Architekt Anton Schweighofer 89-jährig verstorben

Anton Schweighofer, Schöpfer der Wiener „Stadt des Kindes“, ist am Freitag kurz nach seinem 89. Geburtstag verstorben. Das teilte das Architekturzentrum Wien (Az W) mit. Schweighofer, den das Az W als „prononcierten Kosmopoliten“ würdigt, galt als einer der bedeutendsten österreichischen Architekten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Zu seinen bekanntesten Bauten gehören neben der „Stadt des Kindes“ das 1974 fertiggestellte Franz-Schwackhöfer-Haus der Universität für Bodenkultur (Boku), das mit dem Europäischen Stahlbau-Preis ausgezeichnet wurde, das Konrad-Lorenz-Institut in Wien-Ottakring, seine mit dem Adolf-Loos-Architekturpreis ausgezeichneten Wiener Stadtvillen in Döbling sowie zwei SOS-Kinderdörfer in Südkorea und Indien.

Schweighofer wurde am 17. November 1930 als Sohn österreichischer Auswanderer in Ayancik (Türkei) geboren. Nach Jugendjahren in Salzburg studierte er in Wien bei Clemens Holzmeister an der Akademie der bildenden Künste Architektur und arbeitete ab 1959 als freischaffender Architekt. 1977 wurde er Professor für Gebäudelehre und Entwerfen an der Technischen Universität (TU) Wien, 1990 nahm er eine Gastprofessur an der Washington University an.

1977 wurde Schweighofer mit dem Architekturpreis der Stadt Wien ausgezeichnet, 2004 mit dem Kulturpreis des Landes Niederösterreich für Architektur. Einen hohen Stellenwert in seinem Werk nahm der Wohnbau ein. Er plante u.a. auch ein Wohnhaus in Berlin-Kreuzberg, ein Studentenwohnheim in Wien-Favoriten, Wohnhäuser auf den Gräf & Stift-Gründen oder den Wohnbau Kaiserebersdorfer Straße in Wien-Simmering.

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Schweighofer galt als Philosoph und Rationalist. In seinen Arbeiten standen anstelle von raffinierten Oberflächen und Details konzeptionelle und strukturelle Aspekte im Vordergrund. Für seinen Kindergarten in St. Andrä-Wördern hat er etwa bewusst bauliche Irritationen eingeplant, um die Aufmerksamkeit und den Instinkt der Schüler zu schulen.

Seine „Stadt des Kindes“ fungierte von 1974 bis 2002 als Heim für gefährdete Kinder und Jugendliche der Stadt Wien. Das Projekt galt reformpädagogisch und architektonisch als Vorzeigeprojekt, fand international große Beachtung und war eine moderne Alternative zu gewöhnlichen Heimbauten. Nach der Schließung der Stadt des Kindes 2002 wurde intensiv nach einer Nachnutzung gesucht, bis 2013 entstand schließlich ein Wohnkomplex, bei dem allerdings zentrale Bereiche des ursprünglichen Ensembles abgerissen wurden.

Sein letztes großes Projekt, das Geriatrische Zentrum des Kaiser-Franz-Josef-Spitals in Wien-Favoriten, wurde 2003 abgeschlossen - für das Az W ein Zeugnis „seines Dialogs zwischen dem Individuum und dem Kollektiv“.


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