Schwazer Anklöpfler sorgten in der Hektik des Advents für Entschleunigung

Die Männer des Schwazer Volksliederchors erfreuen nun schon seit fast 50 Jahren mit ihren traditionellen, alten „Klöpfel-Liedern“ in der Weihnachtszeit.

Die Anklöpfler des Schwazer Volksliederchors
© Stadtmarketing Schwaz

Von Peter Hörhager

Schwaz –Den Loden­umhang über der schafwollenen Joppe, Hut und Fäustlinge, einen Haselnussstock in der einen und eine Laterne in der anderen Hand – so ziehen sie im Advent durch die Straßen von Schwaz. Die Rede ist von den Mannen des Schwazer Volksliederchors, die im Advent rund 40 Auftritte als Anklöpfler absolvierten. Mit ihrem alten Liedgut entschleunigen sie die Hektik der alles andere als „ruhigsten Zeit des Jahres“. Wenn sie im Dämmerlicht ihrer Laternen das Herbergslied anstimmen, werden – zumindest kurzzeitig – Stress und Ungemach vergessen.

„Das Anklöpfeln ist nicht unsere einzige Aktivität, aber sicherlich jene, die die Menschen am meisten berührt“, betont Matthias Ley. Er hat schon beim Quartett-Verein Köln-Longerich gesungen, kam 1973 nach Schwaz, ist seit 46 Jahren Mitglied und seit 2000 Obmann des Chors. Ur-Schwazer sind Roland Seier, der schon seit 1986 Mitglied ist, sowie das Urgestein des Chors, Hans Thurnbichler. Der Methusalem im Schwazer Chor zählt 86 Lenze und gehört dem Verein unglaubliche 68 Jahre an. „Er bringt es auf rund 5500 Ausrückungen“, rechnet Josef Kirchmair vor, der als Schriftführer tätig ist. Chorleiter ist mit Helmut Fürhapter ein gebürtiger Osttiroler, der seit 2000 Mitglied ist. Ein Manko: Das Stammpersonal kommt in die Jahre. „Wir suchen sangesfreudigen Nachwuchs“, wirbt der Chorleiter, „die Geselligkeit wird großgeschrieben, das müsste doch auch Jüngere begeistern.“

Ein alter Spruch erinnert an die Sangesfreude der Schwazer: „Wer in Innsbruck nicht schießen, in Hall nicht läuten und in Schwaz nicht singen gehört hat, der ist nicht in Tirol gewesen!“ Der 1928 gegründete Volksliederchor hat aber auch einen eigenen Leitspruch: „A schneidig’s Liad, an Jodler d’rauf, so is bei uns Tiroler Brauch!“

Das „Anklöpfeln“ wurde ja 2011 in das Verzeichnis des „Immateriellen Kulturerbes“ der Unesco aufgenommen. Damit wurde ein Brauch gewürdigt, den es in dieser Form nur im Tiroler Unterinntal gibt. „Die Sänger werden in das Haus gebeten und stimmen dort einige Lieder an, die die Weihnachtsbotschaft von der Geburt Jesu verkünden“, erklärte Joch Weißbacher im Antrag an die Unesco.

Auch im Zillertal sind allerorts Anklöpfler unterwegs. Im Bild: die Gebrüder Dengg bei einem Auftritt.
© Hörhager

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