Plus 10 Prozent bei Frühbuchungen in Tirol

Die Tiroler Reisebüros gehen optimistisch ins Reisejahr 2020, einer Flugsteuer stehen sie positiv gegenüber. Von „Flugscham“ bemerkt die Branche nichts, freiwillig zahlen Urlauber nicht für Klimasünden.

Als Ziel für Kurztrips ist „Julias Garten“ in Verona bei den Tirolerinnen und Tirolern sehr beliebt. (Symbolfoto)
© Getty Images

Von Verena Langegger

Innsbruck –Ins Urlaubsjahr 2020 sind die Tiroler Reisebüros gut gestartet, erwartet wird ein Umsatzplus von 10 Prozent bei Vorausbuchungen. Die Frühbucherboni kommen an, erklärt Andreas Kröll, stellvertretender Obmann der Tiroler Reisebüros in der Wirtschaftskammer. Eines sei klar, „wer früh bucht, der findet sein Traumangebot“. Auch die Nachfrage nach Flugreisen sei – trotz Klima­krise – ungebrochen, „so was wie Flugscham bemerken wir in den Reisebüros nicht“.

„Die Gäste wollen zwar nachhaltig sein und fragen – vor allem im mittlerweile verpönten Kreuzfahrtsegment – nach, aber wenn es um freiwillige Kompensationszahlungen geht, dann steigen die Urlauber aus.“ So nehmen nur 1,5 Prozent der Fluggäste das Angebot der Lufthansa an, gegen einen Aufpreis den CO2-Abdruck des Fluges mit der Pflanzung eines Baumes zu kompensieren. Eine Flugsteuer, wie sie im neuen türkis-grünen Regierungsprogramm vorgesehen ist, findet Kröll positiv. Dadurch werde die Kurzstrecke teurer, die Langstrecke jedoch billiger. Zudem gebe es ohnehin zu viele sinnlose Flugstrecken nur wegen diverser Regionalförderungen. Und mit vielen 50-, 60-Euro-Preisen bei Kurzstreckentickets werde nur „gegen die Bahn“ geflogen.

2019 brachte für die Tiroler Reisebüros einen Umsatz von rund 400 Mio. Euro. Zudem zeigt die Insolvenz des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook auch Folgen in Tirol. Jedoch: „Alle sind ohne finanziellen Schaden geblieben“, erklärt Kröll. „Die Reisebüros haben dafür gesorgt, dass alle 1000 Tiroler Reisenden am geplanten Tag heimfahren konnten“, ihren Urlaub also genießen konnten.

„Die Gäste wollen zwar nachhaltig sein, aber bei freiwilligen Kompensationszahlungen steigen sie aus.“ Andreas Kröll (Tiroler Reisebüros)
© Dähling

Die Tiroler Reisebüros hätten auf eigenes Risiko gehandelt, betont Kröll. So seien etwa Reisende von Hoteliers am Urlaubsort erpresst worden, die Hotelrechnung noch einmal zu zahlen. „Wir haben gesagt, zahlt, nehmt den Beleg mit und wir ersetzen euch diese Kosten“, berichtet Kröll.

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Auch die im Winter gebuchten Reisen bereits hätten stattgefunden. Auf eigene Kosten hätten die Reisebüros die bei Thomas Cook gebuchten Urlaube bei anderen Veranstaltern gebucht und damit stattfinden lassen. Abgesichert seien aber nur Pauschalreisen, die im Reisebüro gebucht werden, erklärt Kröll. In Deutschland war das Geld der Versicherung gedeckelt, 60 Mio. Euro seien durch das Zurückholen von Urlaubern aufgebraucht gewesen, es fehlten 200 Mio. Euro. Die Reisen der Thomas-Cook-Kunden wurden also vom Steuerzahler bezahlt, erklärt Kröll.

Und er erinnert daran, dass eine einfache Flugbuchung im Falle einer Insolvenz der Airline nicht abgesichert sei. Deshalb sei, laut einer Studie, das Reisebüro auch immer noch beliebt. 60 Prozent der Befragten einer Studie schätzen neben der Sicherheit auch die Qualität einer Reiseberatung. Kritik gebe es bei Selbstbuchungen im Internet meist wegen Systemabstürzen. Nicht selten würden bis zu 20 Stunden damit verbracht, eine Reise selbst zu planen und zu buchen, um dann knapp vor Abschluss nicht mehr weiterzukommen, heißt es.

„Der Bade- und Erholungsurlaub wird immer noch am liebsten in Italien und Kroatien gemacht.“ Helmut Gschwentner (Tiroler Reisebüros)
© WKT

Beliebt sind bei den Tirolern heuer wieder die klassischen Sommerurlaubsländer. „Denn der Bade- und Erholungsurlaub wird am liebsten in Italien und Kroatien gemacht“, sagt Helmut Gschwentner, Obmann der Tiroler Reisebüros in der Wirtschaftskammer. Wer im Sommer wegfliegen will, reist gerne nach Spanien, Griechenland oder in die Türkei. Auch Kurzreisen seien weiter beliebt, gerne werden Themenparks in Deutschland besucht oder ein Wellness-Wochenende gebucht. „Südtirol, der Gardasee und Verona bleiben für die Tiroler auch 2020 wichtig“, sagt Gschwentner.


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