Vater und Kinder in Hotelpool ertrunken: Opfer konnten laut Mutter doch schwimmen

Während ihres Urlaubs an der Costa del Sol waren ein neunjähriges Mädchen, sein 16-jähriger Bruder und sein Vater (52) am Heiligen Abend im Pool eines Resorts in Spanien ertrunken. Ermittlungen hatten ergeben, dass die Opfer nicht schwimmen konnten. Die Mutter der Kinder bestreitet dies.

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Malaga, London – Die drei in einem spanischen Hotelpool ertrunkenen Mitglieder einer britischen Familie konnten nach Angaben der Mutter doch schwimmen. „Ich glaube, dass etwas mit dem Pool nicht stimmte, was das Schwimmen zu diesem Zeitpunkt für sie schwierig machte“, erklärte die Frau in einer von ihrer Londoner Kirche veröffentlichten Mitteilung im Onlinedienst Facebook am Freitag.

Der 52-jährige britische Pastor, seine neun Jahre alte Tochter und ein 16 Jahre alter Sohn waren zu Weihnachten im Pool einer Ferienanlage in Mijas in der Nähe von Málaga ertrunken.

„Die Kinder nutzten die Stufen, um in den Pool zu gehen. Sie wurden aber in die Mitte gezogen, die tiefer lag, und riefen um Hilfe, weil sie nicht mehr herauskamen“, erklärte die Mutter. Ihr Mann sei dann ins Wasser gegangen, um ihnen zu helfen. „Wir sind zutiefst schockiert, traurig und haben Mühe, uns mit ihrem Tod abzufinden“, fügte die Frau hinzu.

Zuvor hatten Ermittlungskreise unter Berufung auf eine Schwester der beiden toten Kinder erklärt, die drei konnten nicht schwimmen. Ermittler untersuchten das Filtersystem des Pools, um zu klären, ob das Mädchen möglicherweise von der Reinigungspumpe angesogen wurde.

Das Schwimmbecken wurde am Donnerstag wieder zur Nutzung geöffnet. Der Betreiber Costa World erklärte via Facebook, die Guardia Civil habe dies genehmigt. Die Beamten hätten nichts gefunden, was gegen den Betrieb des Schwimmbeckens und die Sicherheitsvorkehrungen in der Ferienanlage spreche.

Vorherige Aussagen: Opfer waren Nicht- bzw. schlechte Schwimmer

Die 14-Jährige und die Mutter hatten am Donnerstag bei der Polizeibefragung gesagt, dass die drei Todesopfer nur sehr schlecht oder überhaupt nicht schwimmen konnten. Im Interview mit dem Fernsehsender Antena3 erklärte zudem ein Angestellter des Hotels Club La Costa, der am Dienstagnachmittag nach den Hilfeschreien der Mutter als erster zu Hilfe geeilt war, die in Not geratenen Gäste „konnten allem Anschein nach nicht schwimmen“. Die Ermittlungen würden fortgesetzt, um alle möglichen Zweifel auszuräumen, sagte ein Justizsprecher in Malaga am Freitag.

Die Guardia Civil teilte mit, bei einer eingehenden Inspektion des Pools seien „überhaupt keine Unregelmäßigkeiten“ entdeckt worden. Unter anderem sei auch das Wasser des Pools untersucht worden. Bei der Obduktion wurde nach Polizeiangaben zudem Ertrinken in allen drei Fällen zweifelsfrei als Todesursache festgestellt. Keine der Leichen weise verdächtige Verletzungen oder Anzeichen einer Vergiftung etwa durch Chlor auf, sagte ein Polizeisprecher.

Der tragische Unfall ereignete sich nach Polizeiangaben gegen 13.30 Uhr des Dienstags, als die drei Geschwister kurz vor der Bescherung alleine im Pool spielten. Die Eltern hätten in der Nähe ein Sonnenbad genossen, ließ die Polizei wissen. Aufgrund relativ kühler Temperaturen hätten sich zu dem Zeitpunkt sonst kaum Gäste in der Nähe des Pools aufgehalten.

Neunjährige rutschte in den tiefen Bereich des Pools

Nach den Aussagen der 14-Jährigen bei der Polizeibefragung rutschte die Kleine beim Spielen im Wasser plötzlich aus und geriet in den tiefen Bereich des Pools. Dieser ist laut einem Hotelangestellten gut zwei Meter tief. Daraufhin sprangen zunächst der Bruder und kurz danach der Vater ins Wasser. Alle drei konnten nur tot geborgen werden.

Die Mutter habe die aus dem Wasser geborgenen leblosen Körper berührt und die ganze Zeit gebetet, dass die drei wieder zu sich kommen, berichtete ein Hotelgast der britischen Zeitung Mirror. „Sie hat sogar noch gebetet, als die Leute von der Ambulanz mit den Wiederbelebungsmaßnahmen aufgehört haben.“ Ein anderer Hotelgast sagte dem britischen Nachrichtensender Sky News, dass für ihn nicht nachzuvollziehen sei, wie überhaupt etwas so Tragisches passieren konnte. Der Pool sei nicht groß gewesen.

Der Vater und der Bruder waren beide etwa 1,90 Meter groß und wirkten nach Zeugenaussagen topfit. „Aber wenn man nicht schwimmen kann und jemandem helfen möchte, ist es schon schwer, da rauszukommen“, sagte ein Polizeisprecher im spanischen Fernsehen.

Der Vater war nach Medienberichten Pastor in einer christlichen Gemeinschaft in London, die ihren Ursprung in Nigeria hat. Die Familie hatte sich seit Sonntag in Mijas aufgehalten. Sie hatte den Berichten zufolge vor dem Unfall schon mehrfach im Pool gebadet. (APA/dpa/AFP)


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