Tod im Urlaubsidyll: Sechs junge Deutsche starben bei Alko-Unfall

Tragödie in Luttach: Ein stark alkoholisierter Lenker raste in der Nacht auf Sonntag in eine Gruppe junger deutscher Urlauber. Sechs Menschen starben noch an Ort und Stelle. Augenzeugen schildern die schrecklichen Szenen. Der Unfallfahrer ist in psychologischer Behandlung.

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An dieser Stelle – etwa 100 Meter von der Unterkunft der jungen Urlauber entfernt – ereignete sich der folgenschwere Unfall.
© Zeitungsfoto.at

Luttach — Schrecklicher Unfall in der Nacht auf Sonntag: Ein Auto ist in Südtirol in eine Reisegruppe gefahren und hat sechs junge Urlauber getötet. Alle Opfer sind Deutsche, es handelt sich um drei Frauen und drei Männer. Über deren Alter gab es unterschiedliche Angaben, sie sollen zwischen 20 und 25 Jahre alt sein. Die Angehörigen der Opfer seien auf dem Weg nach Italien, sagte ein Polizeisprecher in Bozen am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Die Toten sind im Krankenhaus von Bruneck.

Elf Menschen sind bei dem tragischen Verkehrsunfall verletzt worden, vier davon schwerst. „Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld", sagte Helmut Abfalterer von der Feuerwehr der Tageszeitung Online: Unter den Verletzten sind auch zwei Südtiroler, die übrigen stammen ebenfalls aus Deutschland. Die Überlebenden des Unglücks würden noch am Sonntag abreisen, hieß es.

Was war passiert? Der Fahrer des PS-starken Sportwagens hatte mehr als 1,9 Promille Alkohol im Blut, als er gegen 1 Uhr nachts in Luttach im Ahrntal in die Gruppe raste. Die Urlauber sollen in dem Wintersportort auf dem Heimweg von einem Lokalbesuch gewesen sein. Ein Sprecher der Feuerwehr in Luttach sagte der dpa, die Menschen seien auf der Hauptstraße des Ortes unterwegs gewesen. Sie seien wohl gerade aus dem Bus gestiegen und wollten die Straße zu ihrer Unterkunft überqueren. Dies bestätigte auch der Busfahrer. Er habe den Autofahrer mit viel zu hohem Tempo kommen sehen, habe ihn noch zu warnen versucht und das Licht seines Wagens aufblenden lassen. „Da habe ich schon die Leute über die Straße fliegen sehen." Es sei wahnsinnig schnell gegangen.

Augenzeugin: „Das Schlimmste, was ich je gesehen habe"

Eine Ersthelferin schilderte gegenüber NTV verstörende Szenen. „Ich musste eine Vollbremsung machen, weil da jemand gelegen hat." Sie hätte fast selbst einen Unfall gebaut, weil es sehr glatt auf der Straße gewesen sei. Was sie dann erblickte, war nach ihren Angaben „das Schlimmste gewesen, was ich je gesehen habe". „Die haben überall gelegen, und die ganzen Leute haben versucht zu helfen. Da ist alles gewesen: Rettung, Feuerwehr, Bergrettung." Als sie aus dem Auto stieg, sah sie Menschen, Blut und Schuhe auf dem Boden liegen. Es sei zudem „sehr laut" gewesen. Die Überlebenden hätten geweint und geschrien

Die Polizei wollte am Morgen zunächst keine näheren Details zum Unfallhergang bekannt geben, da die Ermittlungen noch laufen. Es wird jedenfalls auch ermittelt, ob der Fahrer zu schnell unterwegs war. In Luttach gab es nach dpa-Informationen aus dem Ort seit längerem Klagen über Autos, die auf der Hauptstraße rasen und über mangelnde Kontrollen.

