Buschfeuer: 1,25 Milliarden tote Tiere, weitere sollen abgeschossen werden

Ein großer Teil Australiens brennt. Und noch ist lange kein Ende in Sicht. Jüngsten Schätzungen zufolge wurden bei den verheerenden Buschfeuern mehr als eine Milliarde Tiere getötet. Und die Behörden rufen angesichts der Katastrophenlage zum Töten weiterer Tiere auf.

Am Freitag könnte sich die Lage in Australien noch einmal zuspitzen. Demnach werden in den Brandgebieten teilweise Temperaturen um die 40 Grad erwartet.
© NRMA insurance

Canberra – In den verheerenden Bränden in Australien sind nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF bereits mehr als eine Milliarde Tiere umgekommen: Etwa 1,25 Milliarden Tiere seien nach Schätzungen des WWF Australien direkt oder indirekt durch die Feuer getötet worden, teilte die Umweltorganisation am Mittwoch in Berlin mit. Bisher war in verschiedenen Berichten die Rede von 480 Millionen verbrannten Tieren gewesen.

Diese Zahl hätte sich jedoch allein auf den Bundesstaat New South Wales bezogen, sagte der australische Ökologie-Professor Christopher Dickman der Huffington Post. Demnach sei diese Zahl inzwischen überholt – es seien dort mittlerweile mehr als 800 Millionen Tiere in den Flammen umgekommen. „Die erste Schätzung war sehr konservativ und basierte nur auf den getöteten Säugetieren, Vögeln und Reptilien.“ Einige Gruppen von Wildtieren, für die es keine genauen Populationszahlen gebe sowie Frösche, Fledermäuse, Insekten und andere wirbellose Tiere seien nicht mitgezählt worden. „Damit sind es mehr als eine Milliarde Tiere“, führte Dickman fort.

Tatsächliche Zahlen liegen nicht vor

Es bleibt festzuhalten, dass alle diese Zahlen Schätzungen sind – die teilweise auf Jahre alten Annahmen beruhen. Demnach basiert die jüngste Schätzung auf einem WWF-Bericht von 2007 mit Zahlen zur Dichte der in der Wildnis lebenden Säugetiere (ausgenommen Fledermäuse), Reptilien und Vögel im Staat New South Wales. Die Zahl sei dann mithilfe einer Methodik berechnet worden, die die Auswirkungen der Rodung von Landflächen auf die australische Tierwelt schätzt.

Zählungen, wie viele Tiere tatsächlich in den aktuellen Feuern umgekommen sind, liegen nicht vor. Es gibt auch kein Monitoring der Populationen von Koalas, Kängurus und anderen Tierarten.

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Ihre Zahlen ermitteln die Forscher, indem sie die Populationsdichte bestimmter Tierarten zugrunde legen und davon ausgehend ausrechnen, wie viele Tiere auf der nun bereits verbrannten Fläche gelebt haben müssen. Sie gingen von durchschnittlich 17,5 Säugetieren, 20,7 Vögeln und 1289,5 Reptilien pro Hektar aus.

Diese Werte multiplizierten sie mit der nach derzeitigem Kenntnisstand verbrannten Fläche. So kamen die 480 Millionen Tiere zustande. Die Milliarde schließt nun auch bisher nicht berücksichtigte Tierarten ein, über deren Populationsdichte aber keine genauen Schätzungen vorliegen.

Behörden greifen zu drastischen Mitteln

Angesichts der verheerenden Lage greift die australische Regierung zu drastischen Mitteln. Wie stern.de berichtet, rät die Regierung des Bundesstaates Victoria den Einsatzkräften, bestimmte Tiere zu töten, sobald diese aufgefunden werden.

Primär gelte dies für Tiere, die sich nicht selbst versorgen könnten – wie etwa junge Koalas und Kängurus. In dem Papier, das die Regierung 2018 für den Umgang mit Wildtieren im Fall von Buschfeuern veröffentlicht hatte, stehe weiters, dass diese Tiere eine „lange Pflege“ benötigen und „nicht erfolgreich in die Wildnis“ integriert werden können.

Und auch welt.de berichtet von schweren Geschützen: Demnach sollen aufgrund von akutem Wassermangel 10.000 Kamele getötet werden. Die Tiere würden eine zu große Konkurrenz um das dringend benötigte Wasser darstellen und so entlegene Ortschaften der Ureinwohner gefährden. Riesige Herden seien auf der Suche nach Wasser und Nahrung bis in die Gemeinden vorgedrungen, verschmutzten das Trinkwasser und plünderten die knappen Lebensmittelvorräte.

Wie es heißt, soll die Aktion fünf Tage lang andauern. Professionelle Scharfschützen sollen aus Hubschraubern auf die Tiere feuern. Die Kamele befinden sich im Bundesstaat South Australia, heißt es. Demnach leben in Australien mehr als eine Million Kamele – ursprünglich wurden sie im 19. Jahrhundert aus Indien eingeführt.

Fläche größer als Portugal zerstört, Hundert Mio. Euro Schaden

Die zahlreichen Buschfeuer an der Ost- und Westküste des Kontinents haben seit Oktober mehr als 10,7 Millionen Hektar Land zerstört. Das entspricht etwa der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen; also eine Fläche größer als Portugal.

Die Schäden summierten sich auf mehrere hundert Millionen Euro. Bisher seien im Zusammenhang mit den Feuern Schadensmeldungen in Höhe von 700 Millionen australischen Dollar (435 Millionen Euro) eingegangen, teilte der Rat der Versicherungen von Australien am Dienstag mit.

Es sei davon auszugehen, dass die Schadenssumme noch deutlich steige, hieß es weiter. Die australische Regierung hatte Anfang der Woche ein Hilfspaket für die Brandregionen im Umfang von zwei Millionen australischen Dollar angekündigt. Prominente rufen weltweit zum Helfen auf uns spendeten bereits Millionen. (dpa, TT.com)


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