Erler Winterfestspiele: Der neue Chef steht in der Auslage

Bei den Erler Winterfestspielen zeigt sich ab 26. Dezember erstmals die Handschrift des neuen Intendanten Bernd Loebe. Er bringt künstlerische Verstärkung aus dem Ensemble der Frankfurter Oper mit.

Hochbetrieb bei der Probenarbeit in Erl. Sesto Quatrini singt und dirigiert.
© Schramek

Von Markus Schramek

Erl –Es ist ein Fall von Multi­tasking. Und diese Gleichzeitigkeit von Handlungen funktioniert auch noch. Sehr gut sogar. Dirigent Sesto Quatrini steht auf einem kleinen Podest im mit Musikern vollgepackten Probesaal des Erler Festspielhauses. Quatrini gibt dem Orchester Takt und Einsätze vor. Gleichzeitig singt der Italiener aber auch gut vernehmbar mit. Zeile für Zeile, Arien aus Gaetano Doni­zettis „L’Elisir d’Amore“.

Diese populäre Belcanto-Oper, ein Schmaus für Auge und Ohr, wird im Rahmen der Erler Winterfestspiele ab 2. Jänner zu erleben sein. Den Auftakt zum winterlichen Kulturreigen bildet am 26. Dezember ein weiterer Klassiker der Oper: Antonín Dvoˇráks „Rusalka“ (Programmdetails im Kasten ganz rechts).

Bernd Loebe hat Gustav Kuhn als Intendant in Erl abgelöst.
© Thomas Böhm

„Als Dirigent bin ich nicht Vorturner des Orchesters“, scherzt Quatrini in einer Paus­e. Als „musikalischer Dramaturg“ will er jene Stellen kennen, die Musikern und Sängern Schwierigkeiten bereiten. Es sei wichtig, neben der Partitur auch das gesungene Wort zu beherrschen.

Quatrini ist eines der vielen neuen Gesichter, denen man im Festspielhaus begegnet. Der Neubeginn nach dem unfreiwilligen Abgang von Langzeitintendant Gustav Kuhn nimmt Gestalt an.

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Bernd Loebe, Direktor der Oper Frankfurt seit 2002, hat zusätzlich die Intendanz in Erl übernommen. Die Winterfestspiele sind sein erstes umfassendes Programm. Loebe steht zwar nicht selbst auf der Bühne (anders als Kuhn, der dirigierte). Trotzdem steht der neue Chef in der Auslage. Was kann er bewirken?

Fürs Erste geht Loebe kein Risiko ein. Inhaltlich ist das Programm auf der sicheren Seite. Und in personeller Hinsicht werden etliche Mitglieder des Ensembles der Frankfurter Oper in Erl zu sehen sein. Am 3. Jänner ist die Präsenz besonders stark: Da gastiert das Frankfurter Opern­orchester im Festspielhaus.

Für aufstrebende Künstler ist Erl am Beginn einer neue­n Ära ein besonders interessanter Boden. Das sieht auch Dirigent Quatrini so, der mit seinen 35 Jahren auf Auftritte in der New Yorker „Met“ verweisen kann.

Sopranistin Benedetta Torre übt ihre Partie der Adina mit Klavierbegleitung.
© Schramek

Quatrini hat heuer bei Loebe in Frankfurt die Saisoneröffnung musikalisch geleitet (Rossinis „Otello“). „Herr Loebe hat mir daraufhin angeboten, in Erl mit dabei zu sein“, erzählt Quatrini, der erstmals in Österreich engagiert ist. Einmal Wagners Ring zu dirigieren, steht auf der Wunschliste weit oben. Er will daher unbedingt Deutsch lernen und könnte sich gut vorstellen, weiter in Erl zu arbeiten. Loebe hat angekündigt, mittelfristig wieder einen Chefdirigenten einsetzen zu wollen.

Im eben fertig gestellten „Kleinen Saal“ läuft gerade die Regie-Probe: Ein Grüppchen von Sängerinnen und Sängern übt Szenen aus „L’Elisir d’Amore“ unter dem gestrengen Auge von Regisseurin Dorothea Kirschbaum.

Benedetta Torre singt die Partie der Adina, der die Männerherzen nur so zufliegen. Mit ihren 25 Jahren gilt die aus Genua stammende So­pranistin als Zukunftshoffnung in der Opernwelt, mit bereits beachtlichen Engagements bei renommierten Festspielen wie Glyndebourne oder Salzburg. Torre ist derzeit noch freischaffende Sängerin. Ihr erklärtes Ziel ist es aber, einmal fixes Ensemblemitglied zu sein.

Winter in Erl

Die Winterfestspiele in Erl starten am 26. Dezember mit Antonín Dvo?ráks Oper „Rusalka" (weitere Termine: 28. und 30. Dezember). Zweite Opernproduktion ist Gaetano Donizettis „L'Elisir d'Amore" (zu sehen am 2., 4. und 6. Jänner). Die Opern beginnen um 18 Uhr.

Im Konzertprogramm gibt es zu Silvester (18 Uhr) und am Neujahrstag (11 Uhr) die schon traditionellen Konzerttermine, davor am 29.12., ebenfalls häufig in Erl zu Gast, einen Auftritt der Musicbanda Franui (11 Uhr).

Der britische Pianist Paul Lewis tritt zweimal in Erl auf: am 5. Jänne­r um 18 Uhr und am 6. Jänner um 11 Uhr.

Infos und Tickets unter www.tiroler-festspiele.at


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