Sektorales Lkw-Fahrverbot mit 1. Jänner verschärft, Wirtschaft bleibt skeptisch

Mit Spannung blickt die schwarz-grüne Landesregierung in Tirol auf den Jahreswechsel. Wie schon im Vorjahr, so dürfte auch heuer der Lkw-Tra...

Die ÖBB schrauben ihre Rola-Kapazitäten mit Jahreswechsel auf 250.000/Jahr und bis Ende 2020 sogar auf 400.000/Jahr.
© ÖBB/RCG

Mit Spannung blickt die schwarz-grüne Landesregierung in Tirol auf den Jahreswechsel. Wie schon im Vorjahr, so dürfte auch heuer der Lkw-Transitverkehr über den Brenner steigen, jedoch trotz allem noch knapp unter der 2,5-Millionen-Marke bleiben. Zumindest etwas Entlastung erhofft man sich deshalb von der Verschärfung des sektoralen Fahrverbots. Dieses wurde zur Jahreshälfte beschlossen, kann aber aufgrund von Übergangsfristen erst mit 1. Jänner in Kraft treten.

Neu ist, dass nunmehr dreizehn Gütergruppen — fünf neue kommen hinzu — nicht mehr auf der Inntalautobahn zwischen Kufstein und Ampass befördert werden dürfen. Parallel dazu wird die bislang geltende Ausnahme für Transporte mit Lkw der Schadstoffklasse Euro 6 auf jene der neuesten Klasse Euro 6d eingeschränkt. Ursprünglich wollte die Landesregierung alle „6er" in das Verbot einschließen. Dieses wurde jedoch nach europarechtlichen Bedenken wieder fallen gelassen. So wird auch der im Verordnungsentwurf angeführte Verlagerungseffekt von bis zu 300.000 Lkw-Fahrten pro Jahr auf die Schiene nicht zu erfüllen sein. Wie groß der Anteil an Euro-6d-Fahrzeugen in den Frächterflotten ist, kann derzeit nicht einmal geschätzt werden.

Immerhin 30 Prozent der in der TT-Umfrage Befragten (siehe oben) sind der Meinung, dass eine generelle Verschärfung von Lkw-Fahrverboten und ein einheitliches Mautsystem in Europa notwendig seien.

Seit Monaten laufen italienische Frächter gegen die Ausdehnung Sturm. Zuletzt auch unterstützt durch Rom. „Ich fürchte mich nicht davor, aber ich rechne damit, dass wir geklagt werden", zeigt sich die für Verkehr zuständige LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) trotzdem zuversichtlich. Zuletzt hatte LH Günther Platter (VP) bei der neuen EU-Verkehrskommissarin Adina Valean in Brüssel für eine Lkw-Obergrenze am Brenner interveniert.

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Obwohl die ÖBB auf das neue sektorale Fahrverbot vorbereitet sind und mit Jahreswechsel ihre Kapazitäten der Rollenden Landstraße auf 250.000 Lkw/Jahr steigern werden, glaubt Felipe nicht, dass die Verlagerung 1:1 auch stattfinden wird. Hier sei die Frage, wie schnell die Wirtschaft reagieren und ihre Flotten umrüsten werde. „Darauf bin ich schon gespannt." Wenn auch nicht die Zahl der Lkw abnimmt, so würde das zumindest trotzdem die Luftbelastung senken helfen.

Skeptisch bleibt indes Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser. Er befürchtet zusätzlichen Ausweichverkehr über den Fernpass und deshalb Nachteile insbesondere für das Oberland. Die Wirtschaft fordert daher eine Evaluierung des neuen Sektoralen nach einem Jahr.

Gerüstet für die Kontrollen zeigt man sich bei der Verkehrspolizei. Obwohl in der Euroklassen-Verordnung nicht erfasst, will man die „6d" leicht erkennen. Und zwar anhand der Erstzulassung (ab dem 31. August 2018), wie deren Leiter Markus Widmann bestätigt. Vom 1. Jänner bis 30. November wurde das Sektorale in 214 Fällen übertreten, das geltende IG-L-Nachtfahrverbot für Lkw 620-mal. (mami)


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