Nora Schöpfer: Seismografin von Gedankenspuren

Vehikel der Sinnlichkeit von Nora Schöpfer in der Form von Bildern und Installationen im Innsbrucker artdepot.

Nora Schöpfers „äesthetic thoughts 7“. 2018 in Acryl auf eine 160 mal 100 Zentimeter große Leinwand gemalt.
© artdepot

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Die Bilder, die Nora Schöpfer an die Wände des artdepot gehängt hat, sind auf einen ersten Blick irritierend. Verlangen von ihrem Betrachter die Bereitschaft, sich ganz auf das einzulassen, was da zu sehen ist. Das sehr viel mit Realem zu tun hat und doch wieder nicht. Sind die Räume, die die 57-jährige Oberhuber- und Caramelle-Schülerin auf großformatigen Leinwänden ausbreitet, doch mehr Denk- als reale Aktionsräume. Letztlich malerische Collagen aus konkret Erlebtem und Erinnertem, wobei auch Nicht-Darstellbares wie Gerüche oder Geräusche in diesen komplexen Bildfindungen ihren Platz haben.

Es sind ihre sehr persönlichen Erinnerungsspuren, denen Nora Schöpfer malend folgt. Die „Vehikel meiner eigenen Sinnlichkeit“, wie die Künstlerin sagt, deren Tun ein ebenso konzentriertes wie intuitives ist. Zelebriert in einer delikat monochromen Mischung aus Malerei und Grafik in vielen zarten Schichten. Erinnerungen an Landschaftliches überlagern sich auf diese Weise reizvoll mit Architektonischem, rein Abstraktem und bisweilen konkreten Zitaten aus der Kunstgeschichte, etwa von Andy Warhol. Angelegt als komplex verdichtete Fiktion von Fiktionen, was für den einigermaßen verwirrend daherkommt, der unbedingt verstehen will, was sich da tut.

Für den, der diesen Ehrgeiz nicht hat, eröffnen sich in den Bildern von Nora Schöpfer dagegen völlig neue Welten. In denen alle üblichen, rational basierten Gesetze außer Kraft gesetzt sind. Menschen wirbeln in unbestimmten, allein malerisch definierten Räumen. Klare Linien und Schriftfetzen treten in Konkurrenz mit vagen Farbflecken, umschwirrt von grafisch angelegten Formkürzeln, deren Dechiffrierungscode ein unbekannter ist.

Basis von Nora Schöpfers Bildern sind oft ins Großformat aufgeblähte Prints von Fotografien, die die Künstlerin als ihre Skizzen bezeichnet. Aus denen in der malerischen Transformation durch die Künstlerin sich etwa fotografierte galeristische Böden in Landschaftliches verwandeln. Das alles lädt zu entspannten gedanklichen Spaziergängen ein, die durchaus weitläufig ausfallen können, finden sich doch immer wieder persönliche Assoziationen auslösende Angelpunkte für die Augen.

Schwerer tut sich der Ausstellungsbesucher wahrscheinlich mit den Objekten bzw. Installationen von Nora Schöpfer, die sich in ihrer formalen genauso wie philosophischen Überfrachtung leider verzetteln, um letztlich einigermaßen gebastelt daherzukommen.

Wenn die Künstlerin etwa einen Bücherturm aufbaut, kombiniert mit einem Video, das einen sich blähenden weißen Vorhang zeigt. Der, in Kombination mit den Büchern als doch reichlich abgelutschte Metapher für das Wissen der Welt, den menschlichen „Wissenssog“ symbolisieren soll.


Kommentieren


Schlagworte