Rückzug von Harry und Meghan: „Bürgerkrieg“ im Palast entfacht?

Das Königshaus reagiert auf den “Megxit“ verhalten, in den Medien hagelt es Kritik. Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan verkündeten am Mittwoch, sich der Familie widmen und von ihren royalen Pflichten zurückziehen zu wollen.

Harry und Meghan wollen das Königshaus hinter sich lassen.
© Reuters

London — Mit ihrem Rückzug von ihren royalen Pflichten haben Prinz Harry und seine Frau Meghan in britischen Medien viel Kritik und Unverständnis geerntet. "Megxit" — eine Wortschöpfung aus Meghan und dem englischen Wort "exit" für Ausstieg — titelte die Boulevardzeitung Sun am Donnerstag und warf dem Herzog und der Herzogin von Sussex vor, einen "Bürgerkrieg" im britischen Palast entfacht zu haben.

"Sie haben es nicht einmal der Queen gesagt", empörte sich der Daily Mirror und nannte die überraschende Ankündigung von Harry und Meghan "egoistisch". Medienberichten zufolge hatte das Paar weder Harrys Großmutter Königin Elizabeth II. noch seinen Vater Kronprinz Charles im Voraus über seine Absicht informiert. Bei der BBC hieß es, die Entscheidung habe beim Königshaus nicht nur Enttäuschung, sondern "Schmerz" verursacht.

In den Fußstapfen von Edward VIII, der abdankte

Der Schritt von Harry und Meghan werde vielfach als in modernen Zeiten noch nicht da gewesen gesehen, urteilte die britische Zeitung The Guardian am Tag danach. Mitunter wurden in der Presse aber auch Vergleiche mit der Abdankung des Onkels der heutigen Königin, Edward VIII., gezogen.

Edward VIII. wurde im Jahr 1936 - wenige Monate nach seiner Thronbesteigung - noch zum Abdanken gezwungen, damit er die geschiedene US-Bürgerin Wallis Simpson heiraten konnte. Das Ereignis erschütterte die Nation vor dem Zweiten Weltkrieg nachhaltig.

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Als Harry und die ehemalige Schauspielerin Meghan Markle, ebenfalls eine geschiedene Bürgerliche aus den USA, am 19. Mai 2018 vor den Traualtar traten, wurde die "Traumhochzeit" hingegen auch als Zeichen eines Wandels in der britischen Gesellschaft gewertet. Wallis Simpson galt als Bedrohung für die Krone und die Nation. Markle wurde zumindest zu Beginn mit großteils offenen Armen empfangen. Nach fortdauerndem Hickhack, mit teils sehr übergriffiger, auch sexistischer und rassistischer Berichterstattung auf der einen Seite, sowie der Weigerung des Paares, sich den diesbezüglichen royalen Gepflogenheiten zu unterwerfen auf der anderen, kippte die veröffentlichte Meinung den Sussexes gegenüber mit der Zeit aber immer öfter ins Negative.

Wallis Simpson galt in politischer, religiöser, sozialer und moralischer Hinsicht als inakzeptabel. Edward dankte ab und das Paar heiratete 1937 in einem französischen Schloss. Ein Besuch bei Adolf Hitler in Deutschland im gleichen Jahr sorgte für Spekulationen, sie würden mit den Nazis sympathisieren. Bei Paris lebten sie im Exil mit wohlhabenden Freunden, Reisen nach Großbritannien waren selten.

Dass Edward sein persönliches Glück über sein Land stellte, galt als Pflichtverletzung. Sein Nachfolger und Bruder, König George VI., stellte den Dienst am Volk über alles, wie auch seine Tochter, die regierende Königin Elizabeth II. In seiner Tragweite vergleichbar ist der Schritt von Prinz Harry allerdings nicht. Er steht nach seinem Vater Charles und seinem älteren Bruder Prinz William sowie dessen Kindern Prinz George, Prinzessin Charlotte und Prinz Louis erst an sechster Stelle der britischen Thronfolge.

Rückzug aus der ersten Reihe, finanzielle Unabhängigkeit

In einer vom Buckingham-Palast verbreiteten Erklärung hatten Harry und Meghan am Mittwochabend mitgeteilt, dass sie sich aus der ersten Reihe der Royals zurückziehen. "Wir wollen als 'ranghohe' Mitglieder der Königsfamilie zurücktreten und arbeiten, um finanziell unabhängig zu werden", erklärten Harry, Nummer sechs in der britischen Thronfolge, und seine aus den USA stammende Frau, die schon vor ihrer Beziehung mit Harry als Schauspielerin bekannt war. Die beiden, die im Mai 2019 Eltern eines Sohnes geworden waren, kündigten an, ihre Zeit künftig abwechselnd in Großbritannien und Nordamerika verbringen zu wollen.

