Team Landeck schwimmt im Eiswasser allen davon

Mentale Stärke ist der wichtigste Erfolgsfaktor: Philip Tiefenbrunn und Eva Hergel holten fünf Meistertitel beim Ice-Swim-Cup am Hallstätter See.

Philip Tiefenbrunn und Eva Hergel brachten kürzlich fünf österreichische Meistertitel vom Hallstätter See mit nach Hause.
© Peter hergel

Von Helmut Wenzel

Landeck –In China und Russland ist es Tradition: Mutige springen zum Jahreswechsel auf zugefrorenen Seen in ein eiskaltes Wasserloch. Der Achensee ist ebenfalls ein Ort für Unerschrockene, die bei vier Grad Celsius eine Mutprobe zur Schau stellen.

Eisschwimmen ist (noch) keine olympische Disziplin. In der überschaubaren Szene in Österreich, die in der International Ice Swimming Association (IISA) organisiert ist, mischen mit Eva Hergel und Philip Tiefenbrunn zwei Landecker kräftig mit. Zuletzt beim Ice-Swim-Cup am Hallstätter See, wo die beiden 27-Jährigen kürzlich fünf Meistertitel holten – Hergel über 50 Meter Brust und 100 Meter Kraul, Tiefenbrunn über 100, 200 und 1000 Meter Kraul.

Wie kommt man zu dieser Sportart, die manche als verrückt bezeichnen? – „Begonnen hat alles im Eispalast am Hintertuxer Gletscher“, erinnert sich Eva. „Wir wollten zum Spaß im Wasser mit -0,4 Grad schwimmen. Es war ein faszinierendes Erlebnis.“

Und es war zugleich der Einstieg in die „coole Szene“ der Eisschwimmer. Beide gingen bei nationalen wie internationalen Bewerben an den Start. Die Wassertemperatur darf höchstens bei fünf Grad Celsius liegen, damit die Ergebnisse vom Verband anerkannt werden. Neoprenanzüge sind verboten, Eisschwimmer tragen Badehose bzw. Badeanzug, Brille, eine Haube und Ohrstöpsel.

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Vor Wettbewerben der IISA werden Gesundheitszeugnisse verlangt. „Auch vor Ort überprüft eine Ärztin, ob die Teilnehmer fit sind“, wissen die beiden, die im Winter in heimischen Badeseen trainieren. Etwa im Rieder Badesee, wenn er nicht zugefroren ist.

„Manche fragen mich, ob ich verrückt bin und nicht schon genug Mutproben hinter mir habe“, erzählt die Projektassistentin. Für sie hat der eiskalte Sport auch etwas mit Meditation zu tun. „Man braucht eine starke Mentalität und darf nicht zu vieles überlegen, bevor man ins Wasser geht. Wichtig ist es, auf Signale des Körpers zu hören.“ Und: „Es funktioniert nicht, wenn man einen Erfolg erzwingen will.“ Sehr wohl müsse sie „an mich selber glauben, damit ich im Ziel auf einem Spitzenplatz lande“, schildert Eva.

Im Jänner 2019 konnte sie bei den „German Open“ ein WM-Ticket lösen. Dennoch verzichtete sie auf die WM-Teilnahme in der russischen Polarstadt Murmansk. „Mir war alles zu unsicher. Wegen möglicher Radioaktivität.“

Im Jänner strebt Hergel ein weiteres Ziel an: Erstmals will sie die „Eismeile“ (1600 Meter) schaffen – bei einer Wassertemperatur zwischen null und fünf Grad.


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