeln werde. Es besteht also Verhandlungsbedarf. Dafür müsse man jetzt aber abwarten, bis die neue Bundesregierung steht und das Sportministerium wieder fix besetzt ist, erklärt Frießer, Das sei auch mit LHStv. Josef Geisler als Sportreferent so akkordiert.

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Als Hauptgründe für die Mehrkosten nennt Frießer erneut „hohe Naturschutzauflagen“ und die Baukonjunktur: In den vier Jahren seit Projektstart sei der Baukostenindex etwa doppelt so stark gestiegen wie der normale Verbraucherpreisindex.

Aber auch über jene Kosten, die laut Prüfbericht nicht der WM zuzuordnen – und daher von der Gemeinde zu tragen – sind, will Frießer noch einmal reden. Hier geht es konkret um die Fitnessräume in der WM-Halle: Während diese Kosten nach Ansicht des Österreichischen Instituts für Schul- und Sportstättenbau (ÖISS), welches das Gutachten für den Bund verfasste, nicht direkt der WM zurechenbar sind, sieht die Gemeinde das anders: „Das Fitnessstudio war Bestandteil des Baus der WM-Halle“, so Frießer – und sei, wie man mit Schreiben nachweisen könne, von ÖSV und FIS auch eingefordert worden. Rund um die WM sei es ausschließlich den Athleten zur Verfügung gestanden.

Überprüfungsausschuss-Obmann GR Alexander Schmid stärkt Frießer den Rücken: „Auch das Land hat anerkannt, dass die Mehrkosten nachvollziehbar sind, dass nichts plötzlich hineingerechnet, sondern alles immer sofort offen kommuniziert wurde.“ Eine WM-Infra­struktur baue man halt nicht in fünf Monaten, es habe sich einiges ergeben, „was nicht absehbar war“. Als Beispiel nennt Schmid die Bewertung der Tankstelle beim „Technical Center“ durch die Naturschutzbehörde, die erhebliche Mehrkosten zur Folge gehabt habe. Schmid ist jedenfalls „hoffnungsfroh, dass die vier Partner – zu denen auch der TVB Olympiaregion Seefeld zählt – zu einem ordentlichen Abschluss kommen“. (md)


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