Horrorunfall mit sieben Toten in Luttach: Debatte um Alkolocks für Pkw

Die Tragödie in Südtirol, bei der sieben Deutsche starben, führt auch hierzulande zu Debatten über den Umgang mit Alkohol im Straßenverkehr. Ein Opfer kämpft in Bozen weiter ums Überleben.

Ein 27-Jähriger war in der Nacht auf Sonntag, betrunken und mit überhöhter Geschwindigkeit, in Luttach in eine Menschengruppe gerast.
© Carabinieri Bozen

Von Benedikt Mair und Nikolaus Paumgartten

Luttach, Innsbruck — Nach wie vor kritisch ist der Zustand eines Patienten, der nach einem schweren Unfall in Luttach mit sieben Toten im Krankenhaus von Bozen behandelt wird. Er schwebe noch in Lebensgefahr, teilten die Südtiroler Sanitätsbetriebe gestern mit. Fünf weitere Opfer werden noch stationär behandelt, eines davon in der Innsbrucker Klinik. Ihr Zustand sei aber stabil, hieß es.

Das war passiert: In der Nacht auf Sonntag raste ein 27-Jähriger aus dem Pustertal in eine Gruppe von Touristen, die gerade aus einem Bus ausgestiegen war. Sechs junge Deutsche, drei Männer und drei Frauen, waren sofort tot. Eine weitere Frau, auch sie stammt aus Deutschland, starb am späten Montagnachmittag in der Innsbrucker Klinik. Der Unfalllenker hatte fast zwei Promille Alkohol im Blut und war, davon geht zumindest die Staatsanwaltschaft Bozen aus, mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs. Dem Einheimischen droht eine lange Haftstrafe. (Mehr dazu lesen Sie hier: Gesetzeslage: Bis zu 18 Jahre Haft für Mord am Steuer)

Alkolocks: Regelung ab 2020

Angesichts des Horrorunfalls beschäftigt nicht nur die Frage nach dem Warum die Menschen, es werden auch Rufe nach präventiven Maßnahmen laut, die so ein Unglück verhindern können. Eine Möglichkeit, die dabei immer wieder ins Spiel gebracht wird, sind so genannte Alkolocks. Dabei handelt es sich um ein an das Auto angeschlossenes Gerät, das die Atemluft des Lenkers misst und eine Inbetriebnahme des Fahrzeuges nur unter 0,1 Promille zulässt. Im Rahmen eines umfangreichen Verkehrssicherheitspaketes hat die EU vergangenen Herbst beschlossen, dass ab 2022 Lkw, Busse und Lieferwagen sowie sportliche Geländewagen unter anderem mit einer Vorrichtung zum Einbau einer derartigen alkoholempfindlichen Wegfahrsperre ausgestattet sein müssen.

In Österreich befinden sich Alkolocks für Pkw seit 2017 im Probebetrieb. Es handelt sich dabei um einen freiwilligen Ersatz für den Führerscheinentzug nach einer Alko-Fahrt. Vom Samariterbund umgesetzt, gab es bisher 294 Probanden — davon 26 Männer und eine Frau in Tirol. Für Teilnehmer ist der Einbau des Alkolock-Geräts in ihr Auto frühestens nach der Hälfte der Führerscheinentzugsdauer und mindestens zwei Monaten möglich. Laut Samariterbund funktioniere das Programm gut und werde von den Teilnehmenden sehr gut aufgenommen. Vor allem sei die psychologische Wirkung langfristig vorteilhaft, da die teilnehmenden Personen über einen längeren Zeitraum keinen Alkohol konsumieren können. Somit unterstütze das Programm Alkolock eine gewisse Verhaltensänderung. Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt, danach findet eine Evaluierung statt. Eine Verlängerung um weitere fünf Jahre ist anschließend möglich.

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VIDEO: „Jeder geht mit der psychischen Belastung anders um"

Werner Calliari war in der Nacht des folgenschweren Unfalls in Luttach als Bereitschaftsdienstarzt in der Landesnotrufzentrale im Einsatz. Im Interview mit stol.it erzählt Calliari über organisatorische Details des Großeinsatzes und darüber, wie den Einsatzkräften nun bei der Bewältigung der großen psychischen Belastung geholfen wird.


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