Der frühere BBC-Royals-Korrespondent Peter Hunt sagte dem Fernsehsender Channel 4, Versuche der Royals, mit einer Karriere abseits der Verpflichtungen im Königshaus ihr eigenes Geld zu verdienen, hätten "immer mit Tränen geendet". Derzeit werden die Ausgaben von Harry und Meghan weitgehend aus dem privaten Einkommen von Prinz Charles gedeckt. Die Kosten für die Sicherheit des prominenten Paares trägt aber der Staat.

Auch Umgang mit Medien soll geändert werden

Harry und Meghan wollen auch ihren Umgang mit den Medien auf eine neue Grundlage stellen. Der 35-Jährige und seine drei Jahre ältere Frau kündigten auf einer neuen Website an, dass sie sich nicht mehr an dem sogenannten Royal-Rota-System beteiligten.

Dabei handelt es sich um ein Arrangement, wonach Medien abwechselnd Veranstaltungen mit den Royals abdecken und Texte, Fotos und Videos mit den anderen an dem Pool beteiligten Medien teilen. Meghan und Harry wollen nach eigenen Angaben nun aber nur noch "Spezialisten", Vertreter von Graswurzel-Medien sowie "glaubwürdiger" und "junger, aufstrebender" Medien zu ihren Veranstaltungen einladen.

Der frühere Pressesprecher der Queen, Dickie Arbiter, sagte dem Fernsehsender Sky News, das Vorgehen des Paares sei "eine Abfolge, Dinge auf ihre eigene Weise zu tun - was der falsche Weg ist". Der ITV-Journalist Tom Bradby, der Harry und seinen älteren Bruder William in den vergangenen Jahren immer wieder interviewt hat, sagte, Harrys Ankündigung sei "ein langer, trauriger Abschied von seinem royalen Leben". "Das ist ein neuer Krieg der Windsors - und er ist noch nicht vorbei", fügte Bradby hinzu.

Schritt "nicht durchdacht"

Auf Instagram hagelte es ebenfalls viele böse Kommentare, die meist gegen die frühere US-Schauspielerin Meghan gerichtet waren. Die Royal-Expertin und Buchautorin Penny Junor nannte das Vorhaben des Paares „außergewöhnlich und nicht durchdacht". Der Buckingham-Palast reagierte nur kurz und knapp und sprach von einer Entscheidung „in einem frühen Stadium".

Harry und Meghan wollen in Zukunft finanziell unabhängig sein. Die beiden planen außerdem, künftig sowohl in Großbritannien als auch in Nordamerika zu leben, heißt es in ihrer Mitteilung. „Nach vielen Monaten des Nachdenkens und der Diskussionen haben wir uns entschieden, in dieser Institution eine neue fortschrittliche Rolle für uns zu finden", schrieben Harry und Meghan. Sie würden daher als Senior-Mitglieder der Royals zurücktreten - gemeint ist damit der innere Zirkel der königlichen Familie mit vielen Verpflichtungen.

Kritik an royalem Paar

Harry und Meghan waren schon in den vergangenen Monaten immer stärker in die Kritik geraten. So war ihnen zum Beispiel vorgeworfen worden, dass sie zu sehr auf ihr Privatleben pochen. Erst kürzlich hatten sie sich eine sechswöchige Auszeit von ihren Verpflichtungen genommen und waren mit Baby Archie nach Kanada gereist.

In einem Interview während einer Afrika-Reise hatte Harry eingeräumt, dass er sich mit seinem Bruder William (37) auseinandergelebt habe. „Wir sind derzeit sicherlich auf unterschiedlichen Pfaden." Bereits im Frühjahr waren Harry und Meghan aus dem Kensington-Palast in London, auf dessen Grundstück sie mit William und Kate gelebt hatten, ausgezogen. Sie wohnen seither in der Nähe der Queen in Windsor.

Künftig wird Harry mit seiner Meghan auch viel Zeit in Nordamerika verbringen. Es gab bereits viele Gerüchte, dass das Paar Großbritannien verlassen könnte. Allerdings tippten viele Royal-Experten auf den falschen Kontinent: Afrika. Sowohl Harry als auch Meghan hegen eine große Liebe für die Länder südlich der Sahara. Unter dem Sternenhimmel dort sollen sie sich näher gekommen sein. (APA, AFP, TT.com)

Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan auf einer Archivaufnahme.
© imago stock&people

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