Lenker in psychologischer Behandlung

Beim Unfalllenker handelt es sich um einen 27-jährigen Einheimischen. Er stehe unter Schock und sei dementsprechend im Krankenhaus in psychologischer Behandlung von Spezialisten, sagte ein Polizeisprecher am Abend. Medien in Italien hatten berichtet, der Mann aus dem Südtiroler Ort Kiens sei in der Psychiatrie. Er habe gesagt, sich umbringen zu wollen, als er von der hohen Zahl der Toten erfahren habe. Er habe „Sachen gesagt", die in diese Richtung gehen könnten, sagte der Polizeisprecher. Weitere Details wollte er nicht bekannt geben.

Der Mann hatte sich direkt nach dem Unfall den Carabinieri gestellt. Der Fahrer hatte 1,97 Promille Alkohol im Blut, wie am Abend bestätigt wurde. Er soll auch noch auf Drogen getestet werden. Der Südtiroler, der mit einem Audi TT in die Menschenmenge gerast war, wurde für weitere Untersuchungen ins Krankenhaus Bozen gebracht, wo er auch Sonntagabend noch war. Laut stol.it wurde der Mann noch am Vormittag festgenommen. Ihm werde unter anderem „mehrfache Tötung im Straßenverkehr" vorgeworfen. Bei einer Verurteilung würden ihm zwischen acht und zwölf Jahren Haft drohen.

Ein Feuerwehrmann erzählt am Rande der Pressekonferenz, dass der Wagen eine sehr hohe Geschwindigkeit gehabt haben musste. Das Auto sei nämlich sehr stark beschädigt und die Trümmerteile waren laut dem Feuerwehrmann in einem großen Umkreis verteilt.

Todesopfer überwiegend aus NRW

Vier der sechs Todesopfer stammten aus dem deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. „Es war eine gemeinsame Gruppe, aber es waren auch andere dabei, und nicht alle haben sich gekannt", sagte Ministerpräsidenten Armin Laschet, der von einer „schrecklichen Tragödie" sprach. Demnach wohnten zwei der Opfer in Wuppertal, eines in Köln und eines in Dortmund. Bei dem Dortmunder handele es sich um einen 22 Jahre alten Mann. Laut einem Sprecher des Lagezentrums der Polizei in Hamburg war eines der Todesopfer zuletzt in der Hansestadt gemeldet, stamme aber aus Baden-Württemberg. Das sechste Opfer wohnte in Niedersachsen. Unter den elf Verletzten sind auch zwei Südtiroler, die übrigen stammen ebenfalls aus Deutschland.

160 Einsatzkräfte — von Feuerwehr, Rettung, Bergrettung und Unfallseelsorge sowie Carabinieri und Psychologen — waren am Unfallort im Einsatz. Insgesamt wurden elf Verletzte gezählt. Von den vier Schwerverletzten mussten nach Angaben der Feuerwehr drei vor Ort intubiert werden: Eine Frau kam ins Krankenhaus Bruneck, ein Mann ins Regionalkrankenhaus Bozen und eine schwerstverletzte Frau und ein schwerstverletzter Mann in die Universitätsklinik Innsbruck.

160 Einsatzkräfte versorgten die Opfer des schrecklichen Unfalls.
© FF Luttach

Entsetzen auch in Südtirol

Auch in der Touristenregion herrschte Entsetzen: „Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie", sagte der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher in der Pressekonferenz in Luttach. „Wir sind alle geschockt."

Der Bürgermeister von Luttach, Helmut Gebhard Klammer, sprach von einer "Katastrophe", wie sie das Tal noch nie erlebt habe. "Wir sind fassungslos", sagte er und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Gleichzeitig rief er zu einer "fairen Berichterstattung" auf, dass der Unfall keinen „großen Schatten für die Zukunft auf unsere Talschaft wirft".

Luttach ist ein Dorf der Gemeinde Ahrntal, das etwas mehr als 1000 Einwohner hat. Es liegt in der Nähe von Bruneck. Der Ort ist bekannt bei deutschen Jugendgruppen, die zum Skifahren kommen. (dpa, APA, TT.com)


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