Vier Straßenkilometer mit hohem Blutzoll auf der Reschenstraße

Auf der Reschenstraße bei Tösens passieren 2018 und 2019 gleich vier tödliche Unfälle. Das Problem ist bekannt, die Lösung schwierig.

Am Samstag starb eine 71-jährige Deutsche auf der Reschenstraße bei Tösens.
© BFV Zangerle

Von Matthias Reichle

Tösens, Pfunds, Ried –„Zwei Tote bei einem Frontalen“, „Tödlicher Unfall gibt Rätsel auf“, „Schwerer Unfall: zwei Verletzte“ – die Reschenstraße (B180) bei Tösens sorgt immer wieder für traurige Schlagzeilen. Auf einem rund vier Kilometer langen Straßenabschnitt kamen dort allein in den letzten zwei Jahren vier Menschen ums Leben. Immer wieder kracht es – sehr oft mit fatalen Folgen. Am Samstag erst verstarb eine 71-jährige Deutsche nach einer Kollision. Ende Oktober wurde zwei Kilometer weiter eine Schweizerin getötet. Im Februar 2018 waren zwei junge Südtiroler Opfer eines Verkehrsunfalls geworden.

Warum können Unfälle wie diese nicht verhindert werden? „Es ist eine gefährliche Stelle“, erklärt auch der Tösner Bürgermeister Bernhard Achenrainer, der von vielen riskanten Überholmanövern berichtet. „Vor allem in der Früh ist es extrem. Für das, was ich dort oft sehe, passiert eh wenig.“

Die B180 ist in dieser Etappe sehr breit – die Sicht wird aber immer wieder auch durch langgezogene Kurven und Kuppen eingeschränkt. „Es wird immer aggressiver gefahren“, sucht Straßenmeister Christian Schatz eine Erklärung für die hohe Unfallhäufigkeit. „Was ich oft für Überholmanöver mit und ohne Gegenverkehr erlebe, ist schlimm. Ich weiß nicht, wie man da sensibilisieren kann.“ Für jeden Sicherheitstipp sei man dankbar. Die Straße selbst sei so gut ausgebaut wie sonst fast nirgends in Tirol. Vielleicht sogar zu gut?

Im Oktober wurde eine Schweizerin bei einem Unfall getötet.
© zoom-tirol

„Die Reschenstraße hat dort den Charakter einer Schnellstraße“, erklärt Siggi Geiger, Verkehrsreferent an der Bezirkshauptmannschaft Land­eck. „Gerade auch die Straßenbreite lädt zum Überholen ein, in der Meinung, dass man noch Platz hat.“ Das ist dann oft nicht der Fall. „Das Problem ist bekannt. Die letzten Unfälle haben wir uns im Detail angeschaut.“ Wenn man wisse, ob es sich um ein Einzelereignis handelt oder um immer die gleichen Themen, könne man entsprechend reagieren. „Man hat teilweise Geschwindigkeitsreduzierungen und Überholverbote eingeführt und einen Radarkasten aufgestellt, trotzdem kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen.“

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Was letztlich die Ursache des aktuellen Unfalls war, ist noch nicht geklärt. Die Erhebungen seitens der Polizei laufen. Bei der Exekutive spricht man von auffallend vielen Einsätzen zwischen Ried und Pfunds. Auch dort ist man derzeit ratlos, wie man die Unfälle reduzieren kann. Immer wieder kommen Fahrer aufgrund von Sekundenschlaf oder wegen der Benutzung des Smartphones auf die Gegenfahrbahn.

Das Verkehrsaufkommen auf der Reschenstraße ist Sommer wie Winter hoch. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis es wieder kracht.

Im Februar 2018 verstarben zwei junge Südtiroler.
© zoom.tirol

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