Anzeigen wegen illegaler Freizeitwohnsitze: Detektivarbeit für Ortschefs

Die Ortschefs am Wilden Kaiser müssen sich nach der Anzeigenschwemme wegen illegaler Freizeitwohnsitze als Raumordnungsdetektive betätigen. Es ist eine Suche nach Spuren im Schnee und brennenden Lichtern im Haus.

In Ellmau klingeln Gemeindemitarbeiter an der Türe, um zu überprüfen, ob dahinter jemand wohnt. (Symbolbild)
© iStockphoto

Von Wolfgang Otter

Ellmau –Momentan fühle er sich wie „Nick Knatterton“, der berühmte Meisterdetektiv, meint scherzhaft Klaus Manzl, Bürgermeister von Ellmau. Sein Spaß hat aber einen ernsten Hintergrund. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich die Anzeigen, die so manches Wohnobjekt im äußerst begehrten Tourismus­ort am Fuße des Wilden Kaisers betreffen. Nach Ansicht der Anzeiger werden nämlich diese Wohnungen und Häuser nicht der Raumordnung entsprechend als Hauptwohnsitz genützt, sondern als illegaler Freizeitwohnsitz.

80 Adressen wurden ihm im Herbst des vergangenen Jahres bekannt gegeben (die TT berichtete), so manche Vermutung hat sich aber bereits als falsch herausgestellt. „Da wurden Leute verdächtigt, nur weil sie einen entsprechenden Namen haben. Wie sich herausstellte, waren es Menschen, die hier leben und arbeiten“, erzählt Manzl. Außerdem sind so manche der gemeldeten Objekte ganz legale Freizeitwohnsitze.

Immerhin hat Ellmau an die 470 davon. Da darf sich der Bürgermeister nun zumindest über die neue Abgabe für derartige Objekte freuen, die seine Gemeindekasse klingeln lässt.

Auslöser der Aktion war der Goinger Niki Freysinger. Er und seine Ehefrau haben Unterschriften gegen die unrechte Verwendung von Wohnobjekten gesammelt und dann gemeinsam mit der Liste Fritz einen Infoabend veranstaltet, bei dem dieses Thema im Mittelpunkt stand. Liste-Fritz-Landtagsabgeordneter Markus Sint hatte auch öffentlich dazu aufgefordert, illegale Freizeitwohnsitze zu melden. Anschließend wurden viele verdächtige Objekte gemeldet. Nicht nur in Ellmau, sondern im ganzen Söllandl und dem Bezirk Kitzbühel gab es Anzeigen.

Überprüfen müssen diese Meldungen nun die Gemeinden. So hat der Ellmauer zwei Mitarbeiter damit beauftragt, Nachschau zu halten. Da wurde überprüft, ob es Spuren im Schnee zum Anwesen gab oder Licht brannte. Oder man habe an der Haustüre geklingelt, um festzustellen, ob jemand bzw. wer dort wohnt. Die Erhebung sei eine langwierige Sache, wie Bürgermeister Manzl erklärt.

In Söll gab es lediglich acht Anzeigen im Gemeindeamt, sechs davon sind bereits erledigt. „Die Wohnsitze wurden legal genutzt“, erzählt Bürgermeister Alois Horngacher. Söll weist an die 190 genehmigte Freizeitwohnsitze auf, „damit dürften 90 Prozent im Ort gemeldet sein“, sagt der Söller Bürgermeister.

Die Anzeigenwelle im Söllandl hat Scheffau nicht getroffen. Was nicht heißt, dass es dort nicht Erhebungen gibt. 30 Adressen überprüft die Gemeinde, in der es 150 registrierte Freizeitwohnsitze gibt. Zudem hatte man 24 Vermieter von Wohnungen bzw. Häusern erhoben, „die dazu keine Erlaubnis hatten“, wie Bürgermeister Christian Tschugg berichtet.

Eine Gemeinde, in der es 300 gemeldete Freizeitwohnsitze gibt, ist Walchsee. Anzeigen, gibt es hier keine, wie der dortige Bürgermeister Dieter Wittlinger erzählt. Und er hoffe, „dass wir von diesem Denunziantentum weiter verschont bleiben. So etwas bringt nur Unfrieden ins Dorf“, so der Bürgermeister.

Bei der Bezirkshauptmannschaft Kufstein sind im Vorjahr zehn Anzeigen wegen nicht widmungsgemäßer Verwendung von Wohnsitzen bearbeitet worden. Für heuer glaubt man dort aber, dass diese Zahl sprunghaft steigen wird, so BH Christoph Platzgummer.


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