Von Grün zu Pilz, wieder zurück und in die Regierung: Alma Zadic

Neue Justizministerin soll Alma Zadic werden. Die gebürtige Bosnierin kam mit zehn Jahren nach Österreich – ihr rasanter Aufstieg ist auch ein für die Grünen wichtiges Symbol.

Alma Zadic.
© APA

Wien – Kaum wo gehen Karrieren so flott wie in der Politik, der Spurt von Alma Zadic ins Justizministerium ist dann aber doch besonders bemerkenswert. Vor ein paar Wochen mehr oder weniger nur Pausenfüllerin von Peter Pilz im BVT-Ausschuss, ist die gebürtige Bosnierin nun am Ticket einer anderen Partei an der Spitze eines der zumindest symbolisch prestigeträchtigsten Ressorts angelangt.

Dass man beim Wechsel innerhalb des Parteienspektrums so rasch reüssiert, ist eine Seltenheit und hängt wohl auch mit der Persönlichkeit Zadic‘ zusammen. Neben ihrer Ausbildung als Anwältin bringt sie persönlich viel Gewinnendes ins Justizressort mit. Kaum jemand weiß ein böses Wort über die Karriere-Juristin zu sagen, die als ausnehmend freundlich und unkapriziös gilt.

Konfliktlösung statt Eskalation

Nachgesagt wird ihr freilich auch eine gewisse Konfliktscheue. Der Abschied von JETZT zu den Grünen bescherte Zadic einiges an Bauchweh, auch wenn Listengründer Pilz sie teils eher als Assistentin denn als Abgeordneten-Kollegin behandelte. Auch sonst gilt Zadic als jemand, dem ein Kompromiss deutlich lieber ist als ein offen ausgetragener Konflikt. Selbst im BVT-Ausschuss, der vor Alpha-Tieren nur so strotzte, ersparte sie sich jegliche Polemik und setzte auf die Sache. Das passt auch ganz gut zu ihrer vor dem Einstieg in die Politik praktizierten Tätigkeit in einer international tätigen Anwaltskanzlei. Dort war sie auf Konfliktlösung spezialisiert.

Ob dieser Wesenszug im Justizressort hilft, bleibt abzuwarten. Zu tun bekommt sie es dort mit einer ganzen Armada an selbstbewussten Beamten, mit dem Chef der Strafrechtssektion Christian Pilnacek an der Spitze. Zudem liegt ressortintern einiges im Argen, einerseits die Dauerkonflikte zwischen den Staatsanwaltschaften, andererseits fehlt es der Justiz an Budget, wie Expertenminister Clemens Jabloner nicht müde wurde zu betonen. Beim Verhandeln mit dem Finanzminister wird Zadic Härte beweisen müssen, geübt hat sie das ja schon, als sie überraschend von Grünen-Chef Werner Kogler ins Kernteam der Regierungsgespräche berufen wurde.

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Mit 10 Jahren nach Österreich gekommen

Zadic kam erst mit 10 nach Österreich, mit ihren Eltern zu Zeiten des Bosnien-Kriegs. In Wien tat sie sich zunächst schwer, ehe sie in der Schule doch noch eine entsprechende Förderung erhielt. Ihre neue Heimat war der Zehnte Wiener Gemeindebezirk, dem sie sich bis heute verbunden fühlt, auch eher eine Seltenheit bei den Bobo-lastigen Wiener Grünen. Nach den Anlaufschwierigkeiten legte Zadic eine Musterkarriere hin, nach der Schule studierte sie Jus, das auch in New York und Mailand bis hin zum Doktortitel, war später bei der International Organisation of Migration und als Praktikantin beim Haager Kriegsverbrecher-Tribunal aktiv.

Fad wird Zadic auch abseits der Politik nicht. Die 35-Jährige ist ausgebildete Fitness- und Aerobic-Trainerin. Als ihr Hobby gibt sie Beach-Volleyball zu jeder Jahreszeit an. (APA)

Zur Person

Alma Zadic, geboren am 24. Mai 1984 in Tuzla (Bosnien). Studium der Rechtswissenschaft in Österreich, Italien und den USA. Rechtsanwältin bis 2017, danach Einzug in den Nationalrat für die Liste Pilz (später JETZT). Im Juli Wechsel zu den Grünen, deren Klub sie seit der Nationalratswahl angehört.


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