„Drei Engel für Charlie“: Kämpferinnen auf der Welle des Zeitgeistes

Beherzt, aber harmlos: Regisseurin Elizabeth Banks versucht sich an der Neuerfindung der Siebziger-Jahre-Serie „Drei Engel für Charlie“.

Die neuen „Engel“: Ella Balinska, Kristen Stewart und Naomi Scott (von links) in der Kinoneuauflage von „Drei Engel für Charlie".
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Von Marian Wilhelm

Innsbruck –„Drei Engel für Charlie“ scheint der Film der Stunde zu sein. Nach #Me­Too und einem lange überfälligen Impuls für mehr Frauen im Regiesessel passen auch die Filmfiguren zum Empo­werment-Thema. Regisseurin Elizabeth Banks gelingt dieses zeitgeistige Revival der Engel-Story trotz mäßigen Drehbuchs ganz ordentlich. Doch gerade der allzu bemühte Wink mit dem politischen Zaunpfahl bremst den Action-Spaß immer wieder aus.

Dabei waren die drei Engel auch bei ihrem ersten Auftritt 1976 schon selbstbewusste Kämpferinnen. Die erfolgreiche Fernsehserie schickte über fünf Jahre und ebenso viele Staffeln drei Detektivinnen auf Verbrecherjagd. Dass sie dabei zugleich auch bewusst als Objekte (männlicher) Begierde inszeniert wurden, führt mitten in die Repräsentationsdebatten, die nicht nur Hollywood zurzeit stark beschäftigen. Der Song zum neuen Film von Ariana Grande, Miley Cyrus und Lana Del Rey liefert das Motto zu dieser Herausforderung: „Don’t Call Me Angel“ – „Nenn mich nicht Engel“.

Interessant ist in diesem Kontext das Genre des Films: Leichtfüßige Agenten-Action ist allzu selten Spielwiese für Protagonistinnen. Charlies mysteriöse Stimme aus dem Lautsprecher, die „seinen“ Engeln die Aufträge gibt, ist 2019 zu einer ganzen Towns­end-Agentur ausgebaut worden, die mittlerweile auch weibliches Führungspersonal hat: Rebekah Bosley (Regisseurin Elizabeth Banks selbst) folgt dem netten alten Herrn John Bosley (Patrick Stewart) nach, der zu Beginn der Story mehr oder weniger freiwillig in die Pension verabschiedet wird.

Die neuen Engel-Agentinnen heißen Jane Kano (Ella Balinska) und Sabina Wilson (Kristen Stewart) und sind eher ein ungleiches Team. Während Jane eine erfahrene ehemalige MI6-Spionin ist, bringt Sabine eher Improvisationstalent mit. Der nächste Auftrag, nach einem James-Bond-artigen Prolog in Rio de Janeiro, wartet schon.

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Die Ingenieurin und Whistleblowerin Elena Houghlin (Naomi Scott) soll exfiltriert werden. Sie arbeitet an einer neuen Energiequelle namens Calisto, die in falschen Händen auch als zerstörerische Superwaffe einsetzbar ist.

Natürlich wird die technik­affine Elena bald zur Dritten im Engel-Bunde. Das Team für etwaige Fortsetzungen ist nach diesem Einsatz schon mal etabliert. Alles Weitere gestaltet sich als routiniertes Action-Abenteuer, das durchaus spannende intensive Sequenzen bereithält, Sightseeing inklusive. Die Reise führt von der Hamburger Elbphilharmonie über Istanbul zur luxuriösen Party-Location des Bösewichts. Der darunterliegende Plot belebt die bekannten Motive mehr schlecht als recht und bemüht allzu viele Erklärungen und Dialoge.

Abseits der bombastischen Action liefern die drei Angels selbst die besten Momente, wenn sie mit ihrem Schmäh die ernste Weltrettung kurz vergessen lassen. Vor allem die vielseitige Kristen Stewart läuft als Sabina zur Hochform auf und bekommt auf Grund ihrer Berühmtheit auch immer wieder Platz dafür. Dieses Zusammenspiel, von der Comedy-erfahrenen Elizabeth Banks gut getimed, ist das Herz eines ansonsten recht belanglosen, aber durch und durch zeitgeistigen Action-Films.


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