Grund zur Freude: Jahr der Rekorde am Osttiroler Arbeitsmarkt

Für 2019 dürfte die Arbeitslosenquote im Bezirk Lienz unter sieben Prozent liegen, das ist so niedrig wie noch nie. Und im Juli verzeichnete das AMS eine noch nie dagewesene Zahl an Beschäftigten.

Das Arbeitsmarktservice in Lienz verzeichnet seit Ende 2015 steigende Beschäftigung und sinkende Arbeitslosenzahlen.
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Von Catharina Oblasser

Lienz –Begonnen hat es im Dezember 2015. Seither sind die Arbeitslosenzahlen in Osttirol, die das AMS laufend registriert und veröffentlicht, gesunken. Monat für Monat – mit einer einzigen Ausnahme – lagen die Werte immer noch tiefer. In Zahlen heißt das, dass sich die Arbeitslosenquote von 10,3 Prozent im Jahr 2015 auf 7,2 Prozent im Jahr 2018 verbessert hat. Und heuer dürfte ein noch nie dagewesener Tiefststand erreicht werden, meint Doris Batkowski, Leiterin des AMS Lienz: „Wenn sich die bisherige Entwicklung fortsetzt, dann werden wir für 2019 eine Quote von unter sieben Prozent haben. Das ist in den letzten 30 Jahren noch nie vorgekommen.“

Die aktuellsten Zahlen sind jene vom November 2019. In diesem Monat waren beim Lienzer Arbeitsmarktservice insgesamt 1886 Männer und Frauen als jobsuchend vorgemerkt – um 128 weniger als im gleichen Monat 2018. Dabei ist der November traditionell ein schwieriger Monat am Jobmarkt, da die Saison in Hotellerie und Gastronomie noch nicht begonnen hat und zugleich im Baugewerbe langsam die Winterpause anläuft. Die besten Monatswerte im heurigen Jahr wurden im Juni und Juli gemessen: Mit einer Arbeitslosenquote von nur jeweils vier Prozent absolute Spitzenreiter.

Doris Batkowski (Leiterin AMS Lienz): „Wenn genug Nachfrage am Arbeitsmarkt da ist, profitieren auch die über 50-Jährigen davon.“
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Auch die Langzeitarbeitslosigkeit sei gesunken, veranschaulicht die AMS-Chefin anhand von Zahlen: „Im November 2017 hatten wir 248 Personen, die länger als ein Jahr vorgemerkt waren. Im November 2019 waren es nur mehr 147.“ Bei älteren Arbeitssuchenden hat sich die Lage ebenfalls gebessert. „Wenn genug Nachfrage da ist, profitieren auch die Über-50-Jährigen davon“, meint Batkowski.

Diese Nachfrage ist zweifellos vorhanden. „Wir haben heuer von den Unternehmen noch mehr Stellenangebote bekommen als 2018.“ Etliche seien im Moment noch offen, quer durch alle Branchen. Das AMS zeichnet auch auf, wie viele Jobangebote mit einem Gehalt von mehr als 2000 Euro brutto einlangen. Fazit: gar nicht so wenige. Es sei also falsch zu glauben, dass das Lohnniveau in Osttirol generell sehr niedrig sei. „Man sieht: Auch bei uns gibt es genügend gute Jobs“, stellt Doris Batkowski fest.

Ein zweiter Kennwert des Arbeitsmarktes liefert ebenfalls Grund zur Freude: die Beschäftigtenzahl. Mit knapp 21.000 im Bezirk Lienz – registriert im heurigen Juli – liegt sie so hoch wie noch nie, erklärt die AMS-Leiterin. Dieser Wert umfasst Voll- und Teilzeitkräfte, jedoch keine geringfügig Beschäftigten.

1998 war das schlechteste Job-Jahr

Ein Blick auf die Osttiroler Arbeitslosenquoten der letzten 30 Jahre zeigt: Die Zahlen haben sich von 1988 bis 2015 weniger stark verändert als von 2015 bis heute. Die Werte lagen bis auf drei Ausnahmen (in den Jahren 1988, 1990 und 1992) stets über neun Prozent. Die höchste Arbeitslosenquote wurde 1998 verzeichnet, da betrug sie 10,8 Prozent. Die aktuelle Entwicklung, wie sie seit Ende 2015 beobachtet werden kann, ist also etwas Besonderes. Die Arbeitslosenquote lag 2016 noch bei 9,5 Prozent, ging dann 2017 auf 8,9 Prozent zurück, im Jahr 2018 waren es 7,2 Prozent. Für 2019 wird ein Wert von unter sieben Prozent erwartet. (co)

Die gute Wirtschaftslage beschert nicht nur dem Bezirk Lienz, sondern ganz Tirol einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Knapp fünf Prozent waren es 2018 im Landesschnitt – ein Wert, der deutlich unter dem von Osttirol liegt. Dennoch ist die Lage am Lienzer Arbeitsmarkt besser, als sie jemals war.

Wie lange der Aufschwung noch weitergeht, kann Doris Batkowski nicht sagen. „Laut den Experten soll sich der Trend drehen, in manchen Regionen ist das schon erfolgt.“ In Lienz bemerkt man bisher aber keine Anzeichen einer Trendumkehr.


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