Ex-Weltmeister Federspiel: „Mamas Tod hat alles verändert“

Nach einem schwierigen Jahr steckt sich Ex-Weltmeister Daniel Federspiel hohe Ziele.

Daniel Federspiel sprach heuer im Winter erstmals offen über den Tod seiner Mutter, nun blickt der 32-jährige Imster nach vorne.
© Teubenbacher

Von Roman Stelzl

Imst –Es ist fünf Uhr morgens. Eine weitere schlaflose Nacht liegt hinter Daniel Federspiel. Jetzt nichts wie rauf aufs Rennrad oder rein in die Tourenskischuhe. Raus in die Natur, auf die Straße. Einfach den Kopf freibekommen. Und abschalten.

Es ist das Szenario, das sich im Leben des 32-jährigen Imster Radrennfahrers seit dem Tod seiner Mutter im September 2019 immer und immer wiederholt. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig für mich wird“, erzählt Federspiel, sympathisch und offenherzig, wie die Fans den zweifachen Mountainbike-Eliminator-Weltmeister schätzen. „Ich kann nicht mehr richtig schlafen, kann einfach nicht abschalten. Meine Mama war meine beste Freundin, die wichtigste Bezugsperson, wir standen uns sehr nahe. Es ist vier Monate her und immer noch so hart zu verkraften.“

Es ist dies die emotionale Antwort auf die sportliche Frage: Was wurde aus Daniel Federspiel, dem Mountainbiker, der sich aufmachte, die Rennrad-Szene zu erobern? Ende 2018 entschied sich der Vorzeige-Sprinter zum Branchenwechsel – der österreichische Spitzenrennstall Team Vorarlberg Santic verpflichtete den beliebten Hausmeister. Im November desselben Jahres erkrankte dann aber die Mutter des österreichischen Radsportlers des Jahres 2016.

Für Federspiel brach eine Welt zusammen. Sein Vater hatte die Familie früh (Federspiel war vier) verlassen, war nie wieder aufgetaucht. Die Mutter wurde zur wichtigsten Bezugsperson. „Mamas Tod hat alles verändert“, sagt Federspiel, der lange nicht über die Pro­bleme sprechen wollte und sich mehr und mehr aus dem Fokus der Öffentlichkeit zurückzog. Und nach einer kurzen Pause holt Federspiel noch einmal tief Luft: „Mama hätte gewollt, das ich weitermache und meinen Traum verwirkliche. Und dass ich damit glücklich werde.“

Mit dieser Einstellung und der großen Unterstützung seines Rennstalls gibt Federspiel eben diesem Traum vom Rennradfahrer noch eine Chance. „Momentan läuft es wirklich gut. Ich habe für mich erkannt, dass ich das alles mache, weil ich will, und nicht, weil ich muss“, erklärt Federspiel und steckt sich mit einem der wichtigsten Rennen seines Teams im Jahr 2020 ein hohes Ziel: „Heuer will ich bei der Tour of the Alps mit dabei sein. Ich weiß, dass ich das schaffen kann.“

Im ersten Jahr bei den Vorarlbergern blieb international einzig ein 25. Rang beim Eintagesklassiker „Rund um Köln“. Am Montag gewann Federspiel das Drei-Königs-Cyclocross-Rennen, am Wochenende soll der österreichische Meistertitel folgen. Bis zur Tour of the Alps (20.–24.4.) ist es noch ein weiter Weg. Und den muss Federspiel nicht alleine gehen: „Meine Freundin, die Familie, die Bekannten – sie alle stehen hinter mir. Das gibt mir sehr viel Kraft.“


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