Die gute Geschichte zum Advent: “Kleine Schritte, die ganz groß sind“

Neben dem Studium arbeitet Isabel Schmidt ehrenamtlich in einer sozialen Einrichtung. Sie ermutigt andere junge Menschen, es ihr gleichzutun.

In der SOS-Kinder.Welt in Innsbruck betreut die 20-jährige Isabel Schmidt Kinder vom Säuglingsalter an. Sie ist eine von derzeit zwölf Freiwilligen in der Einrichtung.
© Thomas Boehm / TT

Von Benedikt Mair

Innsbruck –Vor bald zwei Jahren kam Isabel Schmidt aus Deutschland nach Innsbruck. Da konnte sie ihr Psychologiestudium aber noch nicht beginnen, also wollte sie die Wartezeit „sinnvoll nutzen“, wie die heute 20-Jährige erzählt. Sie hat sich informiert und ist schließlich auf die SOS-Kinder.Welt gestoßen, wo sie begann, ehrenamtlich mit Flüchtlingskindern zu arbeiten.

Die Kinder.Welt, eine seit Anfang des Jahres 2016 bestehende Einrichtung von SOS-Kinderdorf in Innsbruck, war für Schmidt reizvoll, weil „das Thema Flüchtlinge damals eben brandaktuell war. Dort wurde Hilfe gebraucht und wird sie immer noch.“ Einmal die Woche, immer donnerstags, geht die Studentin in die Einrichtung, spielt bzw. bastelt dort mit Säuglingen gleichermaßen wie mit Kindergarten- und Volksschulkindern. Mehrere Stunden, samt Vor- und Nachbearbeitung, nimmt das in Anspruch. Am Ende des Tages sollen die Kinder sich entfalten können, Respekt voreinander lernen, aber auch ihre Deutschkenntnisse verbessern.

Für Schmidt ist besonders schön, zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln, wie sie reifen. „Einige von ihnen habe ich noch im Bauch der Mutter kennen gelernt, inzwischen können sie sitzen, stehen, gehen. Plötzlich werden sie zu Schulkindern, fangen an, ihren Namen zu schreiben. Sie machen kleine Schritte, die aber eigentlich ganz groß sind“, sagt die 20-Jährige und verweist auf das oft schwierige Umfeld, in dem ihre Schützlinge aufwachsen.

Neben der jungen Deutschen beschäftigt die SOS-Kinder.Welt noch elf weitere Freiwillige. „Ohne sie könnten wir das Angebot nicht umsetzen“, erklären Medina Ortner und Carola Vogl, die beiden einzigen hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Finanziert wird die Betreuungseinrichtung zur Hälfte vom Land Tirol, die restlichen Kosten werden mit Spendengeldern gedeckt.

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„Ich habe angefangen, mit großem Interesse und mit kleiner Erfahrung“, sagt Isabel Schmidt. Inzwischen habe auch sie sich durch die Zeit als ehrenamtliche Helferin weiterbilden können. Und besonders jungen Menschen, Studentinnen und Studenten, legt sie ans Herz, es ihr gleichzutun. „Denn in diesem Alter hat man noch die Zeit dazu.“ Viele würden es kennen, einen Film oder eine tragische Dokumentation zu sehen und dann den Wunsch zu hegen, etwas gegen Missstände zu unternehmen. „Dann aber verliert man das aus den Augen, sucht sich Ausreden.“ Laut Schmidt sei es aber wichtig „nicht zu zögern. Es einfach zu tun.“ Es lohne sich, weiß sie aus eigener Erfahrung: „Meine Arbeit wird geschätzt und ich bringe mit ihr etwas voran.“

Geschützter Raum in schwieriger Zeit

Vor vier Jahren hat SOS-Kinderdorf die SOS-Kinder.Welt ins Leben gerufen. Kindern und deren Angehörigen aus Innsbrucker Flüchtlingsheimen sollte ein geschützter Raum in einer schwierigen Zeit geboten werden.

250 Besucher gibt es laut der Organisation monatlich, seit der Eröffnung im März 2016 sind es schon über 12.000. Inzwischen wird an vier Nachmittagen die Woche ein Programm angeboten.

Zwölf Freiwillige sind derzeit in der Einrichtung beschäftigt, dazu zwei hauptamtliche Mitarbeiter. Bei dem Angebot sollen Werte wie Respekt und Achtung gegenüber anderen vermittelt werden.

Einzelförderung von Kindern, die besondere Unterstützung brauchen, ist seit Kurzem neu im Programm der Kinder.Welt. Diese wird etwa bei nahender Einschulung, Neuankunft in Österreich oder akuten Krisen im Umfeld angeboten.


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