410 Verkehrstote im Jahr 2019: Zu viele Autolenker abgelenkt

37 Menschen verstarben 2019 in Tirol bei Verkehrsunfällen, bundesweit traf es 410 Personen. Tödliche Unfälle stagnieren, könnten aber bei konzentrierterem Fahren weit weniger sein.

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(Symbolfoto)
© ZOOM-TIROL

Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Wien – 37 Todesopfer auf Tirols Straßen im vergangenen Jahr. Damit hat sich die Bilanz gegenüber 2018 um ein Todesopfer verschlechtert und liegt damit exakt im Bundesschnitt. Bundesweit hatten sich 2019 laut der gestern vom Innenministerium (BMI) veröffentlichten Statistik nämlich 410 tödliche Verkehrsunfälle ereignet – und damit ebenso um einer mehr als im Jahr 2018, dem Jahr mit der bislang niedrigsten Zahl von Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950.

Trotzdem ist Tirol damit unter jenen drei Bundesländern, in denen sich die Zahl der Verkehrstoten im Jahr 2019 noch erhöht hat. Unter ihnen stach letztes Jahr das Burgenland heraus, wo 33 Menschen im Verkehr ums Leben kamen. Im Jahr zuvor waren es 13. Eine Zunahme gab es auch in Salzburg mit 31 Todesopfern (2018: 27). In den verbleibenden sechs Bundesländern gab es jeweils Rückgänge, die höchsten in Oberösterreich von 96 auf 88 und Wien von 18 auf elf. In Niederösterreich starben 2019 98 Verkehrsteilnehmer (minus fünf), 68 waren es in der Steiermark (minus eins), 29 in Kärnten (minus eins) und 15 in Vorarlberg (minus zwei). In der Steiermark und in Wien wurden im Jahr 2019 die bisher niedrigsten Zahlen an Verkehrstoten seit 50 Jahren verzeichnet.

Bei den tödlichen Verkehrsunfällen verloren bundesweit 199 Pkw-Insassen (davon drei in Elektro-Pkw) ihr Leben, elf Lkw-Insassen (davon neun im Klein-Lkw), 78 Motorradfahrer (davon 16 mit Leicht-Motorrädern), zehn Mopedfahrer, 32 Radfahrer (davon neun mit Elektro-Fahrrad), 68 Fußgänger, fünf Traktor-Lenker bzw. -Mitfahrer, drei Lenker bzw. Mitfahrer einer selbstfahrenden Arbeitsmaschine, zwei Lenker eines Microscooters, ein Microcar-Insasse und ein Omnibus-Insasse.

Als Hauptunfallursache bei den tödlichen Verkehrsunfällen lagen die beiden Faktoren Unachtsamkeit und Ablenkung mit über einem Viertel Anteil wieder an erster Stelle.

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Knapp dahinter folgt überhöhte Geschwindigkeit mit knapp einem Viertel, es folgen weiters Vorrangverletzung (13,4 Prozent) sowie das Fehlverhalten von Fußgängern (10,4 Prozent) – Alkoholisierung war bei 23, oder 6,8 Prozent, der tödlichen Unfälle gegeben. Gegenüber 2018 wies die BMI-Bilanz somit etwas weniger Unfälle durch Alkohol aus, bei der nicht angepassten Fahrgeschwindigkeit gab es einen leichten Anstieg.

Für Markus Widmann, Tirols obersten Verkehrspolizisten, ein trügerisches Zeichen: „Die Einsätze im Advent haben uns leider wieder gezeigt, dass man beim Thema Alkohol am Steuer konsequent dahinter sein muss.“

Ansonsten erkennt Widmann im TT-Interview in der Stagnation der Verkehrstoten jedoch mittlerweile einen Trend, der nun schon einige Jahre anhält. „Kampagnen zur Verkehrssicherheit, Schulungen, fortlaufende Kontrollen, aber auch das hohe Sicherheitsniveau neuerer Pkw sind dafür maßgebend“, so Widmann. Dem steuere jedoch eine neue Art von Ablenkung als Unfallursache Nr. 1 entgegen. So ahndete die Tiroler Polizei laut Widmann „unzählige Übertretungen“ wegen Telefonierens am Steuer: „Manche Schreiben aber auch SMS oder bedienen sonstwie während der Fahrt ihr Smartphone. Speziell vor sensiblen Zonen wie Schulen oder Bushaltestellen eine Riesengefahr. Da fahren Lenker über die Straßen, die eigentlich kaum am Verkehrsgeschehen teilnehmen“, sagt der Leiter der Verkehrspolizei. Dazu rät Widmann auch dringend, sich mit der Bedienung komplexer Multimediageräte im Auto schon vor – und nicht während – der Fahrt vertraut zu machen. Polizei und Land werden die Zahlen nun genauer analysieren und noch im Jänner offiziell erläutern.


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