Gletscherehe Pitztal/Ötztal könnte kleiner ausfallen

Vor der Umweltverhandlung ab 22. Jänner gibt es vertrauliche Gespräche über eine Projektänderung.

Drei neue Seilbahnen sind für den Zusammenschluss geplant.
© Thomas Boehm / TT

Von Peter Nindler

Innsbruck –Es ist die Größe des 132-Millionen-Euro-Vorhabens am Pitztaler und Ötztaler Gletscher, die für viel Gegenwind sorgt. In einer aktuellen TT-Umfrage sprechen sich 70 Prozent der Befragten gegen den Zusammenschluss der beiden Gletscherskigebiete aus. Drei Seilbahnen, 64 Hektar Pistenflächen, ein Skitunnel und ein 104.000 Kubikmeter Wasser fassender Speicherteich sind geplant. Das Umweltverträglichkeitsgutachten spricht von wesentlichen Auswirkungen bei den Schutzgütern „Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume“, beim Landschaftsbild und Erholungswert sogar von untragbaren.

Die Dimension stimmt selbst die Befürworter in der ÖVP nachdenklich, der grüne Koalitionspartner fordert seit Monaten eine Verkleinerung. Am 22. Jänner beginnt die mündliche Umweltverhandlung (UVP), dabei werden die Gutachten erörtert. Zuletzt soll es bereits Gespräche zwischen den Projektbetreibern und der Landespolitik gegeben haben. Schlussendlich wird das öffentliche Interesse ausschlaggebend sein.

Die Gletscherbahnen hoffen auf einen positiven UVP-Bescheid, offenbar wären sie dafür auch zu Abstrichen bereit. Jakob Falkner von den Bergbahnen Sölden wollte gegenüber der TT mit dem Verweis auf die Vertraulichkeit der Gespräche nichts sagen. Möglicherweise könnten bei der Verhandlung Projektadaptierungen vorgelegt werden.

Für die Wirtschaftskammer bzw. die Tiroler Standortanwaltschaft sind die negativen Gesamtbewertungen im UVP-Gutachten bei den Schutzgütern Mensch und Landschaftsbild hingegen nicht schlüssig und kein Versagensgrund. Standortanwalt Stefan Garbislander sieht wegen der zu erwartenden Wertschöpfungseffekte ein überwiegendes öffentliches Interesse am Zusammenschluss der Gletscherskigebiete Pitztal und Ötztal. Die Bruttowertschöpfung Tirols erhöhe sich jährlich um 38,6 Mio. Euro, davon würden vor allem das Ötztal und das Pitztal profitieren.

Die Grünen bezeichnen die Ergebnisse der TT-Umfrage allerdings als weiteren unüberhörbaren Weckruf, den die Tourismusverantwortlichen nicht länger ignorieren könnten. „Es braucht ein Umdenken im Tourismus“, betont LA Georg Kaltschmid. Nur wenn dieser Wandel gelingt, ist der Tourismus in Tirol zukunftsfähig und es werde gelingen, die Tiroler Bevölkerung wieder positiv zu begeistern.

Die Liste Fritz wiederum warnt davor, die Gletscherehe gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen. „Diese Mega-Neuerschließung am Gletscher ist schon jetzt das Symbol der Naturzerstörung in Tirol in Zeiten der Klimakatastrophe.“ Natürlich gehöre der Tourismus zu Tirol, aber es benötige das richtige Maß.

Die Naturschutzorganisation WWF fordert die Landesregierung erneut auf, die Notbremse zu ziehen. „Tirol muss seine letzten ursprünglichen Alpenlandschaften schützen anstatt sie für kurzfristigen Profit und Massentourismus zu opfern“, sagt Josef Schrank.


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