Lawinendrama mit drei Toten in Südtirol: Bergbahnen weisen Schuld zurück

Eine Frau (35) und zwei sieben Jahre alte Kinder starben am Samstag auf einer Skipiste im Schnalstal unter einem gewaltigen Schneebrett. Nun wird nach der Ursache gesucht. Die Schuldfrage stellt sich.

© BRD Schnals

Von Benedikt Mair

Schnals, Innsbruck — Drei Menschen starben, zwei weitere liegen verletzt im Krankenhaus. Nun stellt sich die Frage: Hätte die Tragödie verhindert werden können? Nachdem eine Frau (35) und zwei sieben Jahre alte Kinder am Samstag in einem Skigebiet im Südtiroler Schnalstal von einer Lawine erfasst und getötet wurden, wird der Vorwurf laut, dass die Piste, auf die das Schneebrett abging, hätte gesperrt werden müssen. Die Betreiber der Schnals­taler Gletscherbahnen weisen das entschieden zurück.

Rückblende: Samstagmittag im Skigebiet am Schnalstaler Gletscher. Auf rund 3000 Höhenmetern löst sich ein rund 200 Meter breites und über einen Kilometer langes Schneebrett. Die Lawine donnert auf eine Skipiste. Eine 35-Jährige aus Thüringen ist sofort tot, ihre sieben Jahre alte Tochter stirbt am Abend im Krankenhaus von Trient. Auch eine Siebenjährige aus Nordrhein-Westfalen wird von der Lawine getötet, ihr Vater und der elf Jahre alte Bruder überleben das Unglück, werden aber verletzt.

Wintersportler als Auslöser „nahezu ausgeschlossen"

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft von Bozen gestern Ermittlungen aufgenommen und einen Lokalaugenschein vorgenommen. Die Piste, auf der es zu dem Unglück kam, ist noch geschlossen. Medienberichten zufolge sei es unwahrscheinlich, dass Variantenfahrer oder Tourengeher die Lawine ausgelöst haben. Das bestätigt auch Elmar Pichler Rolle von der Schnalstaler Gletscherbahn AG im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung: „Zu 100 Prozent kann man es nicht sagen, aber es scheint nahezu ausgeschlossen, dass Wintersportler die Lawine ausgelöst haben. Man sieht auch keine Spuren im Schnee." Es wird vermutet, dass sich die Schneemassen spontan gelöst haben.

Lukas Rastner vom Südtiroler Lawinenwarndienst war „überrascht von der Größe der Lawine". Da er nur Fotos der Unglücksstelle gesehen hat und sich erst heute vor Ort ein Bild machen wird, will er sich nicht auf eine mögliche Ursache für die Lawine festlegen. „Wahrscheinlich ist aber eine Kombination aus lockerem Schnee und Wind dafür verantwortlich." Im entsprechenden Gebiet herrschte am Samstag oberhalb der Baumgrenze Lawinengefahr der Stufe drei, unterhalb der Baumgrenze war diese bei Stufe zwei.

Vorwürfe im Internet

In den sozialen Netzwerken wurde gestern der Vorwurf laut, dass die Talabfahrt, auf welche die Lawine abging, hätte gesperrt werden müssen. Ein Bergretter sagte gegenüber der deutschen Bild-Zeitung, dass die Piste „häufig stark lawinengefährdet" sei. „Im Nachhinein lässt sich immer leicht sagen, dass etwas hätte gesperrt werden müssen", meint Lawinenwarner Rastner. Die hundertprozentige Sicherheit, dass nichts passiert, gebe es in der Natur und bei Lawinen aber nicht.

Thomas Stecher, Direktor der Schnalstaler Gletscherbahnen, dementierte das bereits am Samstag: „Unsere Mitarbeiter haben in der Früh die Lage bewertet und keine Gefahr erkannt", sagte er. „Hätten sie Zweifel gehabt, hätten sie die Talabfahrt ganz bestimmt nicht für den Betrieb freigegeben." Auch Elmar Pichler Rolle bekräftigt das: „Die Mitarbeiter haben gewissenhaft das getan, was sie jeden Tag tun." Hätte es auch nur den geringsten Hinweis für eine Lawine gegeben, wäre die Piste gesperrt worden. „Das war aber nicht der Fall. Das, was da passiert ist, ist einfach eine unfassbare Tragödie."


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