An Heiligabend im Einsatz: Drei Tiroler erzählen

Während sich andere zuhause um den Weihnachtsbaum versammeln, sind sie für die Allgemeinheit im Einsatz: die Geschichte von drei Tirolern, die an Heiligabend arbeiten.

Martin Haberditzl und seine Tochter Sabrina sind seit vielen Jahren und auch heuer wieder an Heiligabend gemeinsam für das Rote Kreuz im Einsatz. Markus Plank (kleines Bild) hat die Züge im Blick.
© TT/Rudy de Moor

Von Benedikt Mair

Innsbruck – Ganz plötzlich wird es stad. Die Dunkelheit bricht herein, nach und nach leeren sich die Straßen. Nur noch das Funkeln der Weihnachtsbeleuchtung weist den Weg, während „Stille Nacht“ aus dem Radio erklingt. „Ganz ein besonderes Gefühl, ein Zauber“ sei es, an Heiligabend mit dem Rettungswagen durch die Stadt zu fahren, erzählt Martin Haberditzl. Schon lange ist der 49-jährige Kältetechniker aus Götzens am 24. Dezember für das Innsbrucker Rote Kreuz im Einsatz. Vor drei Jahren tat es ihm Tochter Sabrina gleich: „Es ist eine Möglichkeit, Zeit mit der Familie zu verbringen.“

Auch heute wieder, der Dienst beginnt um 6 Uhr am Morgen, geht zwölf Stunden lang. Bis zu zehnmal werden sie ausrücken müssen. „Wir haben aber auch schon Nachtdienste gemacht“, sagen Vater und Tochter Haberditzl.

Eine besondere Erinnerung

Weihnachten 2017 hätten sie dabei eine ganz besonders schöne Erfahrung gemacht. Begonnen habe es wie ein normaler Einsatz, erinnert sich Martin Haberditzl. „Wir haben einen Patienten von der Klinik abgeholt und sollten ihn nach Hause bringen. Er, ein älterer Herr, hatte aber seinen Schlüssel verloren, kam nicht mehr in die Wohnung.“ Nachdem sie alles Erdenkliche unternommen hatten, um den Mann doch noch in sein Zuhause zu bringen, aber kein Schlüsseldienst mehr erreichbar war, haben die Haberditzls bei der Notschlafstelle des Roten Kreuzes angeklopft. „Damit er wenigstens einen Platz zum Schlafen und eine warme Mahlzeit bekommt“, meint Sabrina Haberditzl. Dankbar sei der Mann gewesen, froh über das Engagement der beiden und darüber, irgendwo untergekommen zu sein. „Das ist an Heiligabend aber grundsätzlich so. Die Menschen nehmen uns positiver wahr“, sagt Vater Martin.

„Mir geht es gut im Leben. So kann ich den Menschen etwas zurückgeben.“
Martin Haberditzl (Rotes Kreuz Innsbruck)

Vor sieben Jahren ist er zum Roten Kreuz gegangen, war von Anfang an am 24. Dezember im Dienst. „Die Kinder waren schon erwachsen, mir ging und geht es gut im Leben. So kann ich den Menschen etwas zurückgeben. Und Weihnachten zuhause beginnt dann eben später, obwohl man sich natürlich sehr darauf freut.“ Ähnlich sieht es Tochter Sabrina. Nach so einem Tag oder Abend wisse sie, dass sie vielen Menschen habe helfen können. „Und noch dazu war ich mit Papa unterwegs.“

Auch die Züge stehen nicht still

Auch bei den ÖBB steht der Betrieb rund um die Feiertage nicht still. 10.000 Mitarbeiter sind laut Angaben der Österreichischen Bundesbahnen zu Weihnachten im In- und Ausland im Dienst. Einer davon ist Markus Plank. Für den 30-Jährigen ist das Arbeiten am Heiligen Abend nichts Außergewöhnliches, wenngleich es heuer ein klein wenig anders ist. „Ich bin vor drei Monaten stolzer Papa eines Sohnes geworden. Heute genießen wir die Zeit zu dritt, bevor ich in die Arbeit gehe“, erzählt der ÖBB-Fahrdienstleiter.

In der Betriebsführungszentrale in Innsbruck soll es aber auch einigermaßen festlich sein. „Mit meinen Kolleginnen und Kollegen sorge ich dafür, dass Stimmung aufkommt. Zu Weihnachten wird bei uns immer ein kleiner Christbaum geschmückt. In der Pause schauen wir, dass wir eine gemeinsame Jause organisieren können“, erzählt Plank. Der gelernte Elektriker ist seit 2013 bei den ÖBB, wo er ebenfalls die Ausbildung zum Fahrdienstleiter absolviert hat. In seiner Schicht am Heiligen Abend sorgt er dafür, dass die Züge zwischen Wörgl und Kufstein sicher über die Schienen rollen. Und dann? „Mit meiner ganzen Familie feiere ich Weihnachten am nächsten Tag.“

Markus Plank hat die Züge im Blick.
© ÖBB

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