Angebote im Internet: Tiroler Kammerjäger fürchten um ihren Ruf

Tirols Berufszweigsprecher warnt vor unseriösen Angeboten von Firmen im Netz.

Bei Aufträgen an Schädlingsbekämpfer kann ein kritischer Blick Geld und Ärger sparen.
© Getty Images

Von Nikolaus Paumgartten

Going –Im Internet war Frau Schwarz Ende Oktober auf die Telefonnummer der Schädlingsbekämpfungsfirma gestoßen. Doch die „Experten“, die dann anrückten und nach knapp zehn Minuten Arbeit in ihrem Haus in Going eine 800-Euro-Rechnung legten, erledigten den Job nicht so, wie von Frau Schwarz erwartet. Nachdem die Arbeiter nämlich die vom Fliegenbefall betroffenen Räume behandelt hatten, durfte Frau Schwarz die Räume mehrere Stunden nicht betreten. Als sie sich schließlich vom Erfolg der Arbeit überzeugen wollte, musste sie feststellen, dass die Fliegen immer noch da, dafür die Schädlingsbekämpfer und mit ihnen ihr Geld weg waren, die Tiroler Tageszeitung berichtete.

Fälle wie diese haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten gehäuft, weiß Helmut Amstätter zu berichten. Der Berufszweigsprecher der Tiroler Schädlingsbekämpfer sieht durch derartige Praktiken einen ganzen Berufsstand in Misskredit gebracht. „Es ist im Grunde genau die gleiche Masche wie mit den betrügerischen Schlüsseldiensten“, erklärt Amstätter. Kunden stoßen auf den Internet-Suchmaschinen auf weit vorne gelistete Anzeigen mit Telefonnummern, die sie dann in ihrer Panik anrufen. „Die Leute tun das, weil sie die Krise bekommen und das Ungeziefer möglichst schnell wieder loshaben wollen“, so der Berufszweigsprecher. Ist der Kammerjäger dann einmal im Haus und die „Arbeit“ getan, präsentiert er den Kunden eine horrende Rechnung. „Eine seriöse Firma geht hier ganz anders vor“, betont Amstätter. Ohne Kostenvoranschlag gehe da schon einmal gar nichts. „Dann kann der Kunde immer noch entscheiden, ob er die Arbeit durchführen lassen will oder nicht.“ Der Preis des Kostenvoranschlages müsse dann auch seitens des Unternehmers eingehalten werden. „Es gehört aber auch dazu, dass der Schädlingsbekämpfer den Kunden darüber informiert, welche Mittel er einsetzt, welche Inhaltsstoffe sie enthalten und wie sie wirken“, betont der Berufszweigsprecher, der mit seinem Familienbetrieb in Rum das Gütesiegel „Qualitätshandwerk Tirol“ führen darf. Wer im Internet auf 0800er-Nummern stößt, sollte laut Amstätter jedenfalls vorsichtig sein und im Zweifel bei der Wirtschaftskammer nachfragen, um was für eine Art von Betrieb es sich dabei tatsächlich handelt.

Für Frau Schwarz dürfte die Sache letztlich doch noch gut ausgehen. Als im Dezember ihr Fall durch die Polizei bekannt gemacht wurde, meldete sich bei ihr Rene Schopper. Er betreibt in Kirchbichl ein Kammerjägerunternehmen und bot der Geschädigten im Sinne einer guten Tat im Advent kostenlos seine Hilfe an. Tatsächlich wurden noch vor Weihnachten die befallenen Räume in einem ersten Arbeitsschritt behandelt, im Frühling soll dann bei einem ebenfalls kostenlosen zweiten Termin das Problem mit dem Fliegenbefall endgültig gelöst werden.


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