Tsunami-Katastrophe: Riesenwelle tötete über 230.000 Menschen

Heute vor 15 Jahren ereignete sich eine der größten Katastrophen der Menschheitsgeschichte. Auch 86 Österreicher kamen durch die gigantische Flutwelle im Jahr 2004 ums Leben, die meisten von ihnen in Thailand. Insgesamt gibt es bis heute keine genauen Opferzahlen.

Gedenken an die Opfer der Tsunami-Katastrophe.
© AFP

Banda Aceh/Bangkok/Colombo – Es war eine der tödlichsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Menschheit: Am 26. Dezember 2004 rollte nach einem Seebeben im Indischen Ozean ein Tsunami über die Küstenregionen und brachte über 230.000 Menschen den Tod, darunter 86 aus Österreich. Die Zahl der Vermissten konnte bis heute nicht geklärt werden.

Die ersten Meldungen ließen noch nichts von der Katastrophe erahnen. „Heftiges Erdbeben in Indonesien“, lautete der Titel. Im Untertitel hieß es näher: „Größere Schäden an Gebäuden, keine Berichte über Opfer“. Auch die Stärke des Bebens nicht, das sich um 1.59 Uhr MEZ ereignet hatte und 6,4 nach Richter erreichte. Was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste: Seit rund eineinhalb Stunden rollten die Tod bringenden Wellen und machte Urlaubsparadiese sowie andere Küstenstriche dem Erdboden gleich. Am Ende standen die totale Verwüstung und bis über 230.000 Tote aus rund 50 Staaten.

Touristen flohen in Phuket vom Strand, als sie realisierten, was da gerade passiert. Viele schafften es nicht rechtzeitig.
© AFP/THAI TELEVISION

Das Beben erwies sich rasch als viel stärker als ursprünglich vermutet und wurde letztendlich mit der Stärke 9,1 bis 9,3 angegeben. Es war der schlimmste Erdstoß seit 40 Jahren. Das Epizentrum lag im Indischen Ozean etwa 150 Kilometer vor der westindonesischen Insel Sumatra. Es bildete sich ein gewaltiger Tsunami mit Wellen von bis zu zehn Metern Höhe, der zunächst auf die Küsten der ohnehin von einem Bürgerkrieg gezeichneten indonesischen Provinz Aceh zuraste. Ein Tsunami-Frühwarnsystem existierte damals nicht und wurde erst als Folge der Katastrophe implementiert. Die in den Küstenregionen lebenden Menschen hatten kaum Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

Tod kam binnen Sekunden

Mit voller Wucht traf der Tsunami in Aceh auf. Mehr als 160.000 Menschen wurden innerhalb kurzer Zeit in den Tod gerissen. Wie Kartenhäuser stürzten Gebäude in den Fluten zusammen. In allen von dem Tsunami betroffenen Gebieten dürften rund zwei Millionen Menschen obdachlos geworden sein.

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Nach dem Tsunami versuchten viele Überlebende, so schnell wie möglich in ihre Heimat zurückzukommen.
© AFP

Doch die Welle rollte weiter durch den Indischen Ozean und traf andere Küstengebiete ebenfalls schwer. Hier hätte wegen der längeren Vorlaufzeit ein Frühwarnsystem wohl einen Gutteil der Opfer verhindern können. Auf Sri Lanka, das mehr als zwei Stunden nach dem Beben von der Welle erreicht wurde, war mit rund 45.000 die zweithöchste Opferzahl zu beklagen. Hier wurde einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes schwer getroffen, der Tourismus.

86 Opfer aus Österreich

Auch in Thailand wurde der Tourismus schwer getroffen, und damit auch Österreich. 85 der 86 Toten starben in den Urlauberparadiesen Phuket, Khao Lak und auf den Phi Phi Inseln. Insgesamt kamen in Thailand mehr als 8000 Menschen uns Leben.

Ebenfalls massiv verwüstet wurde Südindien, vor allem der Unionsstaat Tamil Nadu mit seiner Metropole Chennai sowie die Inselgruppe der Andamanen und Nikobaren. Obwohl die Flutwelle bis zu den Küsten von Tamil Nadu rund drei Stunden und bis zu den Inseln auch noch rund zwei Stunden benötigte, starben in Indien mehr als 12.000 Menschen. Opfer waren darüber hinaus auf den Malediven (rund 80), in Burma (rund 90) und in Malaysia (rund 70) zu beklagen.

Die Welle ließ Gebäude einstürzen wie Kartenhäuser.
© AFP

Dass die Welle nach etwa sechs Stunden auch die Küsten Ostafrikas erreichen würde, lag wohl jenseits der Vorstellungsgabe aller Beteiligten. Am Horn von Afrika, in Somalia, kamen auch noch rund 300 Menschen ums Leben.

Bis zu 250.000 Opfer

Nach dem Tsunami wurde eine beispiellose Hilfsaktion gestartet. Laut OECD wurden den betroffenen Staaten von EU und 22 im Hilfskomitee der OECD sitzenden Mitgliedsländern 13,6 Milliarden Dollar (damals: 9,22 Milliarden Euro) zugesagt. Zahlreiche Staaten schickten Identifikationsteams nach Südostasien. Österreich stationierte beispielsweise zwei DVI-Einheiten (Disaster Victim Identification, Anm.) in Thailand und Sri Lanka, auch Trinkwasseraufbereitungstrupps wurden in die Katastrophengebiete geschickt. Innerhalb kurzer Zeit kamen zahllose Wiederaufbauprogramme in Gang. In Österreich wurde einmal mehr „Nachbar in Not“ aktiviert.

Die Opferzahlen sind bis heute nicht genau bekannt und zum Teil noch immer Schätzungen. Als relativ gesichert gelten mehr als 230.000 Tote, die gängigste Schätzung lautet auf rund 250.000 Opfer. (APA)

Die Flutwelle erfasste zunächst Banda Aceh, wo Tausende Menschen starben.
© AFP

1 von 19

Die Wellen waren meterhoch. Noch bevor die Menschen wussten, wie ihnen geschieht, wurden sie bereits von den Wassermassen überrollt.

© EPA

Als Touristen in Phuket begriffen, was gerade passiert, versuchten sie, zu fliehen. Viele schafften es nicht.

© AFP

>

Schlagworte