Abwasserverband Hohe Tauern wartet auf Geld

Im Abwasserverband Hohe Tauern kriselt es: Die Gemeinde Matrei entnimmt Rücklagen und verlängert die Laufzeit ihrer ausgelagerten Kredite. Der Obmann vertraut auf die schriftliche Rückzahlungsvereinbarung.

Das Klärwerk des Abwasserverbandes Hohe Tauern Süd. Teile der Anlage sind in die Jahre gekommen.
© Oblasser

Von Catharina Oblasser

Matrei i. O. – Im Abwasserverband Hohe Tauern Süd haben sich die Gemeinden Prägraten, Virgen, Matrei in Osttirol, Kals, Hopfgarten und St. Veit im Defereggen zusammengeschlossen. Obmann ist der Prägrater Bürgermeister Anton Steiner. Die Abwässer der Verbandsgemeinden werden über das Kanalnetz in das regionale Klärwerk in Huben-Kienburg (Gemeinde Matrei) geleitet und dort geklärt.

Unstimmigkeiten im Verband gibt es nicht erst seit Kurzem: Schon Mitte 2018 wurde über die Höhe der Verbandsumlage diskutiert, der Fall landete sogar vor dem Landesverwaltungsgericht. Diesmal geht es um entnommene Rücklagen und Laufzeitverlängerungen bei Krediten. Auch diesmal wieder im Fokus: die Gemeinde Matrei.

Dazu muss man wissen, dass für die Mitgliedsgemeinden des Abwasserverbandes laut Statuten eine Solidarhaftung gilt. Kann eine Gemeinde ihre Kredite nicht mehr bedienen, müssen theoretisch die anderen einspringen. Genau deshalb hat die Gemeinde Kals in der Verbandssitzung im Herbst 2019 zu einigen Punkten ihre Zustimmung verweigert. Über Details informierte sie in der Kalser Gemeindezeitung.

So habe die Gemeinde Matrei beantragt, die Laufzeit für die Ortskanal-Darlehen zu verlängern, was Mehrkosten von bis zu zwei Millionen Euro bedeute, ist dort zu lesen. Die Kalser Bürgermeisterin Erika Rogl enthielt sich der Stimme, doch die Mehrheit in der Verbandsversammlung genehmigte diesen Schritt. Außerdem stellte Matrei den Antrag, den gemeindeeigenen Anteil aus dem Topf der Verbandsrücklage herauszunehmen – verbunden mit der Zusage, die Gelder später auch wieder einzuzahlen. Auch das wurde der Marktgemeinde genehmigt, wenn auch mit zwei Gegenstimmen, eine davon aus Kals.

„Die Rücklage ist dafür da, Reparaturen an den Anlagen rasch durchführen zu können, wenn es nötig wird“, begründet Bürgermeisterin Erika Rogl­ ihr „Nein“ zum Aderlass am Rücklagentopf. Sie sorgt sich, dass durch die Entnahme des Matreier Anteils, der einen großen Brocken ausmacht, für den Notfall zu wenig Geld da sein könnte. Und dies umso mehr, als der Rückfluss vom Matreier Rathaus in die Kasse des Abwasserverbandes nicht immer so funktioniert hat, wie er sollte, heißt es sinngemäß in der Kalser Gemeindezeitung.

Dass bald Investitionen nötig sein könnten, ist nicht abwegig. Immerhin gibt es den Abwasserverband Hohe Tauern Süd seit 1992, die Anlagen sind teilweise schon in die Jahre gekommen. Auch Obmann Anton Steiner bestreitet das nicht. Steiners grundsätzliche Haltung in der Causa lautet: „Alle Organe des Verbandes kommen ihren Verpflichtungen nach.“ Alles sei mit der Gemeindeabteilung des Landes abgesprochen.

Auf die Frage der TT, ob die Zahlungsrückstände der Gemeinde Matrei wirklich so enorm seien wie in der Kalser Gemeindezeitung beschrieben, meint Steiner: „Was heißt schon ,enorm‘? Ich lasse das jetzt einmal so im Raum stehen.“ Genaue Summen will der Verbandsobmann nicht nennen. Über die ebenfalls erwähnte „prekäre Situation“ des Verbandes habe man bereits im Vorstand diskutiert. Für Matrei gebe es einen fixen Rückzahlungsplan, der nun nicht mehr nur mündlich, sondern auch schriftlich festgehalten ist. Darauf vertraue man. Noch heuer sollen die Finanzen des Verbandes wieder im grünen Bereich sein.

Der Matreier Bürgermeister Andreas Köll sagt dazu: „Wir haben alles geregelt, es verläuft in geordneten Bahnen.“


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