Geschichten über Traditionen am Christkindlmarkt

Elisabeth Anker erzählte im Advent am Christkindlmarkt über Vertrautes und Neues.

Rund um die Christkindlmärkte gab es viel über Weihnachten und die Traditionen zu erzählen.
© Vanessa Rachlé/ TT

Von Markus Stegmayr

Innsbruck –Die Theologin Elisabeth Anker nutzte bei ihre­m „Erzählspaziergang“ am Innsbrucker Christkindlmarkt Geschichten, um vertraute Traditionen, Ritual­e und Symbole zu kontextualisieren und ihre Ursprünge freizulegen. Dadurch sollte sich der Blick der Teilnehmer auf diese verändern. Weihnachten lebt eben von und mit Traditionen.

Vieles wurde von den vorhergegangenen Generationen übernommen, manches ist unhinterfragt geblieben. Über die Grundlagen von Traditionen und die tiefergehende Bedeutung von Symbolen wissen wir oft erschreckend wenig. Wo beim Räuchern, bei Christbäumen und Adventkränzen die jeweiligen Ursprünge zu finden sind, können wohl nur wenige beantworten. So ist es auch vordergründig das „Aha-Erlebnis“, das die gebürtige Unterländerin und in Innsbruck sesshaft gewordene Theologin bei den Teilnehmern der rund 90-minütigen Erzählspaziergänge ausgelöst hat. „Der Adventkranz ist beispielsweise evangelisch“, nennt sie ein Beispiel, das bei den Spaziergängen heuer für solche Aha-Erlebnisse gesorgt hat. Auch der Weihnachtsbaum sei ursprünglich nicht christlich gewesen, hebt Anker hervor, die sowohl in der Erwachsenenbildung als auch als Seelsorgerin tätig ist. „Der Baum ist ein Ur-Symbol, das christianisiert wurde“, führte sie dazu aus. Diese Art von Erkenntnis will sie aber nicht auf rein faktischer Ebene vermitteln. „Geschichten eignen sich viel besser dazu“, streicht sie hervor. Dadurch werde Bildung vermittelbar, nicht nur Wissen, betont Anker. Nach der Rezeption der erzählten Geschichten weiß man beispielsweise, dass Weihrauch keine Erfindung der katholischen Kirche ist, sondern in ebenjener sogar lange verpönt war. Auch dass sehr viele Bräuche einen heidnischen Hintergrund haben, nahmen die Teilnehmer mit auf den Nachhauseweg, nachdem man elf Stationen, elf Themen und rund 60 Minuten Nettozeit von Erzählungen durchlebte. Man darf sich die Spaziergänge aber nicht als eine frontale Erzählstunde vorstellen. „Es gibt auch Zeit für Dialog“, hält Anker fest. Zudem änderten sich Zugang und zum Teil auch die Geschichten selbst, je nach Zusammensetzung der Gruppe. Nicht zuletzt blieb bei den Touren auch Zeit zum Essen von ein paar Kastanien.

„Zwischenmenschliche Begegnungen sind wichtige Unterbrechungen unseres Alltagstrotts“, skizziert Anker ihren Zugang. Zu viel Zeit unseres Alltags sei lediglich auf das „Funktionieren“ ausgerichtet, fügt sie hinzu. „Wir müssen herausfinden, welche Geschichten und welche Begegnungen uns guttun“, meint sie.

So sind die Erzählspaziergänge, von denen der letzte vor wenigen Tagen stattfand, nicht nur Orte und Zeiträume der Wissens- und Bildungsvermittlung, sondern auch Anlässe, darüber nachzudenken, was einem wichtig ist. „Unsere Geschichten laden nicht zuletzt dazu ein, eigene Geschichten zu erzählen und damit darüber zu reflektieren, was Weihnachten für einen selbst bedeutet“, erklärt Anker. „Für jeden ist Weihnachten etwas anderes, es hat viel mit Emotionen und Erfahrungen, mit Geschmäckern und Gerüchen zu tun“, schließt sie. Die Erzählspaziergänge von Elisabeth Anker gab es heuer zum ersten Mal. Eine Wiederholung im kommenden Jahr ist denkbar.

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