Biber erreichen Wohngebiete von Lechaschau: Anrainer verärgert

Der Rückstau eines Biberdamms reichte schon bis zu Wohnhäusern. Ein Anrainer droht nun mit Selbsthilfe, wenn das Wasser wieder steigen sollte.

Lechaschaus Bürgermeister Hansjörg Fuchs (l.) und Bauhofvorarbeiter Hannes Schmid besichtigen den Damm, den der Biber am Mühlbach errichtet hat. Die Stauhöhe wird nun von der Gemeinde reguliert.
© Helmut Mittermayr

Von Helmut Mittermayr

Lechaschau –Als das Wasser über ein Feld bis zu den ersten Häusern kam, war klar, dass irgendetwas in einem Seitenarm des Mühlbachs nicht stimmen konnte. Der Biberdamm war schnell entdeckt und bei Bürgermeister Hansjörg Fuchs ein klassischer Nutzungskonflikt am Schreibtisch. „Einerseits ist es natürlich erfreulich, dass die Natur bei uns so intakt und das Wasser so sauber ist, dass Biber in Lechaschau leben können. Andererseits kann nicht zugesehen werden, wenn durch den Aufstau Schäden an Häusern entstehen würden. Zudem ist dieses Gebiet als künftiges Bauland ins Auge gefasst.“

Fuchs verständigte die beiden Außerferner Biberbeauftragten des Landes, Egon Bader und Caroline Winklmair. Bei einer gemeinsamen Begehung war für die beiden Fachleute schnell klar, dass als Kompromiss in die Dammhöhe eingegriffen werden darf, um Schäden durch steigendes Wasser für die Anrainer fernzuhalten. Seither nimmt sich Bauhofvorarbeiter Hannes Schmid jeden zweiten Tag des Konstruktes an. Fuchs und Schmid sind überrascht, wie schnell und immer gefinkelter der Biber hinterherarbeitet und die Senkungen auszugleichen versucht. BM Fuchs weiß, dass schon seit Jahren Biberspuren beim so genannten St.-Mang-Sessele in der Lechau zu finden waren, aber Verklausungen nahe an Wohnhäusern seien neu. Gut sei auch, dass praktisch alle Häuser in diesem Areal auf Keller verzichtet hätten.

Egon Bader: „In diesem Bereich handelt es sich sowieso um Feuchtwiesen. Wasser war da nie fern.“ Biber seien im Außerfern inzwischen in Scharen vorzufinden und gewiss nichts Exotisches mehr. Deshalb werde er nun als Biberexperte gar nicht selten zu Verkehrsunfällen gerufen.

Ein Anrainer gesellte sich beim Presselokalaugenschein dazu und erklärte, dass er Jahre in Amerika gelebt habe und schon wisse, was Selbsthilfe bedeute, sollte das Wasser wieder steigen. Bürgermeister Fuchs entgegnete prompt, dass diese Form der Selbstjustiz, gar mit einer Waffe, in Lechaschau undenkbar sei. Beide befanden dann aber, dass mit dem nun regulierten neuen Minisee gut gelebt werden könne.


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