„Ein ungutes Gefühl“: Weihnachtsmarkt in Belrin geräumt

Es ist der Weihnachtsmarkt, und es ist der Breitscheidplatz an der Berliner Gedächtniskirche. Drei Jahre nach dem Terroranschlag wird der Platz erneut geräumt. Wieder blinkt das Blaulicht der Polizei.

Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz wurde vorsichtshalber geräumt.
© dpa

Berlin – Es sind diese zwei Worte, die nicht nur in Berlin etwas auslösen: Weihnachtsmarkt und Breitscheidplatz. Wo fast auf den Tag genau vor drei Jahren der islamistische Terrorist Anis Amri mit einem gekaperten Lastwagen eine Spur der Verwüstung angerichtet und zwölf Menschen getötet hat, herrscht am Samstagabend Alarmstimmung.

Einer Polizeistreife fallen gegen 19.00 Uhr zwei verdächtige Männer auf. Als diese die Polizisten bemerken, wollen sie sich „schnell entfernen“, wie ein Polizeisprecher am Abend berichtet. Wenig später wird der Platz geräumt.

250 Polizisten im Einsatz

Die Einsatzkräfte überprüfen die Personen und stellen zunächst fest, dass nach einer Person gefahndet wird – was sich allerdings später als nicht korrekt herausstellt. Aufgrund des verdächtigen Verhaltens und der Fahndungsinhalte kann die Polizei jedoch nicht ausschließen, dass sich ein verdächtiger Gegenstand auf dem Weihnachtsmarkt befindet. „Die Kombination hat bei den Einsatzkräften ein ungutes Gefühl ausgelöst, das zur Räumung des Platzes führte“, sagt Polizeisprecher Thilo Cablitz.

250 Polizisten suchen am Samstagabend– unterstützt von Sprengstoffspürhunden – den Platz und die Gedächtniskirche ab, wo gerade noch der Bach-Chor das Weihnachtsoratorium gesungen hatte. Gefunden wird nichts. Die beiden Männer werden vernommen, ihre Identität überprüft.

Es stellt sich heraus, dass es aufgrund des Namens eines der Männer zu einer Verwechslung kam: Nach der Person, die festgehalten wurde, wird doch nicht gefahndet. Die beiden Männer werden um 22.49 Uhr aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Kurz davor hebt die Polizei die Sperrungen rund um den Weihnachtsmarkt auf. Das Blaulicht der Polizei verschwindet, das Glitzern der zahllosen Weihnachtslichter bleibt.

Zunächst hatte es Medienberichte gegeben, wonach die beiden Männer Kontakte in die islamistische Szene haben. Das kann die Polizei nicht bestätigen.

„Da sind wir hochsensibel“

Seit dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz vor drei Jahren haben die deutschen Behörden nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) neun islamistisch motivierte Anschläge in Deutschland verhindert. Diese Zahl teilte das BKA auf Anfrage der Welt am Sonntag (WamS) mit. Allein in diesem November seien zwei Anschläge abgewendet worden. Konkretere Angaben zu den Hintergründen machte das BKA in dem Bericht nicht.

Die Berliner Polizei wollte sich am Sonntagnachmittag zu weiteren Einzelheiten des Einsatzes auf dem Weihnachtsmarkt äußern. „Es ist der Breitscheidplatz, und es ist Weihnachtszeit. Da sind wir hochsensibel“, hieß es schon am Vorabend. Alle Besucher hätten das Gelände ruhig und besonnen verlassen, berichtete die Polizei über Twitter. In Medien berichteten Besucher aber auch von Aufregung.

Gedenkfeier vor wenigen Tagen

Es bleibt das Gefühl, dass der Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt das Leben in Deutschland nachhaltig verändert hat. Erst am Donnerstag, zum dritten Jahrestag, hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) im Parlament betont, der Anschlag habe tiefe Wunden, Trauer, Schmerzen und Traumata sowie „eine bleibende Verletzung in unserer Gesellschaft“ hinterlassen. Es sei deutlich geworden, dass die freiheitliche Demokratie verwundbar sei. Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) sagte zum Gedenktag, Unsicherheit und Angst sollten nicht das Leben bestimmen. Eine Botschaft des 19. Dezember 2016 sei, die Freiheit nicht aufzugeben.

Der islamistische Attentäter Amri war am 19. Dezember 2016 mit einem gekaperten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gerast. Er hatte zuvor den Lastwagenfahrer erschossen und tötete dann mit dem Lkw elf Besucherinnen und Besucher des Marktes. Dutzende Menschen wurden verletzt. Amri wurde später auf der Flucht in Italien erschossen. Mehrere Parlamentarische Untersuchungsausschüsse versuchen seitdem, Fehler und Versäumnisse von Behörden aufzuarbeiten. (dpa)